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Lanz-Talkshow: Nackter Protest gegen Fußball-WM in Katar

Hamburg (dpa) - Barbusiger Protest gegen Fußball-WM-Gastgeber Katar bei «Markus Lanz»: Während der Live-Talkshow am Mittwochabend im ZDF haben zwei Aktivistinnen der umstrittenen Frauenrechts-Gruppe Femen gegen die Arbeitsbedingungen in dem Land demonstriert.

Nackter Protest
Markus Lanz sieht nackten Tatsachen ins Auge. Foto: Markus Hertrich/ZDF Foto: dpa

Josephine und Hellen gingen mitten in der Sendung mit nackten Oberkörpern auf die Bühne - um ihre Brüste waren Fußbälle aufgemalt. Sie sprangen zwischen den Gästen auf und ab und skandierten «Boykott, FIFA, Mafia». Auf ihren Bäuchen standen die Slogans «Blut & Spiele» sowie «don't play with human rights» - «Spiel nicht mit Menschenrechten». Die Frauen wurden von Sicherheitsleuten aus dem Studio gebracht.

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Femen bezeichnete den nackten Protest als Erfolg. «Wir konnten mit dieser Aktion auf das Leid aufmerksam machen», erklärte eine Sprecherin am Donnerstag. Nach Angaben der Gruppe hatten sich die Frauen Karten besorgt und die Sendung erst als Zuschauer verfolgt.

Während der Aktion waren auch Männer - allerdings bekleidet - zu sehen, die Schilder hochhielten. Talkmaster Lanz, dessen Sendung sich am Abend um das Thema Fußball drehte, sprach einen dieser Aktivisten an und fragte nach den Hintergründen des Protests. Die Sprecherin betonte: «Bei Femen Germany gibt es keine Männer, und wenn wären diese ebenfalls unbekleidet.» Es müsse sich um eine andere Gruppierung gehandelt haben, die auf das Gleiche habe aufmerksam machen wollen.

Der Aktivist erklärte den Zuschauern: «Die Fußball-WM findet ja in einigen Jahren in Katar statt, dort werden Arbeiter wie Sklaven behandelt.» Die FIFA solle Druck auf das Land ausüben oder eine Weltmeisterschaft gar nicht erst «in so einem Land» ausrichten. Lanz bedankte sich und sagte: «Botschaft angekommen». Das Publikum applaudierte.

Die FIFA hatte Katar 2010 den Zuschlag für die WM 2022 gegeben. In letzter Zeit häuften sich die Vorwürfe, Arbeiter an den Baustellen für das Großereignis würden versklavt und zur Arbeit gezwungen. FIFA-Präsident Joseph Blatter hat die Bedingungen für Arbeiter in dem Golfstaat bereits «untragbar» genannt, zuletzt aber klar gestellt, die WM werde auf jeden Fall in Katar stattfinden.

Die Situation in Katar ist für zahlreiche Gastarbeiter aus Süd- und Südostasien laut eines jüngst von Amnesty International vorgestellten Berichts dramatisch. Die Menschenrechtsorganisation prangerte unter anderem mangelnde Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften sowie zum Teil menschenunwürdige Unterbringungen der Arbeiter auf Baustellen des WM-Gastgebers an. Zudem müssten zahlreiche Arbeiter monatelang auf ihren Lohn warten oder würden gar nicht bezahlt.

Zuvor hatte der britischen «Guardian» mit einem Bericht international schon für Aufsehen gesorgt: Demnach seien rund 44 nepalesische Gastarbeiter in nur zwei Monaten wegen Herzinfarkts oder Arbeitsunfällen in Katar gestorben.

Die Hamburger Aktivistinnen Josephine und Hellen waren bereits bei anderen Femen-Protesten dabei, die für große Aufmerksamkeit sorgten. Die Beteiligung an einer Aktion in Tunis brachte Josephine im Frühsommer für einen Monat ins Gefängnis. Hellen war beim Live-Finale der Castingshow «Germany's Next Topmodel» halbnackt vor die Kameras gestürmt und hatte für Frauenrechte protestiert.