Bildtext einblenden
Dieses Traum-Panorama können die Besucher des Erlebniswegs an schönen Tagen genießen. (Fotos: Mergenthal)

Mit Bergsteigerlegenden am »Toten Mann«

Ramsau – Der »Tote Mann« bei Ramsau ist sowohl bei Familien als auch bei Urlaubern und Wanderern aller Generationen aus der Region Südostbayern als Ausflugsziel sehr beliebt. Zu jeder Jahreszeit beeindruckt der Gipfel mit seinem Rundumblick, unter anderem auf die Massive von Watzmann und Hochkalter. Prädestiniert ist dieser Ort daher für den nun neu eröffneten Hörspiel-Erlebnisweg unter dem Motto »Bergsteigerdorf Ramsau – Bergsteigerlegenden und Naturerlebnisse«.


»In den Begriffen ›Bergsteigerdorf‹ und ›Naturerlebnisse‹ verbirgt sich etwas, das man mit Nachhaltigkeit umschreibt«, erklärte der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann bei der Eröffnung des Wegs zeitgleich mit der neu gestalteten Berggaststätte »Hirschkaser« unter Leitung von Peter Hettegger und Johann Hölzl. Aufgrund dieses nachhaltigen Konzepts fand die Gemeinde Ramsau in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land einen Unterstützer und Co-Finanzier.

Ab jetzt können die Besucher des Toten Mannes am Hirscheck nicht nur das Panorama genießen, sondern auch in eine »Zeitreise« eintauchen, wie es Dr. Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion, bei seiner Eröffnungsrede in der »Hirschkaser«-Gaststube umschrieb. Auf dem nur 0,8 Kilometer langen Pfad können sie mithilfe einer speziellen Handy-App, für die sich die Gemeinde Ramsau die Lizenz sicherte, an neun Stationen auf dem Grund der Bayerischen Staatsforsten spannende Geschichten zu legendären Gestalten der Alpingeschichte anhören.

Die »Zeitreiseführer« sind Johann Grill, genannt »Kederbacher«, aus Ramsau, Erstbesteiger der Watzmann-Ostwand (1881) und Rose von Rosthorn-Friedmann (1864 – 1919), eine weniger bekannte und dennoch herausragende Alpinistin. Sie durchstieg vor gut 140 Jahren als erste Frau die Watzmann-Ostwand und bestieg als erste Frau mit einem Führer die 3 652 Meter hohe Thurwieserspitze in der Ortlergruppe. Die tragischen Helden der Eiger-Nordwand, der Berchtesgadener Toni Kurz und der Reichenhaller Anderl Hinterstoißer, den legendären Hüttenwirt der Blaueishütte, Raphael Hang, und die internationale Bergsteigerlegende Hermann Buhl können die Erkunder des Wegs ebenfalls näher kennenlernen. Für Peter Loreth geht es bei diesem Projekt zum einen darum, die Leistungen der Vorfahren zu ehren und ihr Andenken zu bewahren, aber auch der Verantwortung gegenüber vergangenen und künftigen Generationen gerecht zu werden.

Die Philosophie der Bergsteigerdörfer und der Unesco-Biosphärenregionen passe zusammen: Es solle Bewusstsein für nachhaltiges Leben und Wirtschaften und einen schonenden Umgang mit Natur und Landschaft geschaffen werden, jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern vielmehr spielerisch. Wissen solle auf leichte Art und Weise vermittelt werden und die Vernetzung untereinander gefördert werden. Die Biosphärenregion unterstützt derzeit im ganzen Landkreis Berchtesgadener Land Initiativen, die zu ihrer Philosophie und der jeweiligen Gemeinde passen – in Teisendorf entsteht zum Beispiel ein Projekt zum Thema Holz und in Laufen ein weiteres Projekt zum Thema Schifferstadt. Regionalvermarkter und andere zum Gesamtziel passende Angebote sollen mit ins Boot geholt werden.

Die stellvertretende Landrätin Elisabeth Hagenauer nannte den neuen Weg bei der von der Ramsauer Tanzlmusi umrahmten kleinen Feier einen »wichtigen Baustein im Tourismus«; er helfe der Gemeinde Ramsau, die Hochschwarzeck-Bergbahn neu zu beleben und zeige, dass »Berchtesgaden zu den schönsten Fleckerln auf der Welt« gehöre. Bei ihrer Recherche für die Texte des Themenwegs griffen Tourist-Info-Leiterin Martha Graßl und Julia Moderegger von der Biosphärenegion auf die Broschüre »Alpingeschichte kurz und bündig, Ramsau bei Berchtesgaden« zurück. Auch der ehemalige Leiter der Tourist-Info und heutige Chronist Fritz Rasp sowie Gespräche mit älteren Ramsauern und Nachfahren der Bergsteigerlegenden halfen weiter.

Eine Nachfahrin von Hermann Buhl, Silvia Bögl, war bei der Eröffnung dabei und freute sich, als sie der ehemalige Bergwachtleiter und zweite Bürgermeister der Ramsau, Rudi Fendt, auf seinem Handy mit in die Erzählungen rund um die legendären Alpinisten hineinhören ließ. »Eine tolle App«, befand sie begeistert nach anfänglicher Skepsis, dass das Gehen mit dem Handy von den imposanten Landschaften ablenken könnte. Nun kann sie es kaum erwarten, bis die App auch auf ihrem Handy installiert ist und auch sie den Hörspiel-Weg erkunden kann – hoffentlich bei besserem Wetter als bei der Eröffnung.

Infos zum Erlebnisweg

Ramsau – Der Hörspiel-Erlebnisweg »Bergsteigerlegenden und Naturerlebnisse« beginnt an der Talstation der Hochschwarzeck-Bergbahn. Sie wird auf dem Hirscheck-Gipfelplateau, dem Nebengipfel am »Toten Mann«, mit acht weiteren Stationen fortgesetzt. Diese Tafeln sind bewusst dezent in die Landschaft gesetzt, um sie nicht zu beeinträchtigen. Auf einer Gehstrecke von 0,8 Kilometern können sich die Spaziergänger je nach Nutzung ein bis zwei Stunden mit den Bergsteigerlegenden beschäftigen.

Bildtext einblenden
Silvia Bögl, Tochter von Hermann Buhl, freut sich, als Rudi Fendt (l.), zweiter Bürgermeister, sie mithilfe seines Handys in die spannende Zeitreise hineinhören lässt. Auch Gemeinderat Richard Maltan lauscht den Ausführungen.

Über einen QR-Code kann man die Locandy-App herunterladen und die erste Station anhören. Jede Station widmet sich – jeweils auf Deutsch und Englisch – 2,5 Minuten lang dem jeweiligen Hauptthema. Überall gibt es noch weiterführende Info-Blöcke von jeweils einer Minute sowie den Lebenslauf der Bergsteiger zum Nachlesen. Als besonderes Zuckerl gibt es jeweils eine »Edelweiß-Challenge«. Die Themen am Gipfelplateau sind »Das Bergsteigerdorf Ramsau«, »Der Watzmann mit Johann ›Kederbacher‹ Grill«, »Der Hochkalter mit Raphael Hang und Hermann Buhl«, »Die Reiteralm mit Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer«, »Die Biosphärenregion Berchtesgadener Land«, »Der Untersberg und Frauen am Berg« sowie »Der Hohe Göll mit Valentin Stanic«.

Das netto knapp 25 000 Euro teure Projekt wurde zur Hälfte über Leader-Fördermittel bezuschusst. Die Restkosten teilten sich die Gemeinde, Biosphärenregion und Bergbahn. Unterstützend waren auch das AELF Rosenheim, die Leader-Geschäftsstelle BGL, die Staatsforsten sowie Bayerns Landwirtschafts- und Umweltministerium beteiligt. vm

Veronika Mergenthal