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Mord, mörder, mordst

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»Morde sind nicht gut für den Gemeindehaushalt«, tönt es aus dem Schönramsgadener Rathaus. Gut in jeden Privathaushalt passt das neue Buch »Herr Wolf kam nie nach Berchtesgaden« von Ulrich und Peter Karger, aus dem dieses Bild stammt. Mehr Infos unter www.salz-der-heimat.eu.

Ab dem dritten Mord wird's entspannter. Mord, mörder, mordst. Ha, der Sepp liebt seine Wortspiele. Kommt Zeit, kommt Mord. Mord- und Zeittotschlag. Als Staatsdiener muss er sich keinem Stress aussetzen. Denn Stress zerstört die Hirnzellen. Und von denen braucht der Sepp zur Zeit jede einzelne. Deshalb sitzt er ganz gechillt an seinem Schreibtisch, macht Brotzeit und schaut sich die Bilder in einem Kochbuch an.


Ganz Schönramsgaden dreht durch, der Sepp dreht Däumchen. Wegen der Morde müssen wir den Bau der Weitbriesenbrücke einstellen, hat ihm der Bürgermeister an den Kopf geworfen. Und die Mensa des Gymnasiums ist auch teurer geworden. Die Schönramsgadener sind in Lethargie verfallen. Kauen katatonisch an ihrem Stuck. Der im übrigen jetzt noch gar nichts in den Läden verloren hat. Früher gab es Stuck nur an Allerheiligen und Allerseelen. Aber nicht zu kaufen, sondern die tüchtige Hausfrau hat ...

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Während sich der Polizeihauptmeister so seine Gedanken über saisonale Backwaren macht, hat er völlig vergessen, worüber er zuvor nachgedacht hat. Ja, genau: über Stress. Der Rasp-Sepp lässt sich jetzt nicht mehr unter Druck setzen. Nicht von Hauptkommissar Elvis Presley, der sich groß als Chef aufspielt. Nicht von seinen Kollegen, die außer Geschwindigkeitskontrollen nichts können. Und schon gar nicht vom Schönramsgadener Anzeiger, diesem bräsigen Käseblatt.

Apropos Käse. Leberkäse als Lebensphilosophie. Ist im Leben alles Käse, kauf dir einen Leberkäse. Das neue Buch von Sechs-Sterne-Koch Peppi Haflinger gefällt dem Sepp wirklich gut. Leberkas-Carpaccio, Leberkas light, Leber-Kasserolle, Leberkasperl und Prinzessin Develey, Leberkaspressknödel, Leberkastenbrot, Leberkaskoversicherung. Lauter feine Sachen. Dem Rasp-Sepp lauft das Wasser im Mund zusammen.

Beziehungsweise aus dem Mund heraus. Der Sepp ist eingeschlafen und der Sabber tropft auf seine schlecht gebundene Krawatte. Chhhrrrrrjazefix. Das Telefon klingelt impertinent. Kein Kollege da. Draußen ist es schon dunkel. Ja, is denn scho wieder Nachtschicht. In Erwartung einer bösen Stressattacke nimmt der Polizeihauptmeister ab.

Ja, i wui hoffen, dass des ernst is. Ach so, Sie hoaßn Ernst. Wo? Bergschnullermarkt? Wo is des? An der Grenz' zu Österreich? Ja, stimmt, do gibt's no so a Kaff. A Psychopath in der Kirchgasse. Haut sich dauernd den Schädel an der Kirchmauer o? Gefahr für Leib und Leben? I kimm glei.

Ein alter Witz lautet: Was passiert, wenn die Bergschnullermarkter aussterben? Dann sind die Schönramsgadener die Dümmsten im Talkessel. Und das kann der Rasp-Sepp nicht zulassen. Er ist wild entschlossen, sich die Sache in dieser verwunschenen Gemeinde anzuschauen.

Vorsichtshalber entsichert er schon mal seine Heckler & Koch. Denn Bergschnullermarkt ist Wilder Nordosten, Outback, zivilisatorische Sahelzone. Während sich der Sepp so in Rage denkt, wird er schon wieder müde. Deshalb zischt er noch einen doppelten Espresso macchiato und schnapp sich ein Stück Stuck. Wobei das eine Frechheit ist, Mitte September schon Stuck zu essen.

Werbung für Peter Kargers Galerie Ganghof: Kunst ist, wenn man sie trotzdem kauft. cfs