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Krisenmanager Bach verteidigt Putin-Spiele

Lausanne (dpa) - Vor der viertägigen Klausurtagung mit seinem Kabinett musste Thomas Bach noch einmal Krisenmanagement betreiben. Äußerlich gelassen versuchte der IOC-Präsident vor der internationalen Presse in Lausanne, die weltweit kritisierten Putin-Spiele in Sotschi schönzureden.

IOC-Chef
IOC-Präsident Thomas Bach bei einer Pressekonferenz. Foto: Jean-Christophe Bott Foto: dpa

Knapp zwei Monate vor Beginn des Prestigeprojekts von Wladimir Putin an der russischen Schwarzmeerküste lobte Bach den Stand der Olympia-Vorbereitungen, «die hervorragenden Sportstätten» und das «ausgezeichnete Athletendorf». Der Besuchsverzicht von Bundespräsident Joachim Gauck sei aus protokollarischen Gründen erfolgt und nicht etwa als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen in Russland.

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Regelmäßig zwingen ihn Entscheidungen des unberechenbaren Kremlchefs, Dinge zu verteidigen, die Bach eigentlich ändern möchte. Der Jurist aus Tauberbischofsheim hat stets betont, die Ringe-Organisation auch bei den Themen Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit voranbringen zu wollen. Tatsächlich läuft das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei den Reißbrett-Spielen in Sotschi Gefahr, für die Zwecke der russischen Gastgeber missbraucht zu werden - ähnlich wie bei den Sommerspielen 2008 in Peking.

Die Einrichtung von ausgewiesenen Arealen in Sotschi, in denen Demonstrationen erlaubt sein sollen, erinnert jedenfalls stark an Peking 2008. «Wir haben uns sehr über die Ankündigung des Organisationskomitees gefreut, dass es in Sotschi Protestzonen geben wird. Jeder kann seine freie Meinung äußern», sagte Bach. Russlands Inlandsgeheimdienst FSB korrigierte Ende der vergangenen Woche einen Erlass von Putin, wonach solche Demonstrationen aus Sicherheitsgründen zunächst untersagt wurden. In Peking hatte es ebenfalls solche Protestzonen gegeben, die aus Furcht vor Bestrafungen allerdings nicht benutzt worden waren.

Putins überraschendes Dekret zur Auflösung der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti diente als nächster Beweis, wie ernst es die Olympia-Gastgeber mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung wirklich meinen. Ria Nowosti und der Radiosender Golos Rossii (Stimme Russlands) sollen in einen Staatspropaganda-Apparat unter dem Namen «Internationale Nachrichtenagentur Rossija Segodnja» (Russland heute) eingegliedert werden. Noch am vergangenen Freitag präsentierte Ria Nowosti am IOC-Hauptsitz in Lausanne die eigenen Berichterstattungspläne für Sotschi - alles Makulatur.

«Wir erwarten nicht, dass diese Entscheidung Auswirkungen auf den Ablauf der Spiele hat», kommentierte das IOC nur. Und was ist mit der Ausbeutung hilfloser Wanderarbeiter, dem inakzeptablen Anti-Homosexuellen-Gesetz, den massiven Umweltsünden, der Terrorgefahr oder der Kostenexplosion? Bach weiß durch seine Erfahrung von bisher 22 Jahren als IOC-Mitglied, welche Probleme Abhängigkeiten von Geld und Macht auslösen können.

Die Sotschi-Spiele hat er von seinem Amtsvorgänger Jacques Rogge geerbt. Für die Neuausrichtung des IOC ist der Franke selbst verantwortlich. Bach wird sich daran messen lassen müssen, wie sehr er auch in Zukunft bei der Inszenierung eines undemokratischen Regimes mitspielt. Die Eckpunkte für einen Richtungswechsel will er mit seiner Exekutive bis Samstag in Montreux diskutieren.

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