weather-image

Mini Lisa und anderes Liebloses

Am Fenster, so erzählt der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer (1916- 1991) in seiner »Vita« von sich, sei es ihm – es war ein Februar-Tag des Jahres 1950 - zu kalt gewesen, und am Ofen zu dunkel, um zu malen.

Wolfgang Hildesheimers Rollagenbild der »Mini Lisa«, geschaffen 1971. (Foto: Hans Gärtner)

Eher widerwillig entschied er damals in seinem Atelier in Ambach am Starnberger See, Pinsel und Zeichenstift, die er bis dato führte, gegen die Schreibfeder einzutauschen. Zwei Jahre später erschienen seine »Lieblosen Legenden« mit »absurden Bildern kultureller und gesellschaftlicher Verhältnisse der Nachkriegszeit«, so Michael Krüger, der Präsident der Akademie der Schönen Künste in München, zur Eröffnung der Ausstellung »Wolfgang Hildesheimer und die bildende Kunst«, bei der er zusammen mit dem Schauspieler Lambert Hamel aus Hildesheimers »Lieblosen Legenden« las.

Anzeige

Die Texte passten zu dem, was vom Maler Wolfgang Hildesheimer an den Wänden des zwischen Foyer und Vortrags-Saal liegenden weiten Raumes der Akademie in der Residenz hängt – in schöner Abfolge in der Tat eher Liebloses als Gefälliges, allerdings in meisterhafter surrealer Ausdrucksform. Die »Lieblosen Legenden« (Illustrator: Paul Flora) stellten vor knapp 60 Jahren Hildesheimers Entree in den deutschen Literatur-Betrieb der Nachkriegszeit dar. Der von der Bildenden Kunst herkommende Autor wurde, als Mitglied der Gruppe 47, einem breiten Publikum bekannt als Verfasser von Hörspielen und Bühnenstücken, dazu so bedeutender Prosawerke wie der »Mozart«-Biographie 1977. Die Bayerische Akademie gab ihm 1982 ihren Literaturpreis, 1966 wurde ihm der Büchner-Preis für »Tynset« verliehen.

Eines der Werke Hildesheimers, bei denen man vielleicht etwas länger verweilt, weil sie gewissermaßen einen Topos der abendländischen Malerei bietet, ist seine »Mini Lisa« von 1971. Sie zählt zu den fünf Mona-Lisa-Collagen, die mit »O. T. (Mona Lisa)« begannen. Nach der hier gezeigten »Mini Lisa« entstanden drei weitere, alle 1990 datiert: »Am Ufer«, »Entschwebendes« und »Unheilvolles«. Das Leonardo-da-Vinci-Porträt verfremdete der Maler in sogenannter Rollagetechnik, wobei ein Bild aus mehreren Streifen-Teilen zusammengesetzt wird.

Die Ausstellung ist bis 13. Dezember jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu sehen. (Eingang Residenz, Max-Joseph-Platz). Hans Gärtner