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Machs gut, Marktbau-»Mudi«

Berchtesgaden – Helmut »Mudi« Graßl hatte am Montag seinen letzten Arbeitstag. Seit gestern ist der Marktbaumeister in Pension. Mit launigen Reden verabschiedeten sich die drei Bürgermeister von ihrem langjährigen Kollegen und überreichten ihm Geschenke. Auch Graßl selbst, der mit seiner Frau Lydia zur Gemeinderatssitzung gekommen war, ergriff das Wort. Und sorgte mit seiner Rede für feuchte Augen. Und das nicht nur, weil die Anwesenden so gerührt waren. Sondern weil Graßl den typischen »Mudi«-Humor zum Besten gab.

Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (l.) verabschiedete Marktbaumeister Helmut Graßl in den Ruhestand. Foto: privat

Helmut Graßl stand 24 Jahre lang im Dienst der Marktgemeinde. Dafür bedankte sich Bürgermeister Franz Rasp beim »Herrn der Infrastruktur«. Graßl habe ungewöhnlich viele Projekte verantwortlich abgewickelt. Als herausragende Beispiele nannte Rasp das Gymnasium, das Hotel »Edelweiß«, die Fußgängerzone und das Feuerwehrhaus.

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»Wie ein altes Ehepaar«

Dann wurde es persönlicher. »Wir waren wie ein altes Ehepaar«, scherzte der Bürgermeister. »Nach innen haben wir gestritten und dann nach außen eine einheitliche Meinung vertreten.« Rasp habe an seinem Marktbaumeister immer geschätzt, dass er für seine Überzeugungen gekämpft habe. Und sei es auch bei so »banalen Dingen« wie dem Marktbrunnen, den Graßl kürzlich als »städtebaulichen Kraftort« bezeichnet hatte (wir berichteten). Zum Abschied überreichte ihm Franz Rasp ein Aquarell, das Berchtesgaden mit Watzmann im Hintergrund zeigt. Das Bild war 24 Jahre lang neben Grassls Schreibtisch gehangen.

Witzig war auch die Rede des stellvertretenden Bürgermeisters Karl Seiberl. Er bezeichnete Graßl als hintersinnigen, geradezu philosophischen Menschen. Diesen Attributen angemessen zitierte Seiberl aus Senecas »Über die Kürze des Lebens«, in dem der römische Philosoph seinem Spezl Tipps für den Ruhestand gibt.

Ein »alter« Spezl von Helmut Graßl ist Berchtesgadens 3. Bürgermeister Bartl Mittner. Die beiden kennen sich seit 1965. Und haben die vergangenen 24 Jahre zusammengearbeitet. »Ich hoffe, du hast dich in den Sitzungen nicht gelangweilt«, scherzte Mittner.

Launige Abschiedsrede

Das letzte Wort hatte Helmut Graßl selbst. In seiner Abschiedsrede ging er auf drei Projekte seiner Laufbahn, die ihn geärgert, und fünf, die ihm Freude bereitet hatten, ein. Nicht gefallen hat dem Marktbaumeister der Abbruch des Platterhofes als wichtiges architektonisches Zeitzeugnis. Ganz schlimm finde er nach wie vor die Bebauung des Triftplatzes. »Das ist die größte Bausünde überhaupt. So was hätten wir nie zugelassen«, schimpfte er. Auch habe es ihn geärgert und gekränkt, dass er nicht zur Eröffnung des »Hauses der Berge« eingeladen worden sei. »Ich war bei jeder Sitzung, bei jeder Besprechung von Anfang an dabei«, betonte Graßl.

»Das ist so was von toll«

Gefreut habe den Marktbaumeister die »adäquate Nutzung des Obersalzbergs« mit Dokumentation und dem Luxushotel Intercontinental Berchtesgaden Resort. »Wir können jetzt Besucher aus aller Welt ganz toll empfangen«, so Graßl. Zufrieden zeigte er sich auch mit dem Neubau des Gymnasiums, der Abwicklung des Hotels »Post« inklusive dem langwierigen »Edelweiß«-Bau. »Das ist so was von toll«, frohlockte Graßl. Ähnlich beurteilte er auch die Architektur des Hauses der Berge, das er als »architektonisches Highlight« bezeichnete. »Da kann man nicht einfach eine Almhütte hinstellen.« Als richtungsweisendes Projekt bezeichnete der Marktbaumeister auch den gemeindeübergreifenden Flächennutzungsplan. Christian Fischer