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»Lauter Grattler ohne Charakter«

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Krisengespräch am Königssee (v.l.): Geschäftsinhaber Wolfgang Riehl, Gemeinderat Richard Lenz, Geschäftsinhaber Franz Schoen, die Vorsitzende des Tourismusvereins Schönau am Königssee, Gabi Springl, Geschäftsinhaber Markus Zeitz, die Leiterin der Touristinfo, Alexandra Baschek, und FW-Landtagskandidat Michael Koller. Foto: Anzeiger/Fischer

Schönau am Königssee – Die Geschäftsinhaber von der Seestraße am Königssee haben ein Problem: Wahlkampfzeit. Viele Versprechungen, aber keiner handelt. Seit fast einem Jahr müssen ihre Läden sonntags geschlossen bleiben. Und seitdem betonen Politiker, wie wichtig ein eigenes Ladenschlussgesetz für Bayern und seine Tourismusregionen sei. Doch von wohlwollenden Worten können sich die Unternehmer nichts kaufen. Und ihre Kunden sonntags auch nicht. Deshalb trafen sich die Geschäftsleute mit Touristikern und Politikern zum Krisengespräch am Königssee.


Die Stimmung ist schlecht, ganz schlecht. Maßlose Enttäuschung mischt sich mit Wut. Wut auf die Politik. »Das sind lauter Grattler ohne Charakter«, ärgert sich Geschäftsinhaber Markus Zeitz. Denn sämtliche Gespräche mit Abgeordneten hätten nichts gebracht. »Wir haben alles vorgetragen, jedes Argument aufgelistet. Doch das ist alles in den Papierkorb gewandert«, resümiert Geschäftsinhaber Wolfgang Riehl.

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Ernst genommen fühlen sich die Geschäftsleute lediglich von den Freien Wählern. Sie hatten vor Kurzem im Landtag einen Antrag für ein eigenes bayerisches Ladenschlussgesetz gestellt. Und sind grandios damit gescheitert. Von den anderen Parteien hat kaum einer zugestimmt.

Und deshalb bleiben die meisten Geschäfte immer noch sonn- und feiertags geschlossen. »Der Tourismus leidet, die Geschäfte leiden«, ärgert sich Geschäftsinhaber Sigi Renoth. »Wir haben bisher Einbußen von über 25 Prozent. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.« Auch sei bereits bemerkbar, dass die Besucherzahlen sonntags zurückgehen. »Wie ausgestorben« sei die Seestraße teilweise, bestätigt Alexandra Baschek, die Leiterin der Touristinfo Schönau am Königssee.

Es sei auch ziemlich schwierig, vor allem internationalem Publikum die Situation am Königssee zu vermitteln. »Es gibt laufend Beschwerden von Gästen«, weiß die Vorsitzende des Tourismusvereins Schönau am Königssee, Gabi Springl. Das Unverständnis vieler Urlauber über die sonntags geschlossenen Geschäfte kann Alexandra Baschek bestätigen.

Für Wolfgang Riehl ist die Sache klar: »Das ist ein Problem der Politik, ein Versäumnis ersten Ranges seit 50 Jahren«, sagt er resigniert. Und fügt fordernd hinzu: »Wer dieses Problem jetzt nicht löst, ist blind oder nicht in der Lage, es zu lösen.«

Der Schönauer Gemeinderat Richard Lenz (FW) betreibt einen Campingplatz am Königssee. Seine Gäste könnten absolut nicht nachvollziehen, warum die Geschäfte an der Seestraße sonntags zu sind, erzählt er. Auch er ist von den Landespolitikern enttäuscht. »Die hätten von Anfang an sagen sollen, dass es nix wird.« Lob gab es lediglich für Landrat Georg Grabner. Er habe sich stark für die Belange der Unternehmer eingesetzt. Sei aber letztendlich von der eigenen Partei ausgebremst worden. Für den Berchtesgadener Landtagskandidaten der Freien Wähler, Michael Koller, bleiben nun nicht mehr viele Optionen offen. Er verspricht den Geschäftsleuten aber, dafür zu sorgen, dass das Ladenschlussgesetz in die Koalitionsverhandlungen eingebracht werde. Und fügt gleich augenzwinkernd hinzu: »Sollte es zu Koalitionsverhandlungen kommen.« Christian Fischer

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