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»Motivation verloren« - Kittel beendet Radsport-Karriere

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Marcel Kittel
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Macht Schluss mit der aktiven Radsportkarriere: Topsprinter Marcel Kittel. Foto: Clara Margais Foto: dpa

Familie und Freunde statt Dauerdruck und Müdigkeit: Lange war über die Zukunft von Radstar Marcel Kittel spekuliert worden, nun hat sich der ehemalige Weltklassesprinter entschieden.


Berlin (dpa) - Deutschlands Tour-Rekordetappenjäger Marcel Kittel hat genug von den Torturen und beendet nach 89 Profisiegen seine glanzvolle Radsport-Karriere.

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Der 31-Jährige zog nach monatelangem Rätselraten in der aktuellen Ausgabe des Magazins »Spiegel« einen Schlussstrich. »Schmerzen definieren den Sport, die Welt, in der du lebst. Ich habe jede Motivation verloren, mich weiter auf dem Rad zu quälen«, sagte Kittel.

Der Thüringer war 2011 Profi geworden und feierte gleich in seinem Debütjahr mit 17 Siegen nach dem Belgier Philippe Gilbert die zweitmeisten Erfolge der Saison. Mit 14 Tagessiegen bei der Tour de France ist der endschnelle Sprinter Deutschlands Rekord-Etappensieger bei der Frankreich-Rundfahrt, wo er 2013 und 2014 auch jeweils für einen Tag das Gelbe Trikot trug.

Kittel hatte im Mai aus persönlichen Gründen seinen Vertrag beim Team Katusha-Alpecin aufgelöst und seitdem seine Zukunft offen gelassen. Im Gespräch als neuer Arbeitgeber war zuletzt der niederländische Rennstall Jumbo-Visma, das Team des befreundeten Kollegen Tony Martin. Doch nun fällte Kittel eine klare Entscheidung.

»Es gab lukrative Angebote. Aber Geld war für Marcel nie der Motor seiner Entscheidung. Es war seit Mai ein langer Prozess - mit vielen Abwägungen«, sagte Kittels Manager Jörg Werner der Deutschen Presse-Agentur. »Als Radfahrer bist du 200 Tage im Jahr unterwegs. Ich möchte meinen Sohn nicht über Skype aufwachsen sehen«, meinte Kittel, der gemeinsam mit seiner Freundin im November sein erstes Kind erwartet.

In den letzten Monaten sei ihm bewusst geworden, was durch seinen Sport in seinem Leben in den Hintergrund getreten sei: »Familie, Freunde, alles kam zu kurz. Dazu die permanente Müdigkeit und die Routine. Ich habe diesen Verlust an Lebensqualität immer mehr realisiert.«

Den Rennanzug und das Fahrrad hatte Kittel schon im Juli gegen ein feines Kurzarmhemd und ein Mikrofon getauscht. Sichtlich gelöst gab er bei der 106. Tour de France sein Debüt als ARD-Experte. Im Vergleich zum Mai, als zur Trennung vom Team die Akkus leer schienen, wirkte Kittel im Sommer wieder voller Freude und mit positiver Energie geladen. Damals war noch von einer persönlichen Auszeit die Rede. Um die Fortsetzung seiner erfolgreichen Laufbahn machte Kittel jedoch ein Geheimnis und genoss einfach seinen Besuch bei der Tour in vollen Zügen. »Es ist immer noch die gleiche Atmosphäre. Ich war sehr aufgeregt«, berichtete er. »Es war wichtig für ihn, dass er bei der Tour war. Danach wurde seine Entscheidung klarer«, erklärte Werner.

Sportlich war Kittel in den vergangenen Jahren jedoch eine Wundertüte. In Top-Form war er von fast keinem zu schlagen, in schlechteren Zeiten wirkte er völlig außer Form. 2013, 2014 und 2017 gewann er jeweils mindestens vier Tour-Etappen, dazu gesellten sich mit 2015 und 2018 aber auch zwei echte Seuchenjahre. Erstmals nannte Kittel nun Gründe für die Trennung von Katusha-Alpecin, wo er seit 2018 unter Vertrag stand: Er habe im Team kein Vertrauen gespürt, »sondern nur Druck. Druck. Druck.«

Im Winter möchte Kittel an der Universität Konstanz ein Studium der Wirtschaftswissenschaften aufnehmen. »Ich freue mich darauf, weil ich eine große Lockerheit habe«, sagte er »sportschau.de«.

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Beitrag bei "Spiegel Online"

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