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Krisenmanagerin verabschiedet sich

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Bürgermeister Herbert Gschoßmann überreichte der scheidenden Rektorin Hannelore Grüsser ein Abschiedsgeschenk. (Foto: Patrick Vietze)

Ramsau – Die Rektorin der Grundschule Ramsau, Hannelore Grüsser, geht in den Ruhestand. Zu diesem Anlass hat am Freitagmittag in der Turnhalle der Grundschule ihre Verabschiedung stattgefunden. Statt einer großen Feier gab es aufgrund der aktuellen Situation eine Verabschiedung im kleinen Kreis. Drei Grundschüler musizierten vor rund 20 Anwesenden.


»Ein Bestandteil der Grundschulfamilie geht in den wohlverdienten Austrag«, betonte Bürgermeister Herbert Gschoßmann. Die Kinder hätten in der Ära Grüsser die Grundschule mit Freude besucht. Auch Gschoßmanns Kinder seien gerne dort hingegangen. »Entscheidend ist, dass sie die Schüler nicht im Päda-gogischen, sondern im Herzen erreicht hat.« Der Rathauschef fand es bedauernswert, dass die Verabschiedung nicht im großen Rahmen abgehalten werden konnte: »In besonderen Zeiten gibt es besondere Umstände.«

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Ebenfalls positiv äußerte sich Schulrätin Monika Tauber-Spring. Mit einer herausragenden Qualität habe Grüsser gezeigt, dass sie ein untrennbarer Bestandteil der Grundschule ist. »Obwohl sie keine gebürtige Ramsauerin ist«, scherzte die Schulrätin. Hannelore Grüsser wurde in Traunstein geboren. Tauber-Spring zollte ihr großen Respekt für die Schulleitung, die Grüsser 2003 übernommen hat. Sie habe zwei Hüte getragen: einen Lehrer- und einen Schulleiterhut. Dadurch seien neue Herausforderungen entstanden. Auf der einen Seite musste Grüsser die Kinder unterrichten, auf der anderen Seite musste sie jedes Mal für Notfälle bereit sein, wenn das Telefon im Büro geläutet hat. »Diese Aufgaben hat sie mit einer Seelenruhe bewältigt.«

Grüssers Gelassenheit kam auch unter den Kollegen gut an. Die Lehrer überlegten sich, welche Eigenschaften auf sie zutreffen, und haben dafür auch die Schüler miteingebunden. Grüssers Kollegen stellten eine Collage mit Porträts der Schüler zusammen. Auf den Fotos halten die Kinder eine Tafel, auf der sie Grüssers beste Eigenschaft schrieben. Auch die Lehrer machten mit. So bezeichnete Gerald Malitzky die Schulleiterin als bedürfnisorientiert. »Diese Eigenschaft wird durch drei Säulen getragen«, sagte Malitzky. Die erste Säule sei die Fürsorge für das Kind, die zweite das Krisenmanagement, wenn im Kollegium ein Problem eintrat. Grüsser habe die Abläufe vereinfacht. Transparenz gegenüber den Eltern stelle die dritte Säule dar.

Die Lehrerin Verena Gulder entschied sich für das Adjektiv unaufgeregt. Die Schulleiterin habe große und kleine Krisen mit einer Ruhe bewältigt. »Du stehst immer uneingeschränkt hinter uns. Und das mit einer Gelassenheit«, sagte Gulder. Dem schloss sich Michaela Hennecke an: »Sie hat einfach eine positive Grundeinstellung. Und sie hatte immer einen Anlass, sich über etwas zu freuen.«

Diese Harmonie im Kollegium konnte Hannelore Grüsser nur zurückgeben: »Ohne euch wäre es nie möglich gewesen, das großartige Leitbild einer Wohlfühlschule umzusetzen.« Als Grüsser die Schulleitung antrat, hatte sie sich dieses Leitbild gewünscht. Das Fundament habe ihre Vorgängerin gelegt.

Besonders wichtig sei Grüsser der ständige Kontakt zu den Eltern gewesen, weshalb sie regelmäßig Elternabende veranstaltete. Maßgeblich für ihre Freude am Beruf seien die Kinder gewesen. Durch lebendige, ehrliche und originelle Schüler habe sie auf spannende 31 Jahre zurückblicken können. Nostalgisch erinnerte sie sich an ihren ersten Schultag in der Ramsau. »Ich begegnete Resi Busch. Sie ist ein Unikat in der Gemeinde.« Busch läutete im alten Schulgebäude die Glocke, wenn eine Unterrichtsstunde vorbei war. Damals befand sich die Schule zwischen »Café Ertl« und dem Mesnerhaus. Busch habe die Straße zum Pausenhof umfunktioniert. Aktionen wie diese brachten Grüsser zum Schmunzeln.

Die scheidende Schulleiterin hatte das Ziel, den Kindern Freude am Lernen zu vermitteln. Dabei hatte sie unzählige lustige Momente mit ihnen. »Ihr werdet mir abgehen«, sagte sie zu drei Schülern, die zu ihrem Abschied musizierten. Obwohl sie das Ende der Schulzeit traurig stimmt, freut sich Grüsser auf eine neue Zeit. Ihren Kollegen gab sie mit auf dem Weg: »Möge die Ramsau eine Wohlfühlschule bleiben.« Patrick Vietze