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Liebesgeflüster am Telefon

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Veronika von Quast (von links), Saskia Vester, Teresa Rizos und Andrea Wildner spielten in der Theaterfassung des Erfolgsfilms »Eine ganz heiße Nummer« im k1 in Traunreut. (Foto: M. Heel)

Immer Ärger mit den Finanzen! Das bekommen auch Maria und Waltraud zu spüren, die in einem Dorf mitten im Bayerischen Wald einen Tante-Emma-Laden betreiben. Denn seit die örtliche Glashütte dichtgemacht hat, fehlt der Kundschaft das Geld bzw. geht sie lieber beim Discounter im nahen Zwiesel einkaufen. Und dann droht die Bank auch noch mit der Kündigung des Geschäftskredits.


Schlechte Zeiten also für Maria, Waltraud und ihre Verkäuferin Lena. Doch als Maria versehentlich einen obszönen Anruf erhält, bringt sie das auf eine tollkühne Idee. Wie wäre es, wenn sie zu dritt eine Telefonsex-Hotline gründen würden? Die praktisch denkende Waltraud ist gleich dabei, nur die etwas naive Lena hat moralische Bedenken. Aber letztendlich ist auch sie mit von der Partie, und mit selbstgedruckten Handzetteln und dem Slogan »Liebesgeflüster – aus unserer Heimat« machen sie Werbung für ihr neues Unternehmen.

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Bald schon floriert das Geschäft und die drei machen als »Lady Sarah«, »Die heiße Maja« und »Die süße Lolita« mit ihrer »ganz heißen Nummer« beste Umsätze. Bis ihnen die verbiesterte Gattin des Bürgermeisters auf die Schliche kommt …

Basierend auf dem gleichnamigen Film, der vor drei Jahren in unseren Kinos anlief, hat der Münchner Kabarettist, Schauspieler und Regisseur Jochen Busse die Geschichte zusammen mit Andrea Sixt, der Autorin der Filmvorlage, nun für die Bühne bearbeitet, als Produktion der »Komödie im Bayerischen Hof«. Flott und einfallsreich inszeniert sowie erstklassig besetzt, war somit beste Unterhaltung geboten, als das Stück im gut gefüllten Saal des Traunreuter k1 aufgeführt wurde.

Es war einfach köstlich, wie die drei angehenden Verbalerotikerinnen, hervorragend gespielt von Saskia Vester (Maria), Andrea Wildner (Waltraud) und Teresa Rizos (Lena) im Lust-Klassiker »Die Geschichte der O« Anleitung suchten oder sich, leicht verschämt und irritiert, zwecks Anschauungsmaterial in einem Sexshop herumdrückten. Überaus komisch waren auch ihre ersten Versuche, wenn Maria »Hier ist Maja, wie die Biene, nur viel heißer« ins Telefon stotterte, oder Waltraud sich abmühte, die strenge »Lady Sarah« zu geben. Bestens besetzt war auch Veronika von Quast als spitzzüngige Moralhüterin Gerti, die immer im unpassenden Moment in das »Liebesgeflüster« der drei Damen platzte. Ein guter Einfall von Jochen Busse/Andrea Sixt war es auch, mit Bernd Helfrich, dem Chef des Chiemgauer Volkstheaters, einen allwissenden Erzähler einzubauen, der immer dann auftauchte, wenn es etwas zu überbrücken gab. Und der deswegen auch keine Gage, sondern ein Überbrückungsgeld bekommt, wie er zwischendurch anmerkte. Eine Rolle, die er mit rustikalem Charme glänzend ausfüllte. Nebenbei verkörperte er noch den Pfarrer und den Ehemann von Waltraud.

Sehr sympathisch und überzeugend war auch Norbert Heckner, der als frustrierter Banker und »Kunde« von Maria ein paar schöne, eher nachdenklich stimmende Auftritte hatte, und auch Michael Heininger als trinkfreudiger Großvater und Martin Böhnlein als Lenas Freund machten ihre Sache gut. Dass die Geschichte trotz der Empörung der Dorfbewohner ein Happy End fand, war nicht verwunderlich. Denn der angebliche Skandal brach rasch in sich zusammen, und auch die Kirche bzw. der Pfarrer werde ihnen schon verzeihen (müssen), so Waltraud respektive »Lady Sarah«. Schließlich habe sie in letzter Zeit viel mit ihm gesprochen. Per Telefon, versteht sich. Wolfgang Schweiger