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Metzger: «Pferd ist hochwertiges Fleisch»

Bremen (dpa) - Frank Dohrmann ist Bremens letzter Pferdefleischer. Früher boten zahlreiche Metzger in der Hansestadt Wurst, Rouladen und Steaks von Pferden an.

Spezialitäten aus Pferdefleisch
Spezialitäten aus Pferdefleisch in einem Fachgeschäft in Bremen. Foto: Ingo Wagner Foto: dpa

Doch wegen sinkender Nachfrage oder fehlendem Nachfolger mussten die meisten von ihnen aufgeben. «Jetzt gibt es nur noch uns», sagte der 42-Jährige in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Pferdefleisch zu essen, ist für ihn ganz selbstverständlich. Doch er kann auch gut verstehen, wenn sich Leute davor ekeln.

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Befürchten Sie, dass sich der Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne auch auf ihr Geschäft auswirkt?

Dohrmann: «Das ist kein Fleischskandal, sondern Etikettenschwindel. Pferdefleisch ist ja nicht gefährlich, sondern an sich hochwertiges Fleisch. Aber ich kann die Leute gut verstehen, die sich aufregen. Wenn man etwas nicht essen will, dann will man es auch nicht untergeschoben bekommen. Die Leute, die zu uns kommen, wissen natürlich, was sie bekommen und die wollen das auch kaufen.»

Wie schmeckt Pferdefleisch und wofür kann man es verwenden?

Dohrmann: «Der Geschmack liegt zwischen Rind und Wild. Es ist sehr eiweißreich, sehr mager und hat wenig Cholesterin. Pferd lässt sich für alle Fleischgerichte verwenden: Gulasch, Rouladen, Steak oder Sauerbraten. Wir bieten auch mehr als 50 verschiedene Wurstsorten an, von Wiener- über Leber- bis Mettwurst ist alles dabei.»

Woher kommt das Pferdefleisch?

Dohrmann: «Die Pferde kommen hauptsächlich von Züchtern aus dem niedersächsischen Umland. Wir machen alles selbst. Wir kaufen die Pferde ein, transportieren sie, schlachten und verarbeiten das Fleisch. Es stammt von Tieren, die - wie man so sagt - den züchterischen Anforderungen nicht entsprechen. Bei denen sind zum Beispiel die Gelenke nicht in Ordnung, oder der Körperbau ist nicht perfekt. Wenn da irgendwas nicht stimmt, dann werden die aussortiert. Denn mit ihnen können die Züchter kein Geld verdienen.»

Wer kauft so bei Ihnen ein?

Dohrmann: «Das sind viele Stammkunden, aber auch Laufkundschaft. Früher gab es in Bremen allein 50 Betriebe, die Pferdefleisch verarbeiteten. Jetzt gibt es nur noch uns. Das hängt auch mit der gesunkenen Nachfrage zusammen. Früher war Pferdefleisch das Essen der armen Leute. Nach dem Krieg bekam man für die Lebensmittel- Bezugsmarken die doppelte Menge Pferdefleisch wie Rindfleisch. Als es den Leuten besserging, haben sie dann lieber Rind und Schwein gekauft.»

Fleischerei Dohrmann