Marktgemeinde Berchtesgaden will Steinschlagschutz-Projekt für das Nonntal koordinieren

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Aufgrund der Grundstückszuschnitte bei den Nonntal-Grundstücken ist die Situation in puncto Steinschlagschutz sehr komplex. Die Marktgemeinde Berchtesgaden strebt nun eine Lösung an, bei der alle Grundstückseigentümer mitmachen müssen. (Foto: GIS)

Berchtesgaden – Der älteste Straßenzug Berchtesgadens ist auf der Locksteinseite akut von Steinschlag bedroht. Die Eigentümer der Gebäude im Nonntal und im unteren Bereich der Locksteinstraße sollten deshalb gemeinsam ein Projekt in Angriff nehmen, um ihre Gebäude zu schützen. Das jedenfalls ist der Wunsch von Marktbürgermeister Franz Rasp, der am Dienstag im Marktgemeinderat Berchtesgaden noch einmal betonte: »Es geht nur, wenn alle mitmachen.« Die Marktgemeinde wird bei diesem Projekt die Koordinierungsrolle übernehmen und die Kosten anschließend umlegen. So der einstimmige Beschluss des Gremiums.


Bürgermeister Franz Rasp erinnerte an die Starkniederschläge Mitte Juli, als vom Lockstein herunter auch einige größere Felsen bis zu den Häusern herunter gestürzt waren. Dr. Andreas von Poschinger vom Landesamt für Umweltschutz habe die Situation begutachtet und schätze die Gefahr nun als akut ein. Bei einer Besichtigung vor acht Jahren sei die Gefahrensituation noch als latent eingestuft worden. Eine gemeinsame Lösung sei deshalb damals nicht zustande gekommen.

Die Gemeinde habe aber auf dieses neue Gutachten hin eine Nutzungsuntersagung für alle bergseitigen Räume erlassen, solange es keinen Steinschlagschutz gebe. Rasp berichtete von einer kürzlich stattgefundenen Besprechung mit den Grundstückseigentümern. Die Sachlage sei nämlich sehr komplex, weil aufgrund der extremen Grundstückszuschnitte in schmalen und sehr hohen Längsparzellen teilweise auch die Nachbargrundstücke durch Steinschlag gefährdet seien. »Ein sinnvoller Steinschlagschutz ist deshalb nur gemeinsam möglich«, sagte Rasp. Dahingehend habe man bei dem Treffen auch Konsens erzielt.

Angedacht seien nun mehrere Maßnahmen. Zum einen müssten im Bereich der ganz oben liegenden Felsen zahlreiche Bäume entfernt werden, die mit ihren Wurzeln die Felsen auflockern. Darüber hinaus müssten größere Felsen mit Ankern gesichert werden. Und schließlich sei die Errichtung eines rund vier Meter hohen Steinschlagschutzzauns oberhalb der Häuser notwendig. Die Kosten würden sich auf rund 1500 Euro pro Laufmeter belaufen, insgesamt rechnet Franz Rasp für das Projekt mit Kosten in Höhe von rund 500.000 Euro. Zu einer möglichen Förderung gebe es vonseiten des Freistaats bislang keine Aussage.

Der Bürgermeister schlug vor, dass die Marktgemeinde die Planung und Koordinierung der Maßnahmen übernehme und auch einen Vorschlag zur Kostenteilung mache. Anschließend werde man sich mit den Grundstückseigentümern noch einmal zusammensetzen. »Es müssen alle mitmachen, sonst geht's nicht«, betonte Rasp. Das einzige Risiko für die Marktgemeinde bestehe darin, dass die Gemeinde auf den Kosten von rund 30.000 Euro für die Planung sitzen bleibe, falls eine gemeinsame Lösung nicht zustande kommt.

Rasp kann sich vorstellen – so die Antwort auf eine Frage von Dr. Bartl Wimmer (Grüne) –, dass die Planung dafür bis Weihnachten vorliegt. Baubeginn wäre dann frühestens Mitte/Ende April. »Es wird ohnehin spannend werden«, kündigte der Bürgermeister an, denn bei der Beseitigung der Bäume müssten ja auch die Häuser möglichst gut geschützt werden. Eine Seilbahn oder auch ein Hubschraubereinsatz seien durchaus möglich.

Der Marktgemeinderat Berchtesgaden gab für die Vorschläge des Bürgermeisters grünes Licht und ermächtigte den Rathauschef darüber hinaus, die möglichen Förderanträge zu stellen.

Ulli Kastner