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Mit Pfefferspray zum Kramperllauf

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Streit in Berchtesgaden mit Folgen: Mit Pfefferspray zum Kramperllauf | Gerichtsprozess
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Der 21-Jährige wurde freigesprochen. (Archivfoto: Hannes Höfer)

Berchtesgaden – Der 21-jährige Berchtesgadener war am Nikolausabend 2019 der »Weissei-Bass« hinterhergelaufen, als plötzlich ein Mann aggressiv von hinten gekommen sein soll. Am Ende des Streits stand ein Sprühstoß mit einem Hundeabwehrspray. Wegen gefährlicher Körperverletzung stand der arbeitslose 21-Jährige nun vor dem Laufener Strafrichter. Der sah am Ende der Verhandlung eine Notwehrlage gegeben und sprach den Angeklagten frei.


»Ich kenne den von früher«, begann der Angeklagte seine Schilderung, denn der Mann von hinten soll sich einst seine Maske nachschnitzen haben lassen, was eigentlich gar nicht gehe. Unter anderem deshalb soll der Streit in der Angerergasse entfacht sein. Es folgten gegenseitige Beleidigungen, Rempeleien und schließlich die erhobene Faust des 24-jährigen Bischofswiesers. »Ich dachte, dass er mir ins Gesicht schlägt«, berichtete der Angeklagte, der anschließend zum Spray griff, das er mit sich führe, weil sein kleinerer Hund mitunter von größeren bissigen Vierbeinern angegriffen werde. Noch während des Streits soll der Bischofswieser telefoniert und dabei angekündigt haben, er »streiche« nun jemanden »eine auf«.

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»Der war sehr aggressiv, weil man ihm angeblich seine Zigaretten geklaut hat«, berichtete die 31-jährige Schwester des Angeklagten, die mit ihrem Bruder dem Lauf gefolgt war. Die Bürokauffrau war nach eigenen Angaben dazwischen gegangen und habe versucht, zu schlichten. Sie bestätigte, dass der Bischofswieser auf ihren Bruder losgegangen war.

Das Geschehen bezeugte ebenfalls die Freundin des Angeklagten: »Mein Freund und seine Schwester haben mehrfach gesagt 'hör auf'.« Der 24-jährige Stahlbetonbauer erzählte eine andere, eine sehr kurze Geschichte. »Meine Freundin hat mich angerufen, wo ich bleibe. Als ich vom Handy aufblicke, habe ich schon das Pfefferspray im Gesicht. gehabt« Zuvor will er lediglich zwei, drei Bier getrunken haben, während die Polizei ihn als »deutlich und stark alkoholisiert« beschrieben hatte.

Ein 20-jähriger Elektroniker erinnerte sich, dass der Stahlbetonbauer zur Toilette haben gehen wollen, und man ihn dann angerufen habe, wo er bleibe. »Ein paar Minuten später haben wir die Schreie gehört.« Der Angeklagte sei dann an seiner Gruppe vorbeigelaufen, während man den Bischofswieser am Boden liegend gefunden habe. »Der hat geschrien 'ich bring ihn um'.« Dem Verletzten habe man die Augen gespült und gleichzeitig den Notarzt gerufen. Zwei Wochen lang musste der Stahlbetonbauer die Bindehaut- und Lidhautätzung mit Augentropfen behandeln.

Staatsanwältin Verena Erlacher sprach von Unstimmigkeiten und davon, dass sie dem Geschädigten nicht glaube, es sei nichts passiert. »Eine Notwehrlage ja, aber der Einsatz von Pfefferspray war nicht erforderlich«, befand Erlacher. Ausweichen, gehen oder ein Tritt gegen das Schienbein wären aus ihrer Sicht mögliche Reaktionen gewesen. Die Staatsanwältin beantragte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 15 Euro. »Der Geschädigte war hackedicht und aggressiv«, erklärte Rechtsanwalt Dr. Florian Eder, »und heute erzählt er hier Unsinn.«

Der Verteidiger machte deutlich: »Recht braucht Unrecht nicht zu weichen.« Sein Mandant müsse nicht weglaufen, »er darf sich wehren.« Und auch Pfefferspray als letztes Mittel einsetzen. »Er muss sich nicht erst eine reinschlagen lassen.« Weil der Sprühstoß geboten gewesen war, sei der Angeklagte freizusprechen.

Richter Christopher Lang mochte nach den Aussagen ebenfalls kein »milderes Mittel« erkennen und sprach den 21-jährigen Berchtesgadener frei. Doch Lang betonte auch: »Den Einsatz von Pfefferspray wird jeder Richter genau prüfen. Es ist immer der Einzelfall anzuschauen.«

Hannes Höfer