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Merkel im Hintergrund: Trump und Macron dominieren G7-Gipfel

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G7-Gipfel in Frankreich
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Trump und Macron (r) am Rande des G7-Gipfels in Biarritz. Foto: Andrew Parsons/PA Wire Foto: dpa

Beim G7-Gipfel im mondänen französischen Badeort Biarritz bestimmen zwei Alpha-Männchen die Schlagzeilen. Ein Zeichen für schwindenden Einfluss der Kanzlerin? Donald Trump warnt davor, Merkel zu früh abzuschreiben.


Biarritz (dpa) - Donald Trump und Angela Merkel sind sichtlich um einen entspannten Eindruck bemüht - der US-Präsident mehr noch als die Kanzlerin.

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»Sie ist eine brillante Frau«, schmeichelt Trump, als er Merkel mit mehr als zwei Stunden Verspätung im Salon 6 des im Belle-Époque-Stil gebauten Kongressgebäudes »Bellevue« in Biarritz empfängt. Die Kanzlerin verstehe alles genau und wisse vieles bereits vor den anderen. Ein paar Mal wird sogar gescherzt, die beiden so ungleichen Staatenlenker lächeln sich kurz an.

Doch wirklich herzlich wirken die Freundlichkeiten nicht, die Merkel und Trump austauschen - auch wenn der Präsident Merkel schon am Vorabend beim Familienfoto zur Begrüßung Küsschen rechts, Küsschen links aufgedrückt hat. Zu tief sitzt der Zwist, der sich über Jahre aufgebaut hat. Kaum zu erwarten, dass sich das in den letzten, höchstens zwei Amtsjahren der Kanzlerin noch ändert.

In den gut 20 Minuten, die Trump amerikanischen und deutschen Journalisten dann für Fragen gewährt, redet vor allem einer: der US-Präsident. Der Konflikt mit dem Iran, der Handelsstreit mit China, Europa und Deutschland, sein Verhältnis zu Merkel und ein möglicher Besuch in der Bundesrepublik: Zu allen wichtigen Themen referiert der mächtige Amerikaner allein, minutenlang. Selbst als die Kanzlerin einmal direkt gefragt wird, antwortet er für sie.

Dabei mag es Merkel gar nicht, wenn ihre Gesprächspartner Monologe halten. Manchmal kann sie ihren Unmut diesmal kaum unterdrücken, klopft genervt mit den Spitzen der zur weltberühmten Raute geformten Finger gegeneinander. Die Kanzlerin will endlich hinter verschlossener Tür mit Trump beraten und nicht so viel über die Vorzüge des von ihm angepeilten nächsten G7-Austragungsorts Miami hören - wo er ein Golf-Ressort besitzt.

Ein bisschen entspannter zeigt sich Merkel nur, als Trump vor dem Hintergrund der schon wieder wackelnden Berliner Koalition gefragt, ob er sich sorge, dass mit Merkel bald die einzige Frau unter den G7-Chefs abhanden kommen könne. »Ich bin noch hier«, meldet sich Merkel daraufhin auf Englisch zu Wort. Und Trump warnt die anwesenden Journalisten besser nicht auf einen schnellen Abgang von Merkel zu wetten.

Als der US-Präsident dann gefragt wird, wann er endlich der Einladung Merkels zu einem offiziellen Deutschlandbesuch folgen werde, antwortet Trump mit einem »sehr bald«. Und als wolle er besonders nett zu dem Gast aus Deutschland sein, fügt er hinzu: »Ich habe Deutsches in meinem Blut« - seine Vorfahren kommen aus Kallstadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz. Doch auch beim Thema Deutschland-Visite dürfte Merkel skeptisch bleiben - schon zu oft hatte Trump ihr versprochen, bald nach Deutschland zu reisen. Ob die Kanzlerin ihn in ihrer restlichen Amtszeit wirklich noch empfangen kann?

Dass die freundlichen Gesten tatsächlich einen Klimawechsel zwischen Merkel und Trump einläuten, ist unwahrscheinlich. Hinter den Kulissen dürfte es weiterhin recht frostig zugehen, auch wenn Merkel immer beteuert, sie könne ganz offen mit dem Präsidenten diskutieren. Die Differenzen sind einfach zu tief. Auch an diesem Montag will sie Trump ganz offensichtlich nicht zuviel der Ehre zuteil werden lassen. Als Merkel gefragt wird, ob Trump und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nach dem eher versöhnlichen Gipfel nun das neue Traumpaar von G7 seien, antwortet sie kurz: »Das Traumteam von G7 ist G7.«

Apropos Meinungsverschiedenheiten: Was war nicht alles gemutmaßt worden vor dem Gipfel? Nicht zuletzt wurde befürchtet, Trump könnte gemeinsam mit dem Brexit-Hardliner Boris Johnson die zuletzt schwer bröckelnde Wertegemeinschaft gänzlich in einen Fünf-zu-Zwei-Verein sprengen.

Doch Trump verhielt sich in Biarritz ganz ungewohnt: Der US-Präsident bleibt unberechenbar, aber zumindest dieses Mal schlüpfte er nicht in seine berüchtigte Rolle als Gipfel-Krawallmacher. Noch im vergangenen Jahr hatte er den G7-Gipfel in Kanada spektakulär platzen lassen, indem er kurz nach dem Ende die Zustimmung zur Abschlusserklärung zurückzog.

Das ließ Böses ahnen. Doch Trump legte sich in Biarritz mit keinem der anderen Staats- und Regierungschefs an. Stattdessen war er voll des Lobes für Gipfel-Gastgeber Macron und die Organisatoren: »Fantastisch.« Das Frühstück mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson: »Großartig«. »Great« auch das Treffen mit dem ägyptischen Präsident und G7-Gast Abdel Fattah al-Sisi. Das Verhältnis mit dem Japaner Shinzo Abe: »Besser denn je.«

Trump brachte nicht einmal aus der Fassung, dass er sich beim G7-Gipfel nicht damit durchsetzen kann, Russland wieder in den Kreis der wichtigen Industriestaaten aufzunehmen. Womöglich gebe es in dieser Frage keinen Konsens bei den G7, resümiert er handzahm. »Vielleicht lassen wir es so, wie es ist.«

Und dann lud Macron am Sonntag auch noch den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nach Biarritz ein - Trump ließ ihn Ende Juli auf die US-Sanktionsliste setzen. Die große Frage, nachdem Sarif landete: Wie reagiert Trump? Gibt es eines seiner Twitter-Gewitter? Überwirft er sich mit Macron? Reist er am Ende gar vorzeitig vom Gipfel ab? Nichts dergleichen. Trump blieb entspannt.

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