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Ladenschluss nicht mehr zeitgemäß

Zum Artikel »Schotten dicht am Königssee« in der Freitagsausgabe und dem Leserbrief von Markus Zeitz in der Wochenendausgabe:

Das Ladenschlussgesetz ist nicht mehr zeitgemäß. Ausnahmen müssen zulässig sein. Sonst ist es vorbei mit Lederhose und Laptop. Das Übel muss an der Wurzel angepackt werden. Bayern hat als einziges Bundesland kein eigenes Ladenschlussgesetz. Hier gilt noch das alte Bundesgesetz zusammen mit der bayerischen »Ladenschlussverordnung«. Logik, der gesunde Menschen-verstand und Freiheiten kommen zu kurz. Der volljährige Bürger wird entmündigt. Nur die bayerische FDP will ein liberales Ladenschlussgesetz, sonst niemand. Die CSU wehrt sich vehement dagegen. Die Grünen und die SPD wollen wieder zurück zum Mittelalter und denken tatsächlich darüber nach, wieder einen strikteren Ladenschluss einzuführen. Deren Annahme, gerade kleinere Geschäfte könnten ohne Ladenschluss nicht überleben, ist ein Ammenmärchen. Übrigens gibt es am Königssee nur kleine Geschäfte.

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Wenn schon keine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten möglich ist, wäre zumindest eine Entbürokratisierung wünschenswert, ja sogar fast notwendig. Hier könnten gerade für touristisch geprägte Gemeinden wie Berchtesgaden oder Schönau am Königssee, Ausnahmeregelungen geschaffen werden. Übrigens: Italien hat zu Jahresbeginn sein Ladenschlussgesetz aufgegeben. Wenn wir schon ein einheitliches Europa haben wollen, dann könnte hier auch Brüssel tätig werden.

Generell verschiebt sich heutzutage der Einkauf außerhalb des Ladenschlusses auf das Internet oder die Tankstelle. Zahlreiche Arbeitnehmer und Urlauber sind nur unter Zeitdruck in der Lage, ihre Einkäufe zu tätigen. Nischenläden mit besonderen Aktionen wie beispielsweise »Vollmond-Einkauf« werden komplett ausgebremst. Setzen wir den Ladenschluss aus, ist mit Wirtschaftswachstum - nicht nur am Königssee - zu rechnen. Darunter würde das Personal in Fremdenverkehrsorten nicht leiden. Die Arbeitsgesetze und damit Arbeitshöchstzeiten blieben nach wie vor bestehen. Ich verweise hier auf die deutsche Ostseeküste. Dort ist seit Langem der Ladenschluss aufgehoben, ohne dass ein Sterben des kleinen Gewerbes einsetzte. Sonntagsöffnungszeiten am Königssee mögen belastend für das Personal sein, sichern aber deren Arbeitsplätze. Mittlerweile arbeitet jeder siebte Erwachsene sonntags. Krankenhäuser, Hotels, Restaurants könnten zusperren, wenn dies nicht mehr möglich wäre.

Überleben wird nur, wer sich den Wünschen der Kunden anpasst. Es erfolgt ein natürlicher Ausleseprozess. Gesetzliche Regeln haben nur dort einen Sinn, wo öffentliche Angelegenheiten zum Nutzen aller betroffen sind. Einkauf, Gottesdienst oder Müßiggang muss der Gesetzgeber nicht vorschreiben. Da sich vor dem Wahlkampf 2013 sich nichts ändern wird, empfehle ich den betroffenen Geschäftsinhabern eine Petition an den Bayerischen Landtag für eine Ausnahmeregelung am Königssee einzureichen.

Armin Nowak Maximilianstraße 15 Berchtesgaden