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Musik voller Melancholie zum Abschluss der Musiktage

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David Bader an Laute und Barbara Schmelz mit ihrem Gesang – zwischendurch auch an der Orgel – bezauberten  das  Publikum  in   der   Mühlberger  Kirche   mit  ihren   schönen  Melodien  aus  der Renaissance-Zeit. (Foto: Eder)

Wie gut, dass der junge Pongauer Musiker David Bader im Alter von sieben Jahren einen Skiunfall hatte, sechs Wochen in Gips liegen musste und dabei vor lauter Langeweile Gitarre spielen lernte. Davon angesteckt hat er nicht nur später Gitarre studiert, sondern auch Laute spielen gelernt – und wie! So durften jetzt die Besucher zum Abschluss der Waginger Musiktage ihn und sein schönes Instrument live erleben, kongenial an Orgel und mit ihrer schönen Stimme begleitet von Barbara Schmelz, der neuen Leiterin der Musiktage und künftigen Basilika-Organistin der Benediktinerabteil Scheyern.


»Dowland Consort« nennen sich die beiden, die seit vergangenem Jahr zusammen auftreten, und erweisen damit ihre Reverenz dem englischen Komponisten John Dowland (1563 bis 1626). Dieser Komponist der späten Renaissance ist, wie Barbara Schmelz ihrem Publikum erklärte, bekannt für eine »berührende Liederwelt« voller Melancholie, wo die lieblichen Melodien viel von Liebe, vorzugsweise verschmähter Liebe handeln. Das Programm des Abends umfasste von daher ein gutes halbes Dutzend Lieder von Dowland, aber auch solche von Kollegen aus den Niederlanden, der Schweiz und Italien, die demselben Musikstil huldigten. Offenbar war die Melancholie im elisabethanischen England ein sehr präsentes Phänomen und die Romantisierung von Melancholie eine Art Mode der Zeit.

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Die schlichte Schönheit und eingängige Melodik der Musik – abwechslungsreich präsentiert, mal als Solo, mal als Duett, mal mit Gesang – umfing die Zuhörer in der gut gefüllten Mühlberger Kirche recht rasch und bescherte ihnen ein Stündchen vollkommener Ruhe, eine Zeit ohne Hektik, Eile und Stress, wie Barbara Schmelz das den Besuchern gewünscht hatte – ganz nach dem Motto des Abends, das auch der Titel des ersten Dowland-Liedes war: »Time stands still«. Das Konzert begann mit zwei Liedern im »Zwiegespräch« von Singstimme und Laute, darunter das Stück »Can she excuse my wrongs«, das in der damaligen Zeit wohl ein großer Hit gewesen sein muss, ebenso wie das letzte Lied im Programm »Flow my tears«, das seinerzeit offenbar in ganz Europa bekannt und entsprechend oft »gecovert« worden war, wie man heute sagen würde. Übrigens hat auch der Musiker Sting Titel von John Dowland neu eingespielt.

Weiter ging’s im Programm mit einem Lied, das David Bader als Lauten-Solo präsentierte, nachdem er vorher erläutert hatte, dass die Laute nicht so heißt, weil sie so laut wäre – ganz im Gegenteil handelt es sich dabei um ein Instrument in eher leiser Tonlage, mit sechs Tönen mit jeweils zwei gleichen Saiten. Vielmehr komme die Bezeichnung aus dem arabischen Wort für Holz; eingeführt worden war es nach 700 bei der maurischen Eroberung von Spanien. Ein weiteres Lauten-Solo war Kaiser Karl V. gewidmet, einem Herrscher, der zeitlebens zu Depressionen neigte und deswegen wohl, wie Bader meinte, aus eigenen Stücken zurückgetreten war; was nur sehr selten vorkam und vorkommt – was sich aber allein deshalb schon rentiert hat, weil dabei ein so schönes Lied herausgekommen ist: »Cancion del Emperador« von Luis de Narvaez, inspiriert von der Melodie »Mille Regretz« von Josquin Desprez.

Die Texte der Lieder, so erklärte Barbara Schmelz, handelten in der Tat zumeist von Liebe, vielfach von unglücklicher Liebe, auch das Stück »Onde een linde groen« des offenbar seelenverwandten holländischen Kollegen von John Dowland, Jan Pieterszoon Sweelick: »Natürlich sitzt unter der Linde ein Mädchen«, fasste Barbara Schmelz den Inhalt des Liedes schmunzelnd zusammen, »und natürlich wartet sie auf ihren Buben.« Dieses Lied trug sie an der Orgel vor, mal zart und leise, als ob man die Blätter von der Linde fallen hören würde, dann wieder in kräftige Töne überwechselnd.

Beim nächsten Lied, diesmal aus der Feder des Italieners Ludovico da Viadana »La Fiorentina«, spielten Orgel und Laute sehr harmonisch zusammen, sich gegenseitig Freiräume lassend, dann wieder in freundliches Miteinander einstimmend. Die Besucher ließen sich von der feinen Musik einlullen, was allein auch schon die Tatsache zeigte, dass während des Konzerts keiner die Stimmung dadurch stören wollte, dass er zum Klatschen angehoben hätte. Dafür gab es am Schluss umso stärkeren Applaus, der zu der Zugabe eines französischen Liebesliedes aus der gleichen Zeit führte. Da sangen die beiden im Duett, von der Laute begleitet, und da zeigte sich nochmals, dass die zwei nicht nur hervorragende Instrumentalisten, sondern auch hervorragende Sänger sind. So war etwa Barbara Schmelz Sopranistin im Kammerchor des Mozarteums und Ensemblemitglied beim Salzburger Adventssingen.

Als zweite Zugabe wurde ein Lied aus dem Programm wiederholt, da die beiden, wie Bader witzelte, »mit ihrem Latein«, also mit ihrem Repertoire, am Ende seien. Kulturreferentin Hedwig Witzleben überreichte danach noch Blumen an die Künstler, vom Verein für Heimatpflege und Kultur gab es ein nahrhaftes Paket mit Käse aus Waging dazu. Hans Eder