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Leichtfüßig und hintergründig

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Ausdrucksstarke Standbilder des Ensembles, etwa beim Singen gemeinsamer Lieder, zauberten Poesie in das Stück und erinnerten an die zu Shakespeares Zeit beliebte Schäferidylle. (Foto: Mergenthal)

Ein buntes Ensemble hat im Rahmen des kulturell-inklusiv angelegten Projekts »Spielend einander verstehen« William Shakespeares Sprache vom Staub der Jahrhunderte befreit. Leichtfüßig, herrlich verspielt und doch hintergründig ist die Interpretation seiner Komödie »Wie es euch gefällt« durch das Theaterensemble »Brettspiel« unter Leitung von Angelika Bamer-Ebner. Im »Kleinen Theater« an der Schallmooser Hauptstraße 50 in Salzburg ist das Stück noch am Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 19 Uhr zu sehen.


Das Ainringer Paar Angelika Bamer-Ebner und Peter Ebner hat nach der Auszeichnung des Projekts durch das Zukunftslabor Salzburg 20.16 seit Herbst intensiv mit der Gruppe gearbeitet. Einheimische und Menschen mit anderen Wurzeln, erfahrene Schauspieler und Laien mussten erst einen Weg zueinander finden. Das Publikum spürte hautnah, dass dies spielerisch, auf humorvolle, liebe- und respektvolle Art und Weise mithilfe des zeitlosen Stoffs gelungen ist.

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Spielend werden Grenzen und Theaterklischees überwunden

Als Vorlage diente Shakespeare ein damals beliebter Schäferroman. Shakespeare, der Schalk, spielt jedoch mit der angenommenen Erwartungshaltung des Publikums, das mit einer gefälligen Pastorale rechnet, und bricht das Ganze immer wieder ironisch. Spielend wurden nun Grenzen, Konventionen und erstarrte Theaterklischees ganz in Shakespeares Sinn überwunden und viel Witz erzeugt, indem immer wieder Fetzen anderer Sprachen eingestreut wurden: Rosalinde schwärmt auf Französisch, der liebeskranke Schäfer jammert auf Spanisch und Orlando zofft sich in wütendem Ungarisch mit seinem Bruder. Arabische Klänge zaubern einen Hauch Exotik auf die Bühne.

In ihrer Adaption nahm Bamer-Ebner einige kleine Änderungen vor: Nicht Herzog Friedrich, sondern Herzogin Friederike (überzeugend streng: Anita Frohnwieser) entmachtet den rechtmäßigen Herrscher, der hier ihre ältere Schwester ist. Die verbannte Herzogin (würdevoll: Rosemarie Linortner) wird im Wald wie eine Mutter für alle Heimatlosen. Aktuelle Themen wie bewaffnete Konflikte, Machtkämpfe, Flucht und Vertreibung spiegeln sich in der Handlung.

Ein zusammengewürfelter Haufen, ähnlich wie die Theatergruppe an sich, rund um die verbannte Herzogin intoniert mitreißende Lieder, überhöht durch den glockenklaren Sopran von Christine Walter in der Rolle der melancholischen Edeldame Charlotta. Sie ersetzt in dieser Inszenierung den Melancholiker Jacques. Der Tausch von Männer- und Frauenrollen passt zum elisabethanischen »Cross-Casting«, der damals üblichen Besetzung der Frauenrollen durch männliche Schauspieler, und zum »Rollenspiel im Spiel« von Rosalinde (voller Temperament: Melanie Arnezeder), Tochter der verbannten Herzogin. Auf ihrer Flucht mit ihrer Freundin Celia (Angelika Bamer-Ebner) gibt sie sich, bedacht auf ihre eigene Sicherheit, als der Bursche Ganymed aus.

Als Orlando, der durch den Hass seines Bruders Oliver (Florian Friedrich) ebenfalls zur Flucht gezwungen wird, verkörpert Bálint Walter die Sehnsucht nach Liebe und Heimat. Er hängt im Wald Gedichte für seine verloren geglaubte Liebe Rosalinde auf. Diese, als Ganymed unerkannt, befragt ihn über seine wahren Gefühle. Dummerweise verliebt sich die Schäferin Phöbe – deren derbe Art trifft Sylvia Schlager hervorragend – in Ganymed und erhört ihren schmachtenden Verehrer Silvius (Peter Ebner) erst, als sich Rosalinde Orlando zu erkennen gibt.

Inzwischen haben sich durch eine Fügung die beiden Brüder wieder versöhnt und Oliver verliebt sich in Celia. So enden alle Verwirrungen mit einer Dreifach-Hochzeit. Das vierte Liebespaar des Originals sparte man sich, was zu mehr Klarheit beiträgt. Am Ende erfährt die Hochzeitsgesellschaft, dass sich Friederike zu einem friedliebenden Leben bekehrt und der rechtmäßigen Herzogin ihr Reich zurückgibt.

Das schlichte Bühnenbild verbreitet poetischen Zauber

Eine ausdrucksstarke Charlotta und der von Florian Sauseng virtuos gespielte Narr Probstein führen kommentierend durch die Handlung. Poetischen Zauber verbreiten das schlichte Bühnenbild mit scherenschnittartigen Bäumen, zwischen denen von hinten das Licht in wechselnden Farben durchscheint, die fantasievollen Kostüme und wunderschöne Standbilder oder Choreografie-Elemente des Ensembles.

Sehr authentisch fügt sich das eritreische Liebeslied von Edelmann Lukas ein, das er auf einem ausgerollten kleinen weißen Teppich im Schneidersitz singt. Stimmig und facettenreich untermalt diese temporeiche Komödie die Musik von Marina Razumovskaja aus Estland (Piano), die zusammen mit dem exzellenten mexikanischen Gitarristen Cecilio Perera noch zusätzliche multikulturelle Farbtupfer beisteuert.

Karten für die nächsten Aufführungen gibt es unter Telefon 0043/662/872154 oder per E-Mail unter karten@kleinestheater.at. Veronika Mergenthal