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Mozart als Schattenmärchen

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Die acht Akteure lassen mit ihren geschmeidigen Körpern immer neue Schattenbilder entstehen. (Foto: Mikosch)

Mozart lebt! – Nach diesem Motto bringt Rolando Villazón als Mozartbotschafter und Intendant der Salzburger Mozartwoche 2019 sozusagen Mozart auch »unters Volk« mit der Premiere und Welturaufführung eines spektakulären Schattenspiels im Oval, dem Veranstaltungssaal des Europarks.


Mozarts Amazing Shadows, die jüngste Schattentheaterproduktion der preisgekrönten US-amerikanischen Profitänzergruppe Catapult, wurde eigens für die Mozartwoche 2019 geschaffen und verblüffte ein staunendes Publikum mit einer märchenhaften Geschichte für Jung und Alt über die Geschwister Mozart und einen anderen kleinen Mitbewohner der Salzburger Getreidegasse, nämlich die überaus musikalische Maus mit Namen »Mauzart«.

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Adam Battelstein, künstlerischer Leiter, Choreograf des Ensembles Catapult und Autor dieser gefühlsgetragenen Geschichte über Frohsinn, Verlust, Hoffnung und Freundschaft, lässt diese als Retrospektive von Mozarts inzwischen alt gewordenen Schwester Maria Anna, dem einstigen »Nannerl«, erzählen. Dazu erklingt von einem Tonträger Mozarts wunderschöne Musik.

Die beiden Mozartkinder haben sich – wie manch andere Kinder auch – ihr eigenes schönes Traumreich erschaffen, in das sie sich neben ihren frühen künstlerischen Herausforderungen zurückziehen konnten. Darin taucht eines Tages der kleine Mäusebub Mauzart auf, der mit seinen kleinen Beinen auf den riesigen Tasten des Klaviers tanzt, dabei seine eigene Musik komponiert und die Herzen der Kinder gewinnt. Aber auch er schließt die beiden ins Herz, ganz gegen das strikte Verbot seiner Mäuseeltern, die im Kontakt mit den Menschen eine Gefahr sehen. Aber als er die Musik für sich entdeckt, kann er weder von ihr noch von den beiden Mozartkindern lassen, obwohl Mutter Maus Opfer der gefährlichen Kammerjäger wird.

Weiter erzählt Maria Anna von ihrer Enttäuschung darüber, dass ihr als junge Frau wegen ihrer bevorstehenden Heirat vom Vater untersagt wurde, öffentlich zu musizieren. So fühlen sich alle drei, die Mozartkinder wie auch der Mäusejunge Mauzart, in ihr Traumreich verbannt, das ihnen aber nicht mehr tröstend, sondern auf einmal bedrohlich erscheint. Ungeheuer und Dämonen tauchen auf, Kämpfe werden mit ihnen ausgetragen, bis jeder der Drei seine eigene Entscheidung trifft, doch weiter verbunden durch eine tiefe Freundschaft.

Wechselnde leuchtende oder pastellige Farben der Lichtquelle strahlen während der einstündigen Aufführung von der hinteren Bühnenwand her die Akteure an und werfen ihre Silhouetten und Bewegungen als Schatten auf die riesige Leinwand. Die Zuschauer sitzen im Dunklen, während die acht Akteure mit ihren geschmeidigen Körpern immer neue Schattenbilder entstehen lassen, nicht langsam oder gar statisch, sondern in steter Bewegung. In verblüffender Geschwindigkeit erscheinen von allen Seiten anmutig tanzende Schattenpaare und entschwinden wieder. Der junge Mozart vergnügt sich mitten unter ihnen.

Plötzlich sieht man Türme und die Silhouette Salzburgs, die sich auflöst und sich verwandelt: in Tiere wie Löwen oder Elefanten, Möbel oder in die wundersamen wie beängstigenden Fabelwesen aus dem Zauberreich der kindlichen Fantasie der Mozartgeschwister. All dies geschieht im Nu durch die schier magische Komposition der artistischen Körper, die sich in schier unerklärlichem Tempo »zusammenbauen«! Ganze Welten erscheinen in diesem verzaubernden Schattenreich und mitten drin die kleine Maus Mauzart, deren Mäusesilhouette wohl durch eine Art umgeschnalltes Pappschild im Schatten entstehen kann.

Eindrucksvoll untermalt Mozarts Musik jede Szene: heiter und tänzerisch oder auch traurig und voller Schwermut, wie etwa durch die Klänge aus Mozarts Requiem, während Mutter Maus schwer verletzt in einem Bett liegt, welches auch aus den entsprechend komponierten Körpern zweier oder dreier Tänzer als Schatten auf der Leinwand erscheint. Mit unglaublicher Geschwindigkeit wechseln nahezu eine Stunde lang die einprägsam dargestellten Szenen und eröffnen den staunenden Augen der Zuschauer eine Handlung, in der die Maus Mauzart gemeinsam mit den beiden Mozartkindern lernt, was Trauer, Liebe und Freundschaft bedeuten. Damit lösen sich Kummer und Ängste.

Die rhythmische »Alla Turka« aus Mozarts berühmter A-Dur-Sonate hellt zum Schluss hin die Stimmung bei stetem kunstvollem Wandel der schwarzen Schatten auf, bis die Geschichte in fast poppig wirkendem, wild-fröhlichem Rhythmus endet. Der Beifall für das achtköpfige Ensemble und seinen kreativen Initiator Adam Battelstein war groß und anhaltend. Die Begeisterung des Publikums beim Verlassen des Theaterraums war nicht zu überhören: »Überraschend, voller Poesie und Emotionen, verblüffend oder einfach nur – wunderbar«! Weitere Vorstellungen sind am heutigen Donnerstag, am morgigen Freitag um 19.30 Uhr sowie am Samstag um 15 Uhr und um 19.30 Uhr. Helga Mikosch