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»Mehr Zeit mit Gott verbringen«

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Viele Menschen essen in der Fastenzeit keine Süßigkeiten. Wir haben uns in Traunstein umgehört und gefragt: »Auf was verzichten Sie?« (Foto. Reiter)

Traunstein – Alkohol, Fleisch, Süßigkeiten, Rauchen – das sind die gängigen Dinge, auf die die meisten Menschen in der Fastenzeit verzichten. Die einen tun es aus religiösen Gründen, die anderen versprechen sich davon einen Gewichtsverlust oder die Reinigung des Körpers. Neben dem klassischen Fasten, stehen auch der Verzicht auf das Handy oder das Vermeiden von Plastik hoch im Kurs. Wie sieht das in Traunstein aus? Wir haben uns bei Passanten umgehört. Für Stadtpfarrer Georg Lindl ist die Frage nach dem Sinn entscheidend. »Weg von, aber wofür?«. Seine Antwort: »Um mehr Zeit mit Gott zu verbringen.«


Der Aschermittwoch ist der erste Tag der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern (die Sonntage werden nicht mitgezählt). 40 Tage deshalb, weil in der Bibel steht, dass Jesus so lange in der Wüste gefastet hat.

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Auf nichts verzichten wird Dietlind Hager. »Ich lebe sehr sparsam – und Fleisch esse ich kaum«, sagt die Traunsteinerin. Außerdem rauche sie nicht und trinke auch keinen Alkohol. »Es gibt eigentlich nichts, worauf ich verzichten könnte, denn ein Handy habe ich auch nicht«, sagt sie und lacht.

Ähnlich sieht das Hans Mayer aus Inzell. Auch er will in den nächsten 40 Tagen auf nichts Bestimmtes verzichten, »denn ich lebe sehr bescheiden«. Er betont, dass die Kirche am Ort durchaus wichtig sei. »Doch die Missbrauchsfälle wirken sich auch auf solche Traditionen aus. Ich kann nicht Wasser predigen und Wein trinken. Diese Herren sollten sich mal zamreißen.«

Dieses Argument führt auch Christine Scholz aus Traunstein an. »Ich habe mit der Kirche nichts mehr am Hut, vor allem seit den Missbrauchsgeschichte. Deshalb ist auch die Fastenzeit kein Thema für mich. Die sollten nicht immer so ein Tamtam mit allem machen, aber selbst haben sie soviel Dreck am Stecken.«

Kein Fleisch isst Friederike Anfang aus Bergen am Aschermittwoch. »Das gehört sich als Katholik so. Zweimal im Jahr kann man auf Fleisch verzichten«, sagt sie – also am Karfreitag und am Aschermittwoch. Ansonsten lebe sie relativ sparsam, esse bewusst und trinke keinen Alkohol. »Das Internet und das Handy brauche ich. Darauf kann man heute ja kaum verzichten«, sagt sie.

Das bestätigt auch Stadtpfarrer Georg Lindl. »Mein größter Wunsch und ein riesen Luxus wäre es, wenn ich auf das Handy verzichten könnte. Aber es ist ein Arbeitsinstrument.« Es sei nicht möglich, es 40 Tage in den Schrank zu legen, wegen der geforderten Erreichbarkeit. Zum Thema Fastenzeit fällt Georg Lindl ein Zitat von Sokrates ein: »Die Welt ist voller Dinge, derer ich nicht bedarf.« Die Menschen sollten sich in den 40 Tagen bis Ostern die Frage stellen: »Was brauche ich wirklich und was ist überflüssiger Schnick Schnack?« Er persönlich werde in der Fastenzeit Dinge weglassen, die ihm nicht gut tun, wie Alkohol und Süßigkeiten zum Beispiel. »Den Fernseher habe ich schon vor Jahren rausgeschmissen und ich bin Vegetarier.«

Alexander Land und Rebecca Witt aus Traunstein verzichten nicht explizit in der Fastenzeit auf etwas. »Aber wir schauen, dass wir das ganze Jahr über nichts Unnötiges kaufen und auch nicht immer alles neu.« Bei Gemüse würden sie darauf achten, möglichst regional einzukaufen, also zum Beispiel auf dem Markt. Soweit es gehe, würden sie auch Plastik vermeiden. »Wir haben immer ein Tascherl dabei.« In Bezug auf Fernsehschauen betont das Paar: »Der TV läuft bei uns nicht rund um die Uhr, wir schauen ganz gezielt.«

Tagblatt-Redakteurin Verena Wannisch möchte in der Fastenzeit konsequent auf Süßigkeiten verzichten. »Es geht darum, Gewohnheiten, wie den regelmäßigen Griff am Nachmittag in die Schreibtischschublade, zu hinterfragen.« Die Traunsteinerin hat sich bewusst etwas ausgesucht, das ihr »weh« tut. »Die Süßigkeiten werden mir richtig fehlen«, betont sie. »Aber es geht ja auch um ein bewusstes Verzichten.« KR