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Malen als Auszeit von der Alltagsarbeit

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Sabine Schwedler vor zwei ihrer Marokko-Impressionen, die noch bis zum 30. September in Laufen zu sehen sind und viel Atmosphäre ausstrahlen. (Foto: Mergenthal)

»Das ist doch das Schönste: die Natur und das Licht«, sagt Sabine Schwedler, die die Maler des Impressionismus besonders verehrt. Die Leobendorfer Malerin stellt noch bis 30. September im Kreuzgang des Tagungshotels Kapuzinerhof in Laufen unter dem Motto »Spektrum« 38 Bilder der vergangenen 20 Jahre aus.


Aufgewachsen in Brandenburg nördlich von Berlin, arbeitete Sabine Schwedler nach einer Übersetzerausbildung für Englisch und Spanisch in einem Übersetzungsbüro in München, wo sie ihren Mann Sieghart kennen lernte. Dieser wurde am Gymnasium Laufen Lehrer für Mathe und Geografie. Das Paar ließ sich in Leobendorf nieder und durfte sich über drei Söhne und drei Enkel freuen.

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Für Harmonie und Schönheit

»Als die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, habe ich angefangen«, erzählt Sabine Schwedler über ihren Zugang zur Kunst. »Ich möchte nicht die Kunstrichtungen revolutionieren«, stellt sie dabei lächelnd klar. Doch sie lebe für Harmonie und Schönheit. »Malen ist für mich wie eine Auszeit von der Alltagsarbeit.« Nach Anfängen mit Kunsthandwerk in den 70ern fand sie in den 80er Jahren zur Malerei, zunächst mit Aquarell und später mit Acryl und Öl, wobei sie immer gerne mit neuen Werkstoffen und Mischtechniken experimentierte, beispielsweise Marmormehl, Kiesel oder Sand einarbeitete. Der Großteil ihrer Werke ist in Öl gemalt, ganz klar ihr Lieblingsmaterial. »Da kann man Übergänge besser malen und vieles feiner ausführen, zum Beispiel beim Porträt.«

Autodidaktisch und in Kursen, unter anderem bei Gabriele Breit aus Freilassing und anderen privaten Mallehrern, sowie an der Reichenhaller Kunstakademie bei Gerhard Almbauer und Georg Fenkl, entwickelte sie ihr Können weiter.

Das Element Wasser prägt die erste Ausstellungswand mit einer Hommage an Claude Monet in Form eines Seerosenbildes und ziemlich neuen Darstellungen von Meeresbrandungen und Wellen. Ihre mit viel Dynamik umgesetzte Riesen-Welle zieht die Betrachterin in Bann.

Die zweite Wand ist fein in Öl ausgearbeiteten Szenen und Momentaufnahmen aus dem Orient, Venedig und Laufen sowie Collagen vorbehalten. Für drei Marokko-Impressionen dienten Sabine Schwedler Fotografien ihres vor zwei Jahren verstorbenen Mannes, von ihr frei variiert, als Vorlage. Atmosphäre hat die »Teestube in Marrakesch« – die Ausdruckskraft der Gesichter eines gütigen, weisen Alten und eines verträumten Buben, die Geste des Einschenkens, die liebevoll ausgearbeiteten Details wie Teequalm im Gegenlicht oder Fladenbrote im Korb. »Mittagsglut« zeigt eine Nomadenfrau beim Kochen über dem offenen Feuer mit einem kleinen Buben; die Mittagshitze und die Struktur der Sandmauer, vor der beide sitzen, sind deutlich wahrzunehmen. Zwei Collagen, »einfach so aus Spaß« entstanden, porträtieren die Städte Freilassing und Laufen.

Sabine Schwedlers Sinn für Humor strahlen eine andere Serie von Collagen – wie »Fisch-Dieb«, eine Katze mit dem Steckerlfisch-Papier wie einen Schnurrbart im Maul, zu ihren Füßen das Fisch-Skelett – und Tierbilder an der nächsten Wand aus. Beim »Affentheater« vergnügen sich Affen auf einem Sofa mitten im Dschungel und bei »Flügge« haut ein soeben geschlüpftes Straußenküken frech mit dem Einrad ab.

Aber auch gesellschaftskritische Töne sind zu entdecken. »Immer in Bewegung – Walking Man« – unter diesem Motto spielt Schwedler auf den Aktionismus und die Unrast der Großstadt und das uferlose urbane Wachstum an. Eine verspielte Zirkus-Gesellschaft, inspiriert von Papier-Figuren aus Uruguay, spaziert über den Europasteg auf einem anlässlich seiner Einweihung entstandenen Gemälde. Auch Reportagen über astronomische Sensationen inspirierten die Malerin, wie das kraftvolle Werk »Supernova – Die Geburt eines Sterns« von 2017 zeigt.

Der Landschaft schließlich ist die vierte und letzte Wand vorbehalten, mit dem wild bewegten »Sturm über Irland« und Toskana-Ansichten in warmen Erdtönen. Die Ausstellung im Bereich des Restaurant-Zugangs ist täglich von 7 bis 22  Uhr zugänglich. Veronika Mergenthal