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»Hamlet«-Aufführung beim 1. Traunsteiner Theater- und Kulturfestival – Weitere Vorstellungen

Mord, Machtkämpfe und Intrigen

Ein ungewöhnliches Theatererlebnis wird derzeit auf dem Parkplatz vom Wochinger Bräu an der St.-Oswald-Straße in Traunstein geboten. Hier hat die Comoedia Mundi, Bayerns einziges Tourneetheater mit eigener mobiler Spielstätte, seit einigen Tagen ihr Zelt aufgebaut.

Die vier Darsteller in »Hamlet«, die jeweils in verschiedenen Rollen auftraten: (von links) Merle Lisek, Fabian Schwarz, Maximilian Berger und Loes Snijders. (Foto: M. Heel)

1983 gegründet, ist die Truppe seitdem mit bis zu fünf Inszenierungen, Theaterbau und dem Zuhause der Ensemblemitglieder unterwegs. Aktuell verfügt das Zelt über ca. 150 Plätze sowie 35 Quadratmeter Bühnenfläche und ist ausgestattet mit einer professionellen Licht- und Tonanlage. Getragen wird Comoedia Mundi von Loes Snijders und Fabian Schwarz, je nach Produktion ergänzen weitere Künstler das Ensemble.

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Im Rahmen des 1. Traunsteiner Theater- und Kulturfestivals hat das Ensemble jetzt »Hamlet« aufgeführt, William Shakespeares wohl tiefsinnigste und berühmteste Tragödie über Mord, Machtkämpfe und Intrigen am dänischen Königshaus. Allerdings in einer radikal verkürzten Fassung mit nur vier Schauspielern in Mehrfachbesetzungen, geschrieben von Peter Kaempfe, der einst Mitglied der Bremer Shakespeare Company war und sich jahrelang mit dem Werk Shakespeares auseinandergesetzt hat.

Dass das Drama dennoch seine volle Wirkung entfalten konnte, lag dabei zum einen an der geschickten Dramaturgie, die vieles aussparte, ohne dadurch beliebig zu werden, zum anderen an der Spielfreude der Akteure, die mit Gusto ihre diversen Rollen ausfüllten. So wurde vieles nur angedeutet oder fand im Off statt, etwa das Duell zwischen Laertes und Hamlet oder das finale Gemetzel. Und auch Ophelia, die nicht nur im Stück dran glauben muss, fiel der Inszenierung gleich ganz zum Opfer. Gestrichen bzw. gekürzt wurden auch viele Monologe Hamlets, wichtige Zitate und geflügelte Worte wie »Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage«, »Es ist etwas faul im Staate Dänemark« oder »Der Rest ist Schweigen« blieben jedoch erhalten.

Umso bewundernswerter war, wie rasant und punktgenau die beiden Schauspielerinnen Loes Snijders und Merle Lisek sowie ihre zwei männlichen Kollegen Maximilian Berger und Fabian Schwarz die vielen Szenen- und Kostümwechsel bewältigten und sich blitzschnell in ihren jeweiligen Rollen einrichteten. Wobei bei allem tragischen Ernst auch die Komik nicht zu kurz kam: So agierte Fabian Schwarz eingangs als Hausmeister, ausgerüstet mit Schrubber und Putzlumpen, der den Zuschauern »Winkelemente« überreichte, die sie dann selbst verteilen mussten, um damit dem Königspaar zuzujubeln. Eine glänzende Vorstellung boten auch Loes Snijders und Merle Lisek als tollpatschige Hofschranzen Rosenkrantz und Güldenstern, die, ausstaffiert mit Trenchcoat und Melone, für den König Spitzeldienste übernahmen.

Sehr überzeugend war Fabian Schwarz auch in seiner Rolle als verschlagener, leicht melancholischer König Claudius. Kein simpler Bösewicht, sondern ein durchaus rational handelnder Machtmensch, der zur Not bzw. aus Staatsraison halt über Leichen geht. Kein leichtes Spiel also für Maximilian Berger, den Initiator des Festivals, der den abgründigen Part des Prinzen von Dänemark übernommen hatte und seinen Hamlet mit großer Präsenz verkörperte, gefühlsstark, verletzlich und getrieben.

Kurzum, eine so eigenwillige wie kurzweilige Aufführung, die vielleicht nicht jedem gefallen wird, in ihrer erfrischenden Mischung aus Werktreue und radikaler Bearbeitung aber absolut einen Besuch wert ist. Weitere Aufführungen finden am morgigen Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 19 Uhr statt. Karten gibt es unter Telefon 0151/26939781 oder per E-Mail unter kontakt@comoedia-mundi.de. Wolfgang Schweiger