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Landratsamt Neubau soll Reichenhaller Ortsrand beleben

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Das neue Landratsamt wird auf die freie Wiesenfläche gebaut.
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Auf dem ursprünglichen Grundstück entsteht ein Wohngebiet. (Fotos: LRA)

Bad Reichenhall – Das Landratsamt wird neu gebaut. Die Pläne liegen vor, das Konzept steht: Im März soll es endlich weitergehen.


Zunächst mit der Beteiligung der Öffentlichkeit. Landkreis und Stadt Bad Reichenhall wollen die Pläne für den Bau aber nicht einfach im Rathaus auslegen, sondern die Bevölkerung aktiv miteinbeziehen. Deshalb soll in wenigen Wochen eine Veranstaltung stattfinden, auf der das Vorhaben erklärt und veranschaulicht wird. Bürger haben dann die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

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Das Projekt zieht sich nun schon über mehrere Jahre (wir berichteten). Ende September 2016 sollte das Gebäude noch generalsaniert werden. Über ein Jahr trugen Experten Daten und Fakten zusammen. Sie kamen schließlich auf Renovierungskosten in Höhe von rund 32,5 Millionen Euro. Ins Spiel kam deshalb auch ein Ingenieurbüro aus München. Die Fachleute ermittelten, dass ein Neubau nur 10 Prozent mehr kosten würde.

Das vor knapp 40 Jahren erbaute Hauptgebäude kann zur Zeit weder die gestiegene Anzahl an Mitarbeitern aufnehmen, noch können alle Bereiche an der Salzburger Straße angesiedelt werden. »Die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH zum Beispiel, oder auch die Biosphärenregion sind in extern angemieteten Räumen untergebracht«, so Landrat Georg Grabner.

Erweiterung zu teuer

Eine Erweiterung würde nur dazu führen, dass noch mehr Grundfläche benötigt werden würde. Mit dem neuen Baukonzept können rund 1500 Quadratmeter Nutzfläche gespart werden. Eine kompaktere Bauweise ermögliche auch, die Kosten für Unterhalt, Reinigung, Heizung und Strom geringer zu halten. »Die Entscheidung war kein Schnellschuss«, betonte Grabner.

Ein weiterer großer Aspekt sei auch, dass der Neubau des Gebäudes auf der freien Wiese eine vorübergehende Umsiedlung der Mitarbeiter überflüssig mache. Das neue Landratsamt kann fertig gebaut werden, die Mitarbeiter können sich einrichten, dann wird der alte Komplex abgerissen. Auf dieser Fläche entsteht ein Wohngebiet. Entworfen hat es das Architektenbüro Deffner/Voitländer: Das Wechselspiel zwischen engen Gassen und Plätzen in der Reichenhaller Altstadt sowie die Geometrie der alten Saline war Ausgangspunkt für den Entwurf.

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Auf dem ursprünglichen Grundstück entsteht ein Wohngebiet. (Fotos: LRA)

Die Wohnhäuser sollen deshalb ganz nach dem Vorbild der Altstadt in einer »wohl organisierten Dichte« entstehen. Der Sozial- und Kommunikationsfaktor spielt eine große Rolle. Menschen aller Altersklassen sollen ein neues zuhause finden. Auch ein Mehrgenerationenhaus steht in der Diskussion. Insgesamt sind 162 neue Wohnungen geplant. Zwischen Landratsamt und Wohngebiet soll ein großer Platz alle Verkehrsteilnehmer aufnehmen. Von dort können Besucher, Mitarbeiter und Bewohner die Parkplätze oder Tiefgarage erreichen. Auch kleine Läden wie ein Bäcker oder ein Kiosk finden ihren Platz. Das Wohngebiet selbst bleibt verkehrsfrei.

Nachhaltigkeit im Fokus

Auch der Klimaschutz steht im Fokus. Das Landratsamt wird vorwiegend in Holzbauweise errichtet. Mit einer Photovoltaikanlage soll es sich soweit wie möglich eigenversorgen. Fossile Energieträger kommen nicht mehr zum Einsatz. Auch eine etwa 6000 Quadratmeter große Streuobstwiese, die Pflanzung von weiteren 100 Bäumen im Bereich Froschhamer Weg und der Erhalt des Baumbestandes sind zentrales Anliegen. Realisiert werden soll auch ein Kindergarten.

Da Bad Reichenhall dringend leistbaren Wohnraum benötige, richtet sich das Projekt vor allem an Einheimische. »Mir würde das Herz bluten, wenn wir das nicht umsetzen könnten«, sagte Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner. Gestuft soll deshalb ein Zuschuss gezahlt werden. Dieser wird nach individuellem Einkommen berechnet. »Wir wollen auch nicht, dass Eigentumswohnungen zu einem Quadratmeterpreis von 8000 Euro verkauft werden«, erklärt Grabner.

Wer die Wohnhäuser bauen wird, steht noch nicht fest. Das Grundstück muss zunächst verkauft werden. »Es geht aber nicht darum, es dem höchstbietenden zu geben«, so der Landrat. Dafür seien Subventionen notwendig. Wer genau Interesse am Kauf gezeigt habe, will Grabner noch nicht verraten. Es seien aber kommunale Träger. Lena Klein