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Morgen Startschuss für Krautkaser-Beschneiung?

Schönau am Königssee – Bei der Berchtesgadener Bergbahn AG freut man sich auf den Sonntagabend. Betriebsleiter Wilfried Däuber geht davon aus, dass morgen gegen 18 Uhr die Temperaturen so weit gesunken sein werden, dass die neue Beschneiungsanlage am Krautkaser erstmals in Betrieb gehen kann. Dann wird das jetzt fertiggestellte DSV-Trainingszentrum sein endgültiges weißes Gesicht bekommen. Gefahren wird allerdings erst ab 21. Dezember, die Eröffnungsfeier ist gar erst für den März angesetzt.

Aufwendige Terrassenbauten waren erforderlich, um die Bergstation der neuen Krautkaserbahn in das steile Gelände zu setzen. Foto: BBAG

Über 50 Jahre lang – von 1962 bis 2013 - gab es den Krautkaser-Schlepplift. Und nun beginnt mit der neuen Vierer-Sesselbahn mit einem weitaus größeren Höhenunterschied und einer damit auch längeren Abfahrt eine neue Ära am Jenner. Nicht nur DSV-Rennläufer sollen dort ein Betätigungsfeld finden, sondern das neue Pistenareal sollen zu mindestens 40 Prozent auch Freizeitskiläufer nützen können. Für die neue Bahn ist sogar ein Verhältnis von 90:10 zugunsten der Freizeitskifahrer angedacht.

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Im Rahmen geblieben sind laut Betriebsleiter Wilfried Däuber die Kosten in Höhe von 6,3 Millionen Euro für die Sesselbahn und die neuen Abfahrtsvarianten mit Skicross und Boardercross, wenngleich noch nicht alles abgerechnet wurde. Die Preise für die Wintersportkarten werden um drei Prozent steigen, womit aber auch dem Strompreis Rechnung getragen wird.

Gefahren wird erst einmal ohne offizielle Eröffnungsfeier. Der Festakt mit hohen Repräsentanten aus der Politik und den Geldgebern ist erst für den März geplant. Wilfried Däuber wünscht sich, dass dann die Bevölkerung in großer Zahl dabei ist.

Über 120 Schnee-Erzeuger mit gut 80 Schneelanzen und Niederdruck-Kanonen sind im Jenner-Skigebiet nach der Krautkaser-Erweiterung im Einsatz. Die werden vermutlich ab morgen erstmals anlaufen. »Für den Sonntag sind Temperaturen angesagt, die ab 18 Uhr eine Beschneiung zulassen. Dann beginnen wir mit einer Mannschaft von sechs bis acht Spezialisten flächendeckend Maschinenschnee zu produzieren«, kündigt Däuber an.

Die Regierung von Oberbayern hat dem Betrieb von Bahn und Beschneiung bereits ihre Zustimmung erteilt, die Abnahme durch den TÜV ist problemlos erfolgt und die Sesselbahn lief vor der technischen Abnahme über 50 Stunden im Dauerbetrieb. Die Bahn kann mit maximal 46 Sesseln bis zu 1 500 Fahrgäste pro Stunde befördern, im reduzierten Betrieb mit 30 Sesseln sind es immer noch 1 000 Wintersportler pro Stunde. Durch die neue Bahn wird die Krautkaserabfahrt ein gutes Stück auf fast 1 200 Meter verlängert.

Weniger glücklich über die Erdbewegungen und Rodungen im Krautkasergebiet sind die Naturschützer. Vertreter von Bund Naturschutz machten sich des öfteren ein Bild von den Bauarbeiten. Davon hat Wilfried Däuber allerdings nicht viel mitbekommen. »Da gab es eigentlich nichts Besonderes, offensichtlich waren andere Dinge wie die Verhinderung des Hotelbaus am Königssee oder Nolympia wichtiger«, so der Betriebsleiter. Noch vor Weihnachten will man Näheres zur neuen Sesselbahn bekanntgeben, darunter auch die umweltbegleitenden Maßnahmen, die laut Däuber ebenso wie die Ausgleichsmaßnahmen streng überwacht worden seien.

Das sieht Kreisvorsitzende Rita Poser vom Bund Naturschutz allerdings ganz anders. »Zuviel Bergwald wurde gerodet, Ausgleichs- und Ersatzflächen sind nicht im erforderlichen Maß geschaffen worden, die Untere Naturschutzbehörde hat dies auch nicht kontrolliert«, monierte Rita Poser, die auch eine neue Gefahr für Skitourengeher und Winterwanderer sieht.

Dem wiederum widerspricht Wilfried Däuber vehement: »Das Pistenqueren durch Skitourengeher oder Wanderer am Krautkaserhang ist nicht das Gefährliche. Dort werden in Leuchtschrift Warnhinweise angebracht. Ein weitaus größeres Gefahrenpotenzial ergibt sich im Bereich der Mittelstation, wo unter der Sesselbahn eine öffentliche Hauptskiabfahrt hindurch führt«.

Interessant auch für den Freizeitskifahrer könnten die neuen Abfahrtsvarianten am Krautkaser mit permanenter Crossstrecke inklusive Schanze sein. Diese Strecke wird im Winterbetrieb mit hohen Schneekurven sowie einem echten Kicker gebaut. Warntafeln mit dem Hinweis auf eine »Sonderskifläche« sollen unerfahrene Skifahrer von dieser Crossstrecke fernhalten. Das alte Zielhaus im Krautkaserhang wurde renoviert und mit einer neuen Toilettenanlage versehen, die alte Talstation des Schleppliftes dient künftig als Lager.

Das diesjährige »Ski-Opening« am Jenner ist erst für den 21. Dezember geplant. »Bereits an den Wochenenden davor zu öffnen, bringt nichts«, sagt Wilfried Däuber. Seine Vorfreude auf diesen Termin wird allerdings durch die jüngsten Entwicklungen ein wenig getrübt. Da war zuerst das Aus für das Königsseer Hotelprojekt und dann die von den Bürgern abgelehnte Olympiabewerbung. »Mit diesen Projekten hätten wir die längst nötige neue Jenner-Seilbahn bekommen. Jetzt müssen wir halt einen Investor finden, der die Bahn auch so baut«. Immerhin ist ja eine Bahn bereits Realität geworden. Christian Wechslinger