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»Mia ham den Durscht ned verlor'n«

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Können aktenordnerweise auf drei humorvolle Jahrzehnte zurückblicken (v.l.): Helmut Keilwerth, Michael Rasp und Hubert Ilsanker. (Foto: Jörg Tessnow)
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Das waren noch Zeiten: Das »Oxn-Aug'n-Trio« zu Beginn seiner Karriere. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Es hätte heuer im Herbst eine schöne Jubiläumsfeier werden sollen. Diese platzte jedoch wegen der Corona-Plage wie eine Seifenblase. Dennoch können Helmut Keilwerth, Michael Rasp und Hubert Ilsanker auf glanzvolle 30 Jahre Musikkarriere und dicke Freundschaft zurückblicken. Das »Oxn-Aug'n-Trio« steht stets für beste Festei-Laune.


Das Erfolgskonzept der generationsübergreifenden Stimmungskapelle wurzelt in traditionell authentischer Alpenmusik. Ob »Oktoberfestschlager« oder »Skihüttenbrüller«, das Trio gilt als Garant für Gaudi und wie sie selbst meinen, die perfekte Musi zum Bier.

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»Musik gut, Bier gut, alles gut«, so das Motto der Musikanten aus dem Talkessel. So liegt es auch in der Natur der Sache, dass zwei ihrer beliebtesten Titel »Berchtesgadener Bier« und »I hob mein Durscht verlor'n« heißen, was natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Es blieb eine fast personifizierte Parole von Beginn an.

Und dieser sind sie seit dem Gründungsjahr 1990 treu geblieben. Mit der ersten Komposition »Wasch di zerscht« hatte damals alles begonnen. Im Laufe ihrer drei Dekaden Musikantenbiografie können die »Oxn-Aug'n« auf mittlerweile zehn Tonträger, oder, wie sie es nennen, »Ohrenschmäuse« zurückblicken. Dazu spielten sie gefühlt Tausende Konzerte im In- und Ausland und erweiterten ihren Bekanntheitsgrad durch Fernseh- und Rundfunkauftritte.

Alle drei Vollblutmusiker zeichnen sich als Multiinstrumentalisten aus: Helmut Keilwerth (Akkordeon, Steirische Harmonika, Mundharmonika und Gesang), Hubert »Hubsi« Ilsanker (Gitarre, Posaune, Alphorn und Gesang) sowie Michael Rasp (Bassgitarre, Saxofon, Klarinette, Harmonika und Gesang).

Da sich das Trio neben der wohltemperierten Hopfenkaltschale so »fürchterlich« gerne durch brutzelnde Spiegeleier stärkt, nannte man sich auf gut berchtesgadenerisch einfach »Oxn-augen«.

Grüße aus der Heimat über Sylt bis Moskau

Neben 100 Eigenkompositionen ergänzen zahlreiche Coversongs das Repertoire. Die Titelauswahl ist vom Auftrittsort abhängig und nach Gusto flexibel abrufbar. Ergänzend können auch mal Lieder von den »Oberkrainern« oder »Zillertalern« auf dem Programmzettel stehen. Polkas, Jodler, Boarische, Walzer oder sogenannte »Hammerversionen« krachen dann in ihr Publikum.

Inhaltlich dreht sich alles um die charismatische Potenz ihrer bodenständigen Herkunft. Genauer gesagt, der Berchtesgadener Heimat. Und damit die Leute zusätzlich noch etwas zu Lachen haben, werden zwischen dem Repertoire immer wieder humoreske Einleitungen abgeschossen. Je nach Publikum und Stimmungssituation.

Große Flexibilität, Spaß und Spontanität zeichnen die Auftritte aus. Das »Oxn-Aug'n Trio« steht zu seinem Ding und lässt sich davon auch nicht abbringen. Das ist nicht stur, sondern konsequent und vor allem bühnentauglich. Beim Seefest am Königssee zum Beispiel kamen schon mal mit kurzen Unterbrechungen acht Stunden Spielzeit zusammen. Mittels dieser ehrlichen Aussage begründen sich aber Beliebtheit und Erfolg bei Einheimischen, Gästen und Touristen jeglicher Generation.

Weitere Gründe für ihre Konstanz und Stabilität der 30-jährigen Karriere sind die Kameradschaft und ein rücksichtsvoller Umgang miteinander. Und ganz wichtig: Alle drei trinken weiterhin das gleiche Bier. Und als zusätzliche Stärkung konnten die »Oxn-Aug'n« auch auf ihre Ehefrauen zählen. Zu den großartigsten Höhepunkten ihrer Karriere zählte der Auftrag vom Bayerischen Staatsministerium, als Kulturbotschafter die Heimat repräsentativ vertreten zu dürfen. Stationen waren unter anderem Moskau, Istanbul, Posen, Belgrad, Budapest oder Barcelona.

Eine ähnlich aufregende Tour unternahmen sie vor fünf Jahren in Eigenregie. Man entschloss sich zu einer 14-tägigen privaten Deutschland-Tournee. Eine treue Fangemeinde und Bekannte organisierten in der gesamten Republik kleine und große Konzerte in den jeweiligen Heimatorten. Bis nach Sylt hatte sie der Wind getrieben. Und auch dort in den friesischen Dünen haben sie den Bunsenbrenner aus der Lederhose gezogen und ihre Frühstückseier »gespiegelt«.

»Schluckimpfung« während der Corona-Krise

Dann kam die Pandemie. Alles Kas für das Trio in dieser Zeit, wie sie einstimmig meinen. Keine Auftritte, geschlossene Veranstaltungsräume, abgesagte Events. Ihre eigene 30-Jahre-Jubel-Gala durfte nicht öffentlich begossen werden.

Rund 50 Auftritte sind heuer wegen der Pandemie weggebrochen. Heißt: 50 Mal weniger Gaudi und, nicht zu vergessen, Gageneinbußen. Perspektive für 2021: Null. Dennoch haben sie ihren Humor nicht verloren. Seit März gilt für das ausgebremste Trio eine eigens aufgelegte »Schluckimpfung« auf »Oxn- Aug'n«- Art: Zeit lassen, Bier und Enzian trinken.

Alternativ hat man einen eigenen Kanal »Biermusi BGD« auf YouTube eingerichtet. Einen Impfstoff haben auch sie bisher noch nicht zusammengebracht, wird gescherzt. Dennoch komponierte das Trio, man glaubt es kaum, auch ein paar nachdenkliche Titel mit tiefgründigen Textaussagen. »Wenn die Erde bebt« oder »Auf der Welt gehts zua« wurden zwar vor Jahren geschrieben, haben aber an Aktualität und an Symbolwertigkeit nichts eingebüßt.

Dennoch käme es ihnen niemals in den Sinn, Corona-Lieder zu komponieren.

Jörg Tessnow

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