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Mozart-Programm in Grabenstätts Pfarrkirche

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Das Ensemble Clariosa in der Grabenstätter Pfarrkirche mit Michael Nowotny (von links), Erich Sepp, Max Kappelmeier, Birgit Flähmig und Peter Flähmig. (Foto: Kaiser)

Das Ensemble Clariosa, zusammengesetzt aus dem Münchner Bassetthorntrio und dem Klarinettisten-Ehepaar Birgit und Peter Flähmig, hat beim 9. Konzert des Musiksommers zwischen Inn und Salzach im Kirchenraum der Pfarrkirche Sankt Maximilian Grabenstätt – aus organisatorischen Gründen war das Konzert vom Schlosshof am Grabenstätter Rathaus hierher verlegt worden – eine gute Akustik und ein erwartungsvolles Publikum vorgefunden.


Drei Solo-Orgelstücke hat W. A. Mozart »Für ein Orgelwerk in eine Uhr«, also für eine Mechanik ähnlich der Haydnschen Flötenuhren, komponiert. Die Fantasie in f-Moll KV 594 hatte Michael Nowotny, der Leiter des Bassetthorntrios, für zwei Bassetthörner, zwei Klarinetten und Bassklarinette transkribiert. Ob dieses liebenswerte Werk auf einer Truhen- oder Konzertorgel oder in dieser Besetzung besser klingt – diese Frage stellte sich in Grabenstätt nicht. Die individuelle Dynamik der Blasinstrumente bezauberte im Wechsel von Nachdenklichkeit, Dramatik und froher Bewegung.

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»Ave verum«-Anklänge überraschten am Beginn des Adagios in F KV 580a, doch mit diesem Spätwerk hatte das Adagio nur die ersten Akkorde gemeinsam. Was folgte, war ganz entspannter profaner Wohlklang. Birgit Flähmig führte das Quartett von drei Bassetthörnern und Klarinette souverän an. Welch variables und reizvolles Klangspektrum die Vielfalt der Klarinettenfamilie entfalten kann, zeigte auch der Quintettsatz in F-Dur KV 580b mit fröhlicher, entspannter Unterhaltungsmusik auf hohem, eben Mozarts, Niveau.

Um 1800 richtete ein anonym gebliebener Könner, wie es damals üblich war, Melodien aus Mozarts Oper »Die Zauberflöte« für Harmoniemusik ein, für ein Trio von Bassetthörnern. Unter den Stücken mit hohem Wiedererkennungswert waren die »Vogelfänger«-Arie des Papageno und das schöne Terzett »Bei Männern, welche Liebe fühlen«, das Beethoven zu einer Variationenfolge angeregt hat. Der »Zauberton«, zwar für die Flöte ausgedacht, »funktionierte« auch auf dem Bassetthorn ausgezeichnet. Der »Marsch der Priester« erwies sich als wunderschöne Melodie aus dem Geist des Freimaurertums. Intensives Leid klang aus »Soll ich dich, Theu’rer, nicht mehr seh’n?« – die Arie des Monostatos »Alles fühlt der Liebe Freuden« wirkte wie eine Neid-Reaktion auf diese Liebesbezeugung.

Eine interessante Entwicklung durchlief Mozarts Serenade in c-Moll KV für Bläseroktett, kunstvoll ausgestaltete Harmoniemusik, die eher der Kammermusik zuzuordnen ist. Wohl aus geschäftlichem Interesse hat Mozart selbst dieses Werk in ein Streichquintett umgearbeitet (KV 406). Aus diesen beiden Fassungen destillierte Michael Nowotny seine ganz persönliche für zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner und Bassklarinette, die in Grabenstätt zur Aufführung kam. Das viersätzige Werk brachte ein Allegro in dramatischer c-Moll-Gesinnung, ein Andante in beseelter Agogik und ein kanonisch geführtes Menuetto, das so ganz anders, viel intensiver wirkte als die gängige Menuettform der Zeit. Das letzte Allegro schließlich begann zurückhaltend, bestach dann durch dichte und zwingende Variationen.

Die bezaubernde Arie des Cerubino »Voi che sapete« aus »Figaros Hochzeit« beschloss den Konzertabend würdig. Engelbert Kaiser