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Mitreißendes Broadway-Feeling in Immling

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»It ain´t necessarily so« singt Luthando Qave aus Gershwins Oper »Porgy and Bess«. Der Dirigent Mariusz Smolij dirigiert Orchester und Festivalchor Immling. (Foto: Giesen)

Das Wetter meinte es von Anfang bis Ende gut mit den Hunderten von Besuchern der »Großen Nacht des Musicals« auf Gut Immling, sodass die Festhalle nahezu voll besetzt war.


Schon die ersten Klänge des »Musical-Medleys« des Festivalorchesters Immling unter der Leitung von Mariusz Smolij rissen das Publikum fast von den Sitzen: Die vertrauten Klänge zum Bei-spiel von Leonard Bernsteins »Curtain Up – New York, New York« oder Andrew Lloyd Webbers »Annie Get Your Gun« in perfekter orchestraler Einstudierung begeisterten. Mit Mariusz Smolij war es Cornelia von Kerssenbrock gelungen, erstmals ihren früheren Lehrer beim Dirigatstudium und weltweit gefragten Dirigenten für Immling zu gewinnen.

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Smolij ist seit 14 Jahren Musikdirektor des Acadiana Symphony Orchestra in Lafayette, Louisiana, und ebenso des Riverside Symphonia in New Jersey, außerdem seit 2016 künstlerischer Leiter des polnischen Torun Symphony Orchestra. In der Nähe von Katowice in Polen geboren absolvierte Smolij sein Dirigatstudium in den USA. Bis jetzt leitete er 125 Orchester in 27 Ländern auf fünf Kontinenten.

Die fulminante Musik der Musicalnacht – teils anrührend lyrisch, teils sprühend von Rhythmus und Temperament – zog sich durch den gesamten Abend, so bei Richard Rodgers' »Oh, what a beautiful mornin'« aus »Oklahoma« oder mehreren Songs aus Andrew Lloyd Webbers »The Phantom of the Opera«. Als durchweg großartige Solistin mit großer und dennoch weich modulierender Sopranstimme glänzte die erst 1991 in Moskau geborene Anastasia Churakova in fast allen weiblichen Rollen. Sie hat bereits eine steile Karriere hinter sich, erhielt zahlreiche Preise bei internationalen Gesangs- und Klavierwettbewerben und sang bereits auf der Großen Bühne im Salzburger Festspiel-haus und anderen großen Bühnen. Derzeit studiert sie an der Universität Mozarteum Salzburg bei Professor Mario Diaz und in der Gesangsklasse von Ildiko Raimondi.

Die Wirkung eines Musicals basiert aber keineswegs nur auf der Musik, sondern es ist gleichsam ein Gesamtkunstwerk aus dem Zusammenklang von Choreografie, Texten und Schauspiel.

Nach einer Idee von Kim Mira Meyer, die für Choreografie und Moderationskonzept verantwortlich zeichnete, fungierten als Moderatoren des Abends Ivy Smith (Lea Unterseer) und der Matrose Gaby (Benedek Nagy), die einander im Großstadtgewirr von New York verloren haben und nun überall suchen.

Vor der Pause erklangen nach George Gershwins Ouvertüre zu dem Musical »Girl Crazy« zwei wunderschöne Lieder aus »Porgy and Bess« – »Summertime«, ungewöhnlicher Weise von einer Frauenstimme (Anastasia Churakova) dargebracht und das mächtige »It ain´t necessarily so«, interpretiert von dem südafrikanischen Bariton Luthando Qave. Mit mächtiger, voll tönender Stimme sang er nicht nur die berühmten Songs aus Porgy and Bess«, sondern später aus Mitch Leighs »Man of La Mancha« oder »Stars« aus Claude-Michel Schönbergs »Les Miserables«. Es folgten mehrere sehr bekannte Lieder aus »My Fair Lady« wie »The Rain in Spain« (Churakova, Moeng) oder »On the Street Where you Live«, einfühlsam lyrisch interpretiert von dem Tenor Jenish Ysmanov.

Das Bühnenbild wurde jeweils zur Musik passend durch Videos, zum Beispiel von New York, London oder Nebel verhangenen Landschaften mit den passenden Lichteffekten, eingeblendet, beides arrangiert von Maximilian Ulrich. Wichtiger Faktor zum Gelingen der Aufführung war der von Lukas Gahabka hervorragend einstudierte Festivalchor Immling mit rund 40 Sängerinnen und Sängern, verstärkt durch Extrachoristen und einen Teil des Jugendchors der Akademie Immling, die zusammen ein harmonisches, klangstarkes Ensemble bildeten.

Im zweiten Teil des Abends ging es mit unvergesslichen Melodien aus der »West Side Story« von Leonard Bernstein wie »Maria« oder »Tonight« weiter oder dem eindringlich gesungenen Ohrwurm »Don't Cry for Me Argentina« (Churakova) aus Webbers »Evita«. Nach mehreren Songs aus Bernsteins Musical »On the Town« gab das Publikum natürlich noch lang keine Ruhe, bis zwei Zugaben, »Mambo« aus der West Side Story und »Memory« aus »Cats« der Musicalnight schließlich ein Ende bereiteten. Christiane Giesen