Landrat Bernhard Kern sagt Protest-Teilnahme ab

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Rund 150 Teilnehmer waren beim Montagsprotest in den Markt von Berchtesgaden gekommen – trotz Regens und kalter Brise. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Landrat Bernhard Kern (CSU) hatte vergangene Woche angekündigt, als Redner beim »lauten Protest« am Montag in der Berchtesgadener Fußgängerzone aufzutreten. Rund eineinhalb Stunden vor Protestbeginn in Berchtesgaden sagte er gestern telefonisch ab. Sein Stellvertreter Michael Koller (Freie Wähler) entschuldigte ihn mit den Worten: »Er hält Abstand von der Veranstaltung wegen der hohen Inzidenzen.« Rund 150 Teilnehmer quittierten dies mit Buh-Rufen und lautem Glockenscheppern. Ein Gemeinderat sagte: »Es wäre seine Chance gewesen, seinen ramponierten Ruf wiederherzustellen.«


Trotz Regens, trotz eisiger Brise haben sich am Montag etliche Geschäftsleute und Zuhörer am Weihnachtsschützenplatz eingefunden. Der, der nicht kam, war derjenige, auf den sie alle gewartet hatten: Für Landrat Bernhard Kern wäre es der erste Auftritt bei einem Montagsprotest im Markt von Berchtesgaden gewesen. Doch die Sache sei ihm »zu heiß« geworden, heißt es aus der eigenen Parteireihe.

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Während die Bürgermeister aus Bischofswiesen und Berchtesgaden, Thomas Weber und Franz Rasp (beide CSU), den lautstarken Protestlern durch Anwesenheit Unterstützung kenntlich machten, war es ein kurzer Anruf aus dem Landratsamt, in dem Kern wissen ließ, nicht erscheinen zu wollen, wie Christoph Göttges, einer der Veranstalter des Protestes, berichtet. Unverhofft sei die Absage gekommen, sagt Göttges. Natürlich sei er enttäuscht. Göttges hatte sich als Unternehmer, der seit Monaten mit Einschränkungen leben muss, Unterstützung des Landrates erhofft, so wie viele andere auch.

Aufgrund des aktuell wieder steigenden Infektionsgeschehens im Landkreis habe sich der Landrat dazu entschieden, »derzeit nicht an Demonstrationen teilzunehmen«, heißt es auf Nachfrage aus der Pressestelle im Landratsamt. »Ich stehe nach wie vor zu meinen Überzeugungen, dass Möglichkeiten geschaffen werden müssen, die Schulen und Kindertagesstätten öffnen zu können und schnellstmöglich langfristige Perspektiven für Tourismus, Hotellerie und Gewerbe zu eröffnen«, wird Kern in einer knappen Stellungnahme zitiert. Alle Betroffenen könnten sich »weiterhin meiner vollen Unterstützung sicher sein«. Kern betontet, die Teilnahme an Demonstrationen sei für ihn »nicht der richtige Weg«. Ins Feld führt er dabei auch die »hohe Belastung für unsere Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich und im Staatlichen Gesundheitsamt«. Präsenz zu zeigen auf einer Demonstration ist für Kern derzeit also das falsche Vorgehen, um Unterstützung zum Ausdruck zu bringen.

Kerns offizieller Stellvertreter, Michael Koller, war dennoch vor Ort, das dritte Mal in Folge. Das, was sich die Geschäftsleute von Kern erwartet hatten, sprach Koller dann auch deutlich an: »Kompetenzen nach Berlin zu delegieren, ist der falsche Weg. Vor Ort wissen wir besser, wie es funktioniert«, sagte Koller und kritisierte dabei erneut die fehlende Perspektive des Berchtesgadener Talkessels, der sich seit 20. Oktober im Lockdown befindet. »Wir müssen wieder arbeiten und leben dürfen«, sagte Koller. Unterstützt wurde er dabei von mehreren Referenten aus dem Tourismusbereich und der Veranstalterbranche, die ihren Unmut kund taten.

»Kern steckt in einer Zwickmühle«, sagte ein Gemeinderat am Rande der Veranstaltung. »Er erhält parteiintern Druck von oben und aus dem Volk von unten.« Das mache ihm zu schaffen. »Wenn er zum Ausdruck bringen möchte, dass er auf der Seite der Bürger steht, müsste er dem Druck standhalten und mitdemonstrieren.«

Kilian Pfeiffer

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