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Lebensgefahr durch Millionen gebrochener Bäume – »Die körperliche und psychische Belastung ist enorm«

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Bitte unbedingt diese Absperrungen berücksichtigen, es herrscht Lebensgefahr!
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Die Zerstörung am Teisenberg ist enorm, wie Förster Johann Huber (links) und Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten zeigen. Rund eine halbe Millionen Bäume sind durch die Schneelast gebrochen. (Fotos: Reiter)
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Mit schwerem Gerät werden die Baumstämme aus dem Wald geholt – zumindest da, wo es möglich ist.

»Die körperliche und psychische Belastung ist enorm«, sagt Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten und zeigt auf eine Fläche am Teisenberg, auf der Hunderte Bäume liegen. Der Grund: Die Waldarbeit ist hart. Dazu kommt in diesem Fall aber eine gewisse Aussichtslosigkeit. Die Schäden durch Schneebruch haben in diesem Jahr ein Ausmaß, dem man kaum Herr wird. Im Revier von Förster Johann Huber am Teisenberg sind es rund eine halbe Million gebrochener Bäume. Manchmal ist er beim Anblick seines mühsam aufgebauten Waldes verzweifelt, manchmal überwiegt aber die Hoffnung.


Eine Hoffnung ist, dass es mit dem Borkenkäfer nicht so schlimm wird, wie zunächst befürchtet. »Seit Monaten bündeln wir alle zur Verfügung stehenden Kapazitäten, um das Holz aus dem Wald zu schaffen«, sagt Dr. Daniel Müller, der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden. Die abgebrochenen Gipfel und die noch stehenden Stammreste sind ideale Brutstätte für den Borkenkäfer. »Zum Glück half uns der nasse und kalte Mai, der die Entwicklung der Käfer bremste und die Abwehrkräfte der Fichten etwas förderte. Bei einem warmen und trockenen Frühjahr wie letztes Jahr, wäre bereits die erste Käfergeneration ausgeflogen«, ergänzt Förster Johann Huber.

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Er hat sein Gebiet in Prioritäten – immer auch im Hinblick auf den Käfer – eingeteilt. Johann Huber entscheidet, wo die großen Maschinen zuerst anrücken und die Baumstämme aus dem Wald holen. An den Stellen, wo das aufgrund des oft steilen Geländes nicht möglich ist, werden Seilwinden und Waldarbeiter mit Motorsäge eingesetzt. Ein Knochenjob bei über 30 Grad in der schweren Schutzkleidung. Doch auch der verregnete Mai war schwierig, weil die schweren Geräte im Matsch versunken sind.

Ein Rundumblick am Teisenberg zeigt: Die längst geschmolzenen Schneemassen haben extreme Spuren hinterlassen. »Er kämpft wie ein Wahnsinniger, um einen Großteil zu bewältigen. Aber das ist in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen«, sagt Dr. Daniel Müller über »seinen« Förster Johann Huber. »Es ist unvorstellbar, was er und die Waldarbeiter leisten. Aber immer das Gefühl zu haben, wir werden nie fertig – das macht fertig.«

Die Schadholzmenge für den gesamten Forstbetrieb schätzt der Betriebsleiter auf 150 000 Festmeter Holz, wobei der Teisenberg, der sich aus drei Revieren zusammensetzt, mit 80 000 Festmetern besonders stark betroffen ist. Und es bleibt noch sehr viel zu tun. Denn bislang konnten erst 30 Prozent der Schneebruchschäden aufgearbeitet werden.

Aus dem Holz wird je nach Qualität und Größe der Baumstämme Brennholz, Baumaterial oder Möbel. Doch Dr. Daniel Müller steht derzeit vor einem doppelten Dilemma: Hohe Kosten aufgrund des großen Arbeitseinsatzes aller verfügbaren Kräfte (auch vieler Fremdfirmen) und deutlich schlechtere Preise auf dem Holzmarkt. Denn aufgrund der großen Mengen, die derzeit zur Verfügung stehen – »auch in Österreich und der Schweiz« – sind die Einnahmen gesunken. »Es ist schwierig, schon jetzt eine Prognose abzugeben. Aber ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr ein Minus von zwei Millionen Euro machen«, sagt Müller. Er kann sich nicht erinnern, dass es in den vergangenen fünf Jahrzehnten eine ähnliche Dimension an Schneebruchschäden gegeben hat wie in diesem Jahr.

Besonders stark betroffen waren dabei Wälder am Teisenberg mit reinem Fichtenbestand. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. »Ein schöner Bergmischwald soll es werden«, hofft Förster Johann Huber. »Wenn man so möchte, könnte man darin das Positive des Ganzen sehen«, ergänzt Dr. Daniel Müller und zeigt beim Bergabfahren in seinem Bus ein Paradebeispiel eines gesunden Bergmischwaldes mit Fichten, Tannen, Buchen und Ahorn.

»Es herrscht Lebensgefahr«

Die Schäden am Wald und deren Aufarbeitung bergen auch Gefahren für Wanderer und Mountainbiker. Im Wald hängen noch immer abgebrochene Gipfel, die unkontrolliert herabfallen könnten. Auf den Forstwegen stehen Seilbahnen, die das Bruchholz bodenschonend aus dem Wald holen und es fahren schwere Fahrzeuge auf den schmalen Straßen, die das Holz abtransportieren. Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten wirbt bei den Waldbesuchern um Verständnis für die temporären Sperrungen: »Wir bitten die Absperrungen zu respektieren, es herrscht absolute Lebensgefahr, auch wenn gerade keine Motorsäge zu hören ist.«

Klara Reiter