Musik an, Zapfhahn auf

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Gekommen, um zu feiern: In der Kaserbar war schon lange nicht mehr viel los. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – 38 Jahre lang führt Pit Kurz nun schon die einzige Disco Berchtesgadens mit Kultstatus – die Kaserbar am Königssee. Am Freitag, nach eineinhalb Jahren, durfte er nun wieder öffnen, all der Gerüchte um eine mögliche Geschäftsaufgabe zum Trotz. »Die Leute sind absolut heiß drauf, endlich wieder wegzugehen«, sagt der 69-Jährige. Rückblickend war die Zeit des Verzichts eine harte. Deshalb gilt es nun, noch mal richtig durchzustarten.


»Eineinhalb Jahre waren wir tot«, sagt Pit Kurz. Umgangssprachlich würde man sagen: Die Disse war dicht. Als die Pandemie begann, war der DJ weg, die Musik aus, die Getränke wurden lack im Fass. Und Pit Kurz und sein Team waren von jetzt auf gleich arbeitslos. Ohne zu wissen, wie es weitergeht, ob es weitergeht und – wenn man schon positiv denkt – wann das Bier endlich wieder fließen darf. »Ich habe nicht gedacht, dass das so lange dauern wird«, sagt Pit Kurz. Die vergangenen 18 Monate seien deshalb eine »brutal harte Zeit« gewesen. Für ihn, den Chef, und für sein Team, das ihn allzeit unterstützte, wie er sagt.

Die Kaserbar gibt es seit 53 Jahren. Fast vier Jahrzehnte ist Pit Kurz der Chef, der, der hinter der Theke steht und die Bestellung annimmt. Der im Gesicht seiner treuen Gäste ablesen kann, welcher Wunsch gleich geäußert wird. In guten Zeiten war die Kaserbar so voll von Menschen, dass man sich kaum umdrehen konnte.

Seit Anfang 2020 hat die Disco keiner mehr von innen gesehen. Pit Kurz hat der Umstand gefrustet – die Pacht musste er ja weiterzahlen. Er beantragte Wirtschaftshilfen. »Damit kamen wir einigermaßen über den Berg«, sagt er. Eineinhalb Jahre sind eine verdammt lange Zeit für einen, der seinen Job gerne macht, zwei- bis dreimal pro Woche in der Kaserbar steht.

Untätig blieb Pit Kurz aber nicht. Einen Großteil der Getränke im Lager musste er irgendwann entsorgen. Die ganzen »Red Bull«-Dosen für das Wodka-Bull: abgelaufen: »Hunderte haben wir weggeworfen«, sagt er. Sie haben die Kaserbar neu gestrichen, »vieles haben wir umgemodelt«, Papierhandtücher statt Trockner, neu dazugekommen sind Desinfektionsspender für Discogänger. Auflagen, um weiterzumachen. Es gibt nun zwei Türsteher statt einen. Mehr Kontrollen als früher. Ab sofort gilt die 3 G-plus-Regel. Geimpft, genesen oder getestet, aber nur per PCR. »Wir werden streng kontrollieren«, kündigt der 69-Jährige an. Wer nur schnellgetestet ist, kommt nicht rein. »Da kann der Papst höchstpersönlich kommen.« Probleme in der Disco: Das kann sich Pit Kurz nicht leisten. Klare Worte: »Dann wäre die Kacke am Dampfen.«

Das Ausgehverhalten der jungen Leute sei anders als früher, weiß der langjährige Disco-Besitzer. »Unter der Woche bleiben die Leute zu Hause.« Pit Kurz wird also nur noch am Wochenende öffnen, Freitag und Samstag. Der Donnerstag von früher? Ist gestrichen.

Pit Kurz setzt auf Bewährtes, auf DJ und endlich wieder Feierstimmung. Er möchte jetzt noch mal durchstarten. Musik an, Zapfhahn auf: Viel zu lange haben er und sein Team darauf gewartet.

Kilian Pfeiffer