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Landratsamt bezieht Stellung zum Neubau

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Der städtebauliche Entwurf für das Neubaugebiet des Landratsamtes Berchtesgadener Land. Foto: Landratsamt Berchtesgadener Land

Bad Reichenhall – Mit aktuellen Fakten und Antworten will das Landratsamt Berchtesgadener Land auf aktuelle »Schreiben von Gegnern des Neubaus« sowie Medienberichte reagieren und für Klarheit sorgen. Zu einigen verbreiteten Informationen, die »jeglicher Grundlage entbehren«, äußert sich das Landratsamt wiefolgt.


Generalsanierung und bauliche Erweiterung kosten 94 Prozent des Neubaus

Tatsache ist, dass eine Generalsanierung und bauliche Erweiterung des Landratsamtes Berchtesgadener Land gegenüber einem Neubau unwirtschaftlich ist: Die Generalsanierungs- und Baukosten würden nach Expertenberechnungen 94 Prozent der Neubaukosten betragen. Zudem wäre eine Generalsanierung mit erheblichen Kostenrisiken verbunden, da durch zusätzliche Maßnahmen unvorhergesehene Mehrkosten hinzukommen können. Die Gesamtkosten für einen Neubau belaufen sich nach aktuellen und fundierten Berechnungen durch Fachexperten auf 37,5 Millionen Euro. Eine Generalsanierung und bauliche Erweiterung des Bestandsgebäudes würde 35,2 Millionen Euro kosten.

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Bei der Variante der Generalsanierung und Erweiterung des vorhandenen Gebäudes müsste der bestehende Baukörper ergänzt und verbreitert werden, was im Übrigen auch bedeuten würde, dass für den größten Teil der Bauzeit lediglich noch der Rohbau dastehen würde (ohne Fenster, teilweise ohne Fußböden). Damit ist ein Arbeiten im bestehenden Gebäude unmöglich und es müssten Zwischennutzungsräume in enormer Zahl angemietet werden.

Für eine derartige Interimslösung würden zusätzliche Kosten in Millionenhöhe anfallen. Zusätzliche Belastungen für Mitarbeiter und Bürger wären unvermeidlich. Die Untersuchungen durch entsprechende Fachexperten zeigen zudem, dass eine grundsätzliche Verbesserung der Besucherströme und der Bürgerorientierung bei einer Sanierung nicht erreicht werden könnten.

Wie das Landratsamt mitteilt, »entbehrt deshalb die Aussage, ein Neubau sei eine unverantwortliche Steuerverschwendung, jeglicher Grundlage«. »Im Übrigen: Die überwiegende Zahl unserer Mitarbeiter sind Angestellte, keine Beamten.« Der Kreistag hat sich in einem dreijährigen Prozess für die ökologischste, wirtschaftlichste und sozialste Variante – den Neubau – entschieden, um den dringenden Handlungsbedarf am Landratsamt zu lösen.

Zwingender Handlungsbedarf

Das aktuelle Gebäude wurde durch renommierte Fachexperten ausführlich untersucht und bewertet. Alle Einschätzungen kommen zu dem Schluss, dass dringender Erneuerungsbedarf an Brandschutz, Fassadendämmung, Heizung, Lüftung, Sanitär, Wasser/Abwasser und Stromversorgung besteht. Zudem können die geltenden Vorgaben der Arbeitsstättenrichtlinien nicht eingehalten werden – dies betrifft unter anderem die vorgeschriebene Raumhöhe. Das hat nichts mit fehlendem Gebäudeunterhalt zu tun.

Der Landkreis steht zudem in der Pflicht, seinen Beitrag zum Klimaschutz durch Energiesparmaßnahmen zu leisten. Dieser Pflicht kommt er nach: mit einem innovativen Energiekonzept, mit der angedachten Eigenstromversorgung durch eine PV-Anlage und mit der geplanten überwiegenden Holzbauweise für das neue Landratsamt. Die Ergebnisse des energetischen Gutachtens eines zertifizierten Ingenieursbüros vom Oktober 2013 zeigen deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Das Energiegutachten belegt, dass Energieverluste in beträchtlicher Höhe vorhanden sind, insbesondere bedingt durch die Pfosten-Riegel-Konstruktion der Fassaden, die komplett ausgetauscht werden müssen. Das Gutachten und der aktuelle Energieausweis können jederzeit beim Landratsamt eingesehen werden. Insofern weist das Landratsamt die Behauptung entschieden zurück, es bestünde kein Grund für eine energetische Sanierung.

Ein Neubau benötigt außerdem aufgrund seines kompakten Baukörpers weniger Grundfläche als das aktuelle Gebäude mit seinen vielen kleinen Seitenflügeln. Das bedeutet auch geringere Heiz-, Strom- Reinigungs- und Gebäudehaltungskosten.

Die durchgeführten Brandschutzmaßnahmen am bestehenden Gebäude waren nötig geworden, um Flucht- und Rettungswege zu sichern. Die Sofortmaßnahmen dienen der Sicherheit der Mitarbeiter und Bürger, die sich im Landratsamt aufhalten. Sie wurden auf das Mindestmaß beschränkt. 

Moderne Arbeitsplätze in ausreichender Zahl – Adäquates Raumkonzept

Der Bedarf an Arbeitsplätzen im Landratsamt wird trotz Digitalisierung – wenn überhaupt – nicht signifikant abnehmen, sondern im Gegenteil weiter zunehmen. Heute schon arbeiten bereits über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Landratsamt, das für lediglich 248 Beschäftigte geplant und gebaut wurde. Fehlende Arbeitsplätze führten bisher zu Auslagerungen in Container und zur Anmietung von Büroflächen außerhalb des Landratsamtes für rund 70 Mitarbeiter. Das ist weder mitarbeiterfreundlich noch prozessorientiert.

Mit dem Neubau schafft der Landkreis moderne, zeitgemäße Arbeitsplätze in ausreichender Zahl. Künftig ist ein hohes Maß an flexiblerem und kommunikativerem Arbeiten gefordert. Das bedeutet auch, dass zusammenhängende Fachbereiche auch räumlich zusammenhängen, um Prozess- und Kommunikationsabläufe besser zu gestalten und Reibungsverluste zu minimieren.

Alle Mitarbeiter wurden im Übrigen frühzeitig im Rahmen einer Befragung eingebunden. Für die Erstellung des Raum- und Funktionsprogramms (R+F-Programms) wurde eine eigene Projektgruppe gebildet, der auch die Personalvertretung angehörte. Sowohl die Führungskräfte als auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden also bei der Erstellung des R+F-Programms eingebunden (Interviews, Umfragen, Informationsveranstaltungen).

Hieraus haben sich eine Vielzahl an Themen und Wünschen ergeben, auf die mit dem Neubau eingegangen wird. Unter anderem wird auf die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Sicherheitsbedürfnisse Rücksicht genommen: Künftig gibt es sogenannte Schalter-Arbeitsplätze für schnelle Erledigungen, Arbeitsplätze für längere Bürgergespräche und Arbeitsplätze für Zentralfunktionen in der Verwaltung.

Geplante Wohnbebauung auf bestehendem Gelände

Entgegen manch gegenteiliger Behauptung stellt das Landratsamt nochmals klar: Eine neue Wohnbebauung und der Neubau des Landratsamtes hängen unmittelbar zusammen und sind nicht voneinander getrennt umsetzbar. Geschäftsgrundlage für den Grunderwerb des unmittelbar an das Gelände des derzeitigen Gebäudes angrenzenden Grundstücks war der Neubau des Landratsamtsgebäudes. »Wer hier Stimmung gegen die ehemaligen Grundstückseigentümer macht, verhindert den Bau von 162 dringend benötigten Wohnungen in Bad Reichenhall«, so das Landratsamt.

Das frei werdende Baugrundstück wird kein Spekulationsobjekt: »Horrende Grundstückspreise entbehren jeder Grundlage. Es wird sozialverträglicher, familiengerechter und generationsübergreifender Wohnraum geschaffen.«

Vorgesehen ist ein Wohnungsmix aus geförderten Wohnungen, freifinanzierten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen. Konkrete Verhandlungen mit dem Wohnbauwerk Berchtesgadener Land GmbH sowie der städtischen Bad Reichenhaller Wohnbau GmbH laufen bereits.

Einrichtungen für Kinder und Senioren, Nahversorgung für die Bewohner und eine adäquate Verkehrsanbindung werden derzeit intensiv geprüft. Zudem findet parallel das offizielle Bauleitverfahren der Stadt Bad Reichenhall statt, in dessen Rahmen sich jeder Bürger mit seinen Anregungen einbringen kann.

Gemeinsam mit der Stadt Bad Reichenhall wurde ein tragfähiges und nachhaltiges Konzept für die Gestaltung des Landratsamtsneubaus und eine mögliche Wohnbebauung entwickelt, das für alle einen größtmöglichen Mehrwert bietet. Deshalb arbeiten alle zuständigen Gremien Hand in Hand.

Investitionen in anderen Bereichen geplant

Die finanzielle Situation im Landkreis hat sich während der Amtszeit von Landrat Georg Grabner deutlich verbessert: Seit Ende 2018 ist der Landkreis unter Berücksichtigung der Rücklagen praktisch schuldenfrei. Nach dem Amtsantritt von Landrat Grabner betrug die Schuldenlast noch 43,5 Millionen Euro. Insofern sind auch weitere Investitionen im Landkreis möglich und geplant, so beispielsweise für Schulen. Dank der umsichtigen Haushalts- und Ausgabenpolitik des Landrats kann sich der Landkreis diese wichtigen und richtigen Investitionen leisten.

Alle Schritte wurden zu jedem Zeitpunkt in den politischen Kreisgremien behandelt und Entscheidungen nach eingehenden Prüfungen getroffen. Aus Fraktionsvertretern und Personalrat wurde zudem ein Bauausschuss gegründet, der das Projekt fachlich und politisch begleitet.

Im Übrigen steht der geplante Neubau in keinerlei Zusammenhang mit weiteren genannten Bauprojekten im Landkreis, auch nicht mit den Kreiskliniken der Kliniken Südostbayern AG.

Dem Landratsamt sei »darüber hinaus keinerlei repräsentative Umfrage bei Bürgern bekannt, die nachweisen würde, dass eine Mehrheit der Bürger gegen den Neubau sei.« Der Kreistag, der sich aus von Bürgern gewählten Volksvertretern zusammensetzt, hat sich nach langer Diskussion mehrheitlich für den Neubau ausgesprochen. Insofern sind Aussagen, dass die Bürger dagegen wären, aus Sicht des Landratsamtes »reine Stimmungsmache«.

Der Landkreis Berchtesgadener Land und die Stadt Bad Reichenhall werden in den nächsten Wochen weiterhin über den Fortschritt in der Planung informieren und im Dialog mit allen Beteiligten bleiben. Das erste offene Dialogforum hat bereits Impulse aus den Reihen der Teilnehmer gebracht, die auf eine Integration in das Konzept hin geprüft werden.

Redaktion/Pressemitteilung Landratsamt Berchtesgadener Land