Marktschellenberg restauriert Kriegsdenkmal

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Seit 1915 befindet sich dieses Nagelrelief am Marktschellenberger Rathaus. Nun soll es restauriert werden. (Foto: Christoph Karbacher)

Marktschellenberg – In Marktschellenberg befindet sich direkt am Rathaus ein seltenes Kriegsdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg. Es handelt sich um ein bemaltes Nagelrelief aus dem Kriegsjahr 1915. Die fantasievolle Darstellung zeigt den über vier Fahnen schwebenden Reichsadler. In zwei kleineren Medaillons erkennt man rechts den bayerischen Löwen und überraschenderweise das türkische Staatswappen mit dem Halbmond. Nur Geschichtskenner wissen, dass im Großen Kriege die Türkei der Bundesgenosse des deutschen Kaiserreiches war.


Die Oberflächenstruktur der Tafel besteht aus unzähligen geschmiedeten Nagelköpfen. Sie bedecken sowohl die Flächen als auch das Relief. Als fragwürdiges Glanzstück erkennt man die gefürchtete Krupp-Kanone »Dicke Berta«. Die vielen Nägel wurden damals von Spendern eingeschlagen, um die vaterländische Pflicht zu erfüllen und Solidarität mit den Soldaten an der Front zu beweisen. Von den meisten Spendern erwartete man einfache schwarze Nägel, betuchte Bürger sollten dagegen mit versilberten oder gar vergoldeten Nägeln renommieren. Alle Spenden dienten der Unterstützung von Kriegerwitwen und Waisen.

Die Einweihung eines Nageldenkmals wurde immer feierlich in Anwesenheit der Ortsvereine, der Prominenz und der Schulen begangen. Nageldenkmäler gab es zur Kriegszeit im gesamten deutschsprachigen Raum, doch viele sind längst verschwunden. In der Festung Hohensalzburg steht noch ein besonders prächtiges Exemplar, hier wurde sogar der Kaiser Karl benagelt.

Das Marktschellenberger Nageldenkmal befindet sich noch heute am 2019 renovierten Rathaus und zeigt sich in relativ gutem Zustand. Bald sollte es aber restauriert werden, denn der Holzwurmfraß zeigt sich ganz beträchtlich. Die Gemeindeverwaltung hat den Wert dieses seltenen Kunstwerks erkannt und will mit der Unterstützung einheimischer Sponsoren, im wahrsten Sinne des Wortes »Nägel mit Köpfen« machen. Auch die Restaurierung einzelner Gedenktafeln im Ortsfriedhof ist bereits im Gange. Die Heimatgeschichte ist in guten Händen.

Christoph Karbacher