Mit Schwung und klarem Ziel: Neue Leitung der Touristinfo Ramsau

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Martha Graßl ist in der Ramsau aufgewachsen und hat in der Touristinfo ihre Ausbildung gemacht: Fünf Jahre später leitet sie diese nun. (Foto: Lena Klein)

Ramsau – Sie ist jung und hoch motiviert: Martha Graßl hat zum 1. April die Leitung der Touristinfo in Ramsau übernommen. Sie tritt damit in die Fußstapfen von Fritz Rasp. »Es freut mich, dass man mir diese Aufgabe zutraut«, sagt sie im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«.


Martha Graßl kommt selbst aus der Landwirtschaft, »wir haben einen Biobauernhof und vermieten«. Sie kennt die Strukturen in der Gemeinde, weiß, wie sie die Leute nehmen muss. Die Entwicklung zu einem nachhaltigen Tourismus hin hat sie mitverfolgt. Schon als Kind hat sie den Gästen ihre Zimmer gezeigt, sich mit ihnen unterhalten oder auch mal frech nach Schokolade gefragt. »Ich war schon immer sehr kommunikationsfreudig«, sagt sie und lacht. Später absolvierte sie ein Schulpraktika in der Tourist-Info in Ramsau. »Es hat mir so gut gefallen, dass ich – als ich mit der Schule fast fertig war – angefragt habe, ob es einen Ausbildungsplatz geben wird.«

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Es gab einen, Martha Graßl wurde angenommen und in Folge drei Jahre lang von Fritz Rasp ausgebildet. »Im Rahmen eines Projekts habe ich mich dann auch näher mit den Bergsteigerdörfern befasst.« Seit 2016 ist sie ausgebildete Kauffrau für Tourismus und Freizeit und in der Touristinfo in Ramsau tätig. Als klar war, dass Fritz Rasp in Altersteilzeit geht, hat das ganze Team nach einer Lösung gesucht. Martha Graßl konnte sich vorstellen, seine Position zu übernehmen. »Das ganze Team steht hinter mir, auch dem Gemeinderat wurde diese Lösung vorgeschlagen. »Ich freue mich, dass man mir diesen Vertrauensvorschuss gewährt.«

Richtiger Weg

Martha Graßl steht hinter den Zielen und Werten des »Bergsteigerdorfs«, sie weiß, welche Kriterien und Prozesse wichtig sind. »Ich will diese Richtung beibehalten und intensivieren.« Ein wesentlicher Aspekt sei dabei die Vernetzung der Bergsteigerdörfer untereinander, denn sie alle stünden vor gleichen Problemen und Herausforderungen. »In Deutschland gibt es vier Bergsteigerdörfer, wir arbeiten eng zusammen, auch mit dem DAV.«

Weiter, höher, schneller – das will man in Ramsau nicht. Die Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle, auch die Wertschätzung der heimischen Produktvielfalt. »Naturschutz ist wichtig, aber man darf nicht vergessen, dass die Kulturlandschaften bewahrt bleiben müssen«, sagt Graßl. Denn diese seien durch einen sanften und naturverträglichen Eingriff des Menschen erst entstanden. »Wir haben so viele ehrgeizige Bauern, die die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben – das muss unbedingt erhalten werden.«

Zuhören und weiterentwickeln

Martha Graßl wünscht sich, dass die Kommunikation auch mit den Vermietern weiter ausgebaut wird. »Wir wollen neue Impulse geben, wie auch das Thema Regionalität besser umgesetzt werden kann.« Dabei ist ihr wichtig, auf die Bedürfnisse der einzelnen Gastgeber einzugehen. »Es gibt ja kein Konzept, dass für alle gleich gut passt.« Als Touristinfo würde das dreiköpfige Team um Martha Graßl aber nur in Reihe zwei stehen, denn direkt am Gast dran seien die Gastgeber.

Eine Herausforderung in den nächsten Jahren wird die Besucherlenkung sein. Graßl will vor allem auf die Vorab-Info der Gäste setzen. »Wenn ich mittels Ausflugsticker schon weiß, dass sehr viel los ist und keine Parkplätze mehr zur Verfügung stehen, dann suche ich mir vielleicht an anderes Ziel, denn gerade im Urlaub will ich meine Zeit nicht mit warten und suchen verbringen.«

Martha Graßl verfolgt keinen fixen Plan, sie ist sich sicher, dass viele Aufgaben und Projekte in den nächsten Jahren auf sie zukommen werden. »Ich will mich nicht auf etwas festlegen und so vielleicht etwas anderes aus den Augen verlieren.« Als Vorteil sieht sie vor allem, dass sie in ihrer Heimat verwurzelt ist, die Menschen kennt und mit den Touristikern aus den anderen Gemeinden schon seit mehreren Jahren zusammenarbeitet. In den Touristinfos im südlichen Landkreis gab es zuletzt einige Leiter-Wechsel. »Franz Punz (Schönau am Königssee, Anm. d. Red.) und ich haben vielleicht nicht so viel Berufserfahrung, aber wir wollen unsere Heimat voranbringen«, sagt sie und fügt hinzu, »wir bringen frischen Schwung mit«.

Schwierige Lage

Die Zeit ist aktuell nicht einfach, den Gastgebern fehlt die Perspektive. »Viele zweifeln, wir versuchen dennoch gute Stimmung und Optimismus zu verbreiten.« Martha Graßl will den Betroffenen ein gutes Gefühl geben, denn sie ist sich sicher: »Es wird weitergehen.« Die Buchungsanfragen seien da, die Touristiker rechnen mit einer guten Saison – wann auch immer diese dann starten mag.

Martha Graßl hat Respekt vor der Arbeit, die sie nun ausübt. Sie weiß aber, dass sie sich jederzeit an Fritz Rasp wenden kann, wenn sie einmal nicht weiterwissen sollte. »Dafür bin ich sehr dankbar.«

Lena Klein

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