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Mehr Tote in Bayern entlang der Corona-Wellen

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Joachim Herrmann
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»Man muss sich immer bewusst machen: Wir reden nicht über statistische Fakten, sondern über menschliche Schicksale«, sagte Joachim Herrmann (CSU), Innenminister von Bayern, am Montag in Fürth. Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild Foto: dpa

Corona lässt in den Hochphasen mehr Menschen in Bayern sterben als in den Vorjahren. Vor allem Alte sind betroffen und die Corona-Hotspots in Süd- und Ostbayern. Ein erster Lichtblick: Die Sterblichkeit bei den Senioren ging seit dem Impfstart zurück.


Fürth (dpa/lby) - Die Corona-Pandemie hat die Sterbezahlen in Bayern phasenweise deutlich in die Höhe getrieben. Nach einer Sonderauswertung des Statistischen Landesamtes starben im Jahr 2020 in Bayern 145 456 Menschen. Im Vorjahr waren es 133 940, im Mittel der Jahre 2016 bis 2019 nur 132 690. Aus den wöchentlich erhobenen Zahlen geht hervor, dass in den ersten zehn Monaten des Jahres keine signifikante Steigerung zu erkennen war. In den letzten etwa zehn Wochen des Jahres - auf dem Höhepunkt der zweiten Pandemie-Welle - wurden aber erhebliche höhere Sterbezahlen gemeldet. Die Statistiker sprechen jedoch noch nicht von einer signifikanten Übersterblichkeit in Bayern.

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Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte deutlich, dass jahreszeitlich, regional und bezüglich der Altersgruppen ganz erhebliche Unterschiede bei den Sterbezahlen verzeichnet wurden. »Man muss sich immer bewusst machen: Wir reden nicht über statistische Fakten, sondern über menschliche Schicksale«, sagte Herrmann am Montag in Fürth. »Das sind Tausende von Großmüttern und Großvätern, die ihren Angehörigen schmerzlich fehlen.« Die Zahlen kleinzureden, sei leichtsinnig und statistisch falsch.

So seien etwa im April 2020 - als die erste Corona-Welle voll zugeschlagen hatte - die Sterbezahlen bayernweit um 21 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 gewesen. Im November 2020 - zu Beginn der zweiten Corona-Welle - lag die Sterbefallzahl um zwölf Prozent, im Dezember 2020 sogar um 35 Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre.

Besonders stark sei die Gruppe der über 80-Jährigen betroffen gewesen. Im Dezember 2020 sei die Todesrate in dieser Gruppe um mehr als 50 Prozent höher gewesen als im Mittel der Jahre 2016 bis 2019. Aus der Altersgruppe der unter 60-Jährigen seien im vergangenen Jahr dagegen sogar etwas weniger Menschen gestorben als im Mittel der Vorjahre.

Regional zieht sich die Spur der Corona-Toten quer durch die Hotspots, die in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder genannt wurden. Im Landkreis Tirschenreuth wurde im April eine um 135 Prozent erhöhte Sterblichkeit gemessen, im Kreis Rosenheim war sie im gleichen Zeitraum um 86 Prozent erhöht, im Kreis Wunsiedel um 61 Prozent.

Die Zahlen der Gestorbenen müsse man vor dem Hintergrund der getroffenen Maßnahmen sehen. Ohne die Lockdowns wären die Zahlen noch deutlich höher, sagte Herrmann. Das Ende Dezember 2020 begonnene Impfen gegen das Coronavirus zeige nach ersten Rohdaten bereits im Februar 2021 erste statistische Auswirkungen. Nach einer deutlichen Erhöhung im Dezember und Januar sind im Februar aus der Gruppe der über 80-Jährigen bayernweit nur noch etwa gleich viele Menschen gestorben wie in den Vorjahren.

»Sollte sich der positive Trend bestätigen, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung«, sagte der Innenminister. Allerdings gebe es hinsichtlich der Todeszahlen noch keine Erfahrungen mit der deutlich ansteckenderen und möglicherweise tödlicheren britischen Virusvariante, die in Deutschland inzwischen dominant ist.

© dpa-infocom, dpa:210329-99-13427/3

Mitteilung Statistisches Landesamt

Sonderauswertung Sterbezahlen Corona

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