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Latin meets Bavaria

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Machten einen tollen Sound: die Musiker von Cuba Boarisch 2.0 um Leo Meixner. (Pianist verdeckt). (Foto: Janoschka)

In der Montagehalle der Lokwelt Freilassing haben »CubaBoarisch 2.0« mit Begeisterung und begeisternd gezeigt, wie Musik Kulturen verbindet. Die Musiker marschierten wie in einer Prozession in die Halle mit dem »kubanischen Flair«, wie Bandchef Leo Meixner augenzwinkernd feststellte, ein – allen voran Leo Meixner mit einer großen Trommel.


Mit dabei war Yinet Rojas aus Kuba, die mit ihrem großen Stimmumfang und ihrem Gitarrenspiel auf der Tres-Cubano, einem kubanischen Saiteninstrument, das von der Gitarre abstammt, den Klang der Band bereicherte, aber auch mit ihrem kubanischen Hüftschwung optisch zur Freude beitrug. Ihr Rock mit Petticoat schwang im Rhythmus der Musik.

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Gleich beim A-Capella-Jodler zu Beginn jodelte sie mit und sang gleichermaßen auf Spanisch wie auf Bairisch. Sie hat in Havanna Musik studiert, und auch alle anderen Bandmitglieder sind nach ihrem Musikstudium in Deutschland und Österreich Profimusiker. Dieses Können hörte und spürte das Publikum. So folgten die Zuhörer dem Entertainer und taten alles, was er verlangte: schunkeln oder bairische Reimwörter am Ende einer Zeile nicht nur singen, sondern »plearn«, klatschen, aufstehen oder tanzen.

Leo Meixner ist der Sohn des Gründers der Band »Die Cubaboarischen«, Hubert Meixner. Als Vertreter der »next generation« gründete er vor zwei Jahren das Upgrade »CubaBoarisch 2.0«, ein Erfolgsrezept mit Peter Rutz am Piano, Bernhard Lackner an der Bassgitarre, Philipp Treichl an der Trompete, Boris von Johnson an den Congas und Tommy Eberhard am Schlagzeug. »Wir fühlen uns hier wie auf Kuba, in Havanna, neben dem Bahnhof mit den alten Zügen,« gestand Meixner. Er wolle alle mit Lebensfreude anstecken, weil er auf die kubanische Musik »narrisch« ist und diese gerne mit der heimischen Volksmusik verbindet.

Genau das ist sein Markenzeichen: spontan zwischen den Musikstilen umzuschalten. Das macht er mit der steirischen Harmonika, der Tres-Cubano oder der Gitarre und der Posaune. Hat er gerade noch Spanisch gesungen, ertönen kurz darauf bairische Rhythmen und Wörter. Kaum merklich bewegt er sich zwischen den Kulturen – und sie passen bestens zusammen. Manchmal müssen ein paar bairische Begriffe übersetzt werden – das tat Meixner unterhaltsam in einem Lied, in dem Wörter wie »Goaß«, »Gaudi« oder »Oachkatzlschwoaf« und »pumperlgsund«, aber auch »Gschpusi« vorkamen. Auch mit der Musik von Slavko Avsenik und seinen Oberkrainer Musikanten verbindet er kubanische Rhythmen.

Das Lebensgefühl einer Stadt besingt er in »Es ist wieder Sommer in der Stadt« von der Spider Murphy Gang. Die Titel sind spanisch oder bairisch, die Songs haben dann aber immer Überraschungen bereit. Stellvertretend dafür steht »Canto Afrocubávaro« mit dem Sprachspiel im Titel und einem virtuosen Trompetensolo, aber auch immer wieder mit erotischen Tanzbewegungen von Leo Meixner und Yinet Rojas. Da ist »Amor sincero«, »Desnudo« einerseits und gleich daneben »Schwiegermutter, tanz amoi« und »Auf da Alm« mit einem lustig-fidelen Dialog zwischen Trompete und Ziach, die immer wieder zeigen, wie nah die beiden Musikstile beieinanderliegen – Walzer und Salsa fließen ineinander über.

»Kimm auf’n Tanzbod’n« beginnt mit der Frage »Was ist denn da heit los?« und entpuppt sich als Rap mit einem zweistimmigen Solo für Trompete und Posaune und einem schönen Solo des Schlagzeugers. Mit »Son montuno« stellten sie eine kubanische Musikrichtung in einem »Lied« für alle Rhythmusinstrumente vor: da waren Kuhglocken ebenso dabei wie die Claves (zwei Holzstäbe, die in einem bestimmten Rhythmus aufeinander geschlagen werden), Kongas und natürlich das Schlagzeug. »Loco Loco« geht unmittelbar über in »Rehragout« mit der Frage »Was gibt’s heit?«. Mit zwei Zugaben mussten sich die Freilassinger dann zufriedengeben geben, sie hätten gerne noch die ganze Nacht zugehört. Freude und Begeisterung pur. Brigitte Janoschka