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Mozart und die Kirchenmusik in der Fastenzeit

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Das Solistenquartett mit (von links) Aleksandra Zamojska, Bernadette Furch, Maximilian Kiener und Christoph Schöffmann unter János Czifra (Mitte). (Foto: Aumiller)

Ein Konzert zum Erwärmen war der traditionelle Kirchenmusik-Anteil der Bad Reichenhaller Mozartwoche diesmal nicht. Da hatte wohl der zur Fastenzeit anempfohlene Abstinenz-Gedanke den Ausschlag zu extremen Sparmaßnahmen beim Beheizen des Theaters gegeben.


Aber auch der musikalische Funke wollte, zumindest im ersten Teil, nicht so recht überspringen, um das Feuer der Begeisterung bei der Zuhörerschaft zu entfachen. Es wurde zwar untadelig musiziert, aber für den geistlichen Inhalt schien den Ausführenden eher eine etwas distanziert kühle Haltung angemessen, die ebensolches Echo im Publikum fand.

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Dessen ungeachtet war es eine hübsche Programmidee, Mozart mit einigen seiner Zeitgenossen zu umrahmen: Die Sinfonia von Mozarts Vorgänger im erzbischöflichen Hofdienst, dem gebürtigen Inzeller Anton Cajetan Adlgasser, zeigte sich als leicht eingängiges unkompliziertes Stück, aus dem Zeitgeist einstanden, in gefälliger Beweglichkeit vorbeihuschend. Ebenso der Marsch religioso des Salzburger Komponisten, Organisten und Pianisten Sigismund Ritter von Neukomm, der Schüler von Joseph und Michael Haydn und später Lehrer von Mozarts Söhnen war.

Breit gefächerter im Anspruch erwies sich Michael Haydns Magnificat C-Dur aus »Vespere Solennes«. Hier setzte der Chor farbenreiche Akzente und das Zusammenklingen gewann an Fülle und Melodik. Michael, Joseph Haydns Bruder, war damals als »Hofcompositeur« nach Salzburg berufen worden. Die sich im Hofdienst befindlichen Musiker schufen sogenannte Gebrauchsmusik, bestellte und für den kirchlichen oder auch privaten Bedarf geschriebene Musikwerke, die meist nur zu den ganz spezifischen Anlässen aufgeführt wurden und höchst selten zu wiederholtem Einsatz gelangten.

Auch Mozart schrieb in seinen liturgischen Kompositionen meistens Gebrauchsmusik, die sich aber in ihrer Vielgestaltigkeit und im variierten Einfallsreichtum doch merklich abhob und über den eingeforderten »Gebrauch« hinausging, selbst wenn er hie und da seine Themen in mehreren Werken, als Eigenzitate sozusagen, aufgriff. Schönes Beispiel dafür ist die beliebte Mottete »Exultate jubilate«. Aleksandra Zamojska sang sie mit filigranem Stimmeinsatz, aufleuchtend in der Höhe und das Alleluja mit wendigen Koloraturläufen.

Im zweiten Teil war dann die »Waisenhausmesse«, die erste »Missa longa« des 12-jährigen Mozart, das Hauptwerk des Abends. Die Ausführenden profilierten sich zunehmend, der groß besetzte Domchor brachte sich steigernd mit fülligem Klang und Gestaltungswillen imponierend ein. Aleksandra Zamojska gab mit ihren zart silbrigen Sopranhöhen die Obertöne des Quartetts. Bernadette Furch punktete mit warmen fokussierten Mezzoqualitäten, denen sie auch stimmlichen »Biss« zu geben vermochte, Maximilian Kiener mischte seinen schlanken Oratorientenor wie gewohnt stilistisch kompetent in das Gesamtgefüge. Stimmlich etwas untergewichtig und wenig deutlich artikuliert die Bassbasis von Christoph Schöffmann.

Zum deutlichen Gewinn an fülligem Klang wurde der Einsatz der Posaunen, Trompeten und der Pauke im Verein mit den jetzt motivierten Holzbläsern und den Streichern, sodass sich das geistliche Konzert zusammen mit dem Chor und den Solisten schließlich zu einem runden Abgesang gestaltete, dem als Zugabe noch das fein gesungene Ave verum einen Glanzpunkt draufsetzte. Elisabeth Aumiller