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Mitreißendes Bach-Weihnachtsoratorium

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Der VokalExpress Teisendorf und das Ensemble O-Ton Barock unter Leitung von Stephan Hadulla beeindruckten in der weihnachtlich geschmückten Pfarrkirche St. Andreas in Teisendorf mit barocker Weihnachtsmusik. (Foto: Mergenthal)

Ein Klassiker unter allen geistlichen Kompositionen ist das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Der gemischte Chor »VokalExpress Teisendorf« unter Leitung von Stephan Hadulla griff zwei der sechs Teile heraus und band sie mit Werken weiterer Barockkomponisten in ein äußerst stimmiges Programm ein.


Das Publikum in der voll besetzten Pfarrkirche St. Andreas Teisendorf und zwei Tage später in der Kirche Heilig Kreuz in Traunstein war beeindruckt. Die Profi-Musiker – das begleitende Ensemble O-Ton Barock und die männlichen Gesangssolisten Christian Giglmayr und Benjamin Sattlecker aus Salzburg - und die ambitionierten Hobby-Sängerinnen und Sänger vom VokalExpress schufen miteinander ein mitreißendes Gesamtkunstwerk.

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Der Abend begann thematisch und von der Musikgeschichte her passend mit der Adventskantate »Wie soll ich dich empfangen« des Bach-Vorbilds Dietrich Buxtehude, der über 100 Kantaten und geistliche Werke geschaffen hat. Die choreigenen Sopran-Solistinnen Monika Koch und Eva Maria Thurner boten mit der volltönenden, ausgewogenen Bassstimme von Benjamin Sattlecker, der derzeit die Salzburger Gesangsszene als Nachwuchstalent aufmischt, eine harmonische Einheit.

Der erste Teil des Weihnachtsoratoriums »Jauchzet, frohlocket« spann den Faden weiter von der inneren Sehnsucht des Advent bis hin zur Geburt Jesu in der »harten Krippen«. Der von Hadulla mit absoluter Präzision bei gleichzeitiger Großzügigkeit und Lockerheit bestens vorbereitete Chor zog mit freudigen Eröffnungs- und Schlusschören und schön fließenden, Ruhe ausstrahlenden Chorälen in Bann. Als Evangelist überzeugte Christian Giglmayr mit Sprachgefühl, klarer, leuchtender Tenorstimme und vornehmer, diskreter Vortragsweise im Dienst der biblischen Botschaft.

Anmut strahlte der zärtlich-verspielte, schwingende Dialog zwischen Altistin Lisa Schmuck, ebenfalls aus dem Chor, und der ersten Violine mit einem stets herausragenden Basso Continuo in der Arie »Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben« aus.

Beim Oboenkonzert d-Moll von Benedetto Marcello, einem studierten Juristen und italienischen Komponisten des Barock, stand das Instrumentalensemble im Mittelpunkt. Marcello gilt als letzter Vertreter des großen pathetischen, wohl von Vivaldi beeinflussten Gesangsstils. Die Oboe, meisterhaft präsentiert von Barbara Nusko-Urthaler, wírkt in dieser Musik tatsächlich wie eine menschliche Stimme. Nach dem prächtigen ersten Satz hinterließ vor allem der Mittelsatz einen nachhaltigen Eindruck. Wie perlende Tränen wirkten die, schwebend hingesetzten, feinen Striche der Streicher, die mit chromatischer Spannung eine Atmosphäre der Wehmut erzeugen und an die oft vergessene Schwere in der Weihnachtserzählung oder auch das spätere Leiden Jesu erinnern. Darüber entfaltete sich die wunderbare Oboenmelodie, bis sich die Spannung endlich auflöste und der fröhliche, quirlige Satz, Hirtenmusik ähnelnd, alle dunklen Gedanken vergessen ließ.

Die Gruppe O-Ton Barock verwendet Originalinstrumente und war mit drei Trompeten, Pauke, zwei Traversflöten – darunter der aus Teisendorf stammende Patrick Pföß –, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass und Orgel besetzt.

Der dritte Satz mündete in den Jubel eines »In dulci jubilo«, von den Solisten in Buxtehudes Version dargeboten. Voller Singfreude setzte der VokalExpress den dritten Teil des Weihnachtsoratoriums drauf und riss mit dem zackig und präzise gesungenen Chor »Herrscher des Himmels« mit. Die gut gelungene, anspruchsvolle Fuge »Lasset uns gehen gen Bethlehem« strahlte die gebotene Leichtigkeit aus und erzählte von der kindlichen Neugier und Aufbruchstimmung unter den Hirten. Sopranistin Monika Koch zeigte im langen Duett mit Bassist Sattlecker bei »Herr, dein Mitglied, dein Erbarmen tröstet uns und macht uns frei« eine eindrucksvolle Leistung. Der fein intonierte Choral »Ich will mit Fleiß bewahren« strahlte freudige Glaubensinnigkeit aus.

Von Anfang bis Ende war das Konzert ein Genuss und der volle Chorklang bei weniger als 40 Sängerinnen und Sängern erstaunte. Mit einem Choral aus dem sechsten Teil des Weihnachtsoratoriums mit prächtigen Trompeten-Zwischenspielen bedankten sich die Sänger und Musiker für den langen Applaus. Stehende Ovationen gab es für die Mitwirkenden auch bei der Aufführung in Traunstein. Veronika Mergenthal