Unabhängigkeit der Justiz - Justitia
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Foto: Peter Steffen/dpa/Symbolbild

Küchenschlacht wegen eines Smartphones: Mann soll mit Teller zugeschlagen haben

Ramsau/Laufen – »Zum wievielten Mal?«, stöhnte Richter Christian Daubner zu Beginn einer Verhandlung, die mindestens dreimal abgesagt und verschoben worden war und jetzt zum zweiten mal am Laufener Amtsgericht von vorne losging. In der Küche eines Ramsauer Hotels soll es zum Streit und zu Tätlichkeiten unter dem Personal gekommen sein.


»Die Anklage ist eine reine Lüge«, übersetzte der Dolmetscher die Erklärung des 45-jährigen Küchenhelfers aus Afghanistan. Der will, als er gemerkt hat, dass das Handy des Kollegen nass werden könnte, dies zur Seite gelegt haben. Dieses Berühren des teuren Mobiltelefons soll Auslöser für Beleidigungen und Schläge ins Gesicht und auf den Rücken gewesen sein. Ein Attest bestätigte die Verletzungen des Angeklagten.

Weil er sich alleine nicht mehr anders zu helfen gewusst habe, hat er Teller auf den Boden geworfen, um auf sich aufmerksam zu machen. Was auch gelang. Kollegen trennten die beiden, der Chef kündigte seinem Kontrahenten. Dessen Aufenthalt konnte nicht ermittelt werden. Ein Rumäne, der wegen des Lärms aufmerksam geworden war, musste nicht eigens aus seinem Heimatland anreisen. Einen direkten Zeugen des Geschehens gibt es ohnedies nicht.

Der angeklagte Afghane hatte seinen Strafantrag gegen den Kontrahenten zurückgezogen. Staatsanwältin Magdalena Schröder sah das Geschehen nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt und die angeklagte Tat nicht nachgewiesen. »Es bleiben Zweifel.«

Richter Christian Daubner entschied auf Freispruch. »Die Verletzungen des Angeklagten sind belegt und es passt zu hundert Prozent zu seiner Aussage: Ein Zurückschlagen als Notwehrhandlung.« Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Der Afghane erzählte, dass er monatlich 800 bis 1000 Euro in seine Heimat schicke, »weil die wirtschaftliche Lage dort so schlecht ist«.

Hannes Höfer