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Lehrerin mit Herz und Verstand

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Marktschellenberg: Notburga Schiffl verstarb im Alter von 90 Jahren
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Notburga Schiffl, die kürzlich im Alter von 90 Jahren verstarb, engagierte sich in vielfältiger Weise für ihre Heimatgemeinde Marktschellenberg. (Foto: privat)

Marktschellenberg – Sie war eine Lehrerin mit Herz und Verstand: Die Marktschellenbergerin Notburga Schiffl, im Volksmund nur die »Burgi« genannt, verstarb am 9. Oktober im Alter von 90 Jahren. So manche Schülerin oder Schüler hat ihr viel zu verdanken, denn das in der Schule vermittelte Wissen begleitete sie hilfreich durch das ganze Leben. 18 Jahre lang war Notburga Schiffl außerdem Gemeinderätin in Marktschellenberg.


Die »Burgi« wechselte am 1. April 1954 von der Volksschule Marquartstein an die Volksschule Schellenberg und hieß damals noch Notburga Dögerl. Nach ihrer Eheschließung mit dem Polizeibeamten Helmut Schiffl trug sie den Ehenamen Schiffl. Sie blieb bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1992 an der Schule in Marktschellenberg tätig. Das waren 38 Jahre. Nur der ehemalige Lehrer Johann Alois Vonderthann war mit 56 Jahren (1743 bis 1799) länger als sie an dieser Schule tätig.

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Notburga Schiffl war stets eine Lehrerin, die mit Begeisterung zum Wohle der Kinder unterrichtete und einen besonderen Augenmerk auf die Wertebildung der Schuljugend richtete. Mit ihrem heiteren Gemüt konnte sie die Kinder auch in schwierigen Situationen begeistern. Sie legte besonderen Wert auf die religiöse Erziehung und gedachte im Unterricht des Namenstages eines jeden ihrer Schüler.

Sie galt durch ihren regelmäßigen Besuch des Sonntagsgottesdienstes als Vorbild für die Schuljugend und so lange es keinen Organisten gab, stimmte sie mit ihrer glockenreinen Stimme die Kirchenlieder an, auch bei den früher üblichen Schulmessen. Als Gründungsmitglied des ersten Pfarrgemeinderates gehörte sie diesem Gremium viele Jahre an und trug damit wesentlich zur Gestaltung der kirchlichen Abläufe bei.

Den Lernerfolg bei den Kindern erzielte Notburga Schiffl auch durch viele praktische Anschauungs-unterrichte. So gestaltete sie 1973 mit der damaligen 1. Klasse einen Schulgarten. Auch der Pausenhof profitierte 1983 durch ihre Initiative. Die Errichtung des Kindergartens (der erste befand sich damals in zwei Räumen neben der jetzigen Sparkasse) kam mit ihrer intensiven Unterstützung zustande.

Und als der damalige 1. Bürgermeister Alfons Kandler zur Gründung des Arbeitskreises Dorferneuerung bat, war sie mit ihrem umfangreichen Wissen ohne zu zögern sofort zur Stelle. Notburga Schiffl unterstützte die Sammlung und Gestaltung der Ideen zur erfolgreichen Umsetzung für die optische Dorfbild-Gestaltung und hatte in diesem Rahmen erheblichen Anteil am Zustandekommen des Heimatbuches »Aus der Geschichte der Marktgemeinde« in der 1. Auflage.

Dabei lag ihr die Erstellung des Häuserbuches stark am Herzen und kostete sie so manche Nachtstunde, weil der Druck des Bürgermeisters hinsichtlich der endgültigen Fertigstellung stets vorhanden war. So konnte das Buch am 5. Dezember 1998 zu ihrer großen Freude im Saal des Feuerwehrhauses Marktschellenberg der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Notburga Schiffl erhielt in der Laudatio des Bürgermeisters die wohlverdiente Lobeshymne. Dabei wies er auch darauf hin, dass Frau Schiffl von 1972 bis 1990 dem Gemeinderat angehörte und dort die Arbeit kräftig unterstützt habe.

Als am 4. Mai 1995 die erste Ausgabe des Marktschellenberger Boten erschien, hatte Notburga Schiffl als »Gründungs-Redaktionsmitglied« erheblichen Anteil an der Gestaltung und dem Inhalt dieser Ortszeitung, die sie lange Jahre begleitete. Aus Altersgründen musste sie später die Mitarbeit beenden.

Durch ihren unermüdlichen Einsatz hat sich Notburga Schiffl um das Wohl der gesamten Gemeinde verdient gemacht, sie hinterlässt viele Spuren, die die Bürger des Ortes jetzt und auch in Zukunft begleiten und die Erinnerungen an ihre erfolgreiche Tätigkeiten wach halten werden.

Die Verstorbene hinterlässt eine Tochter und einen Enkel, denen beide die Mutter beziehungsweise Oma sehr fehlen wird.

Karl Sießmeier/Franz Heger


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