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Gute Laune nach der Wahl (v.l.): Johannes Hofmann und der neu gewählte Kreisvorstand mit Mike Rupin (Kassier), Amina Ben Mimoun (Schriftführerin), Olya Linnberg (Kreisvorsitzende), Dagmar Haider (1. Stellvertreterin) und Benjamin Haberl (2. Stellvertreter). (Foto: Thomas Jander)

Kreisversammlung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands – Johannes Hofmann übergibt in jüngere Hände

Berchtesgaden – Einen Generationenwechsel vollzogen hat der Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Berchtesgadener Land. 22 Jahre lang lenkte Johannes Hofmann aus Bad Reichenhall die Geschicke des Verbands und hat nun die Verantwortung in jüngere Hände abgegeben. »Es ist an der Zeit«, sagte Hofmann den Mitgliedern bei der Kreisversammlung. Die fand im Hotel »Neuhäusl« in der Oberau statt und war damit eine Premiere zum Abschied: Zum ersten Mal sind die Hoteliers und Gastronomen dort zu einer Versammlung zusammengekommen.


Zahlreiche Ehrengäste waren gekommen, um Johannes Hofmann zu verabschieden; darunter auch Landrat Bernhard Kern, der pandemiebedingt zum ersten Mal seit seiner Wahl 2020 bei der Dehoga zu Gast war. Der deutete schon die Hauptprobleme an, mit denen die Branche immer noch zu kämpfen hat und die sich auch wie ein roter Faden durch die Kreisversammlung zogen: die Folgen der Coronapandemie und der eklatante Personalmangel in der Gastronomie. Kern bat um Verständnis für die Rolle des Landkreises bei der Anordnung einschneidender Maßnahmen (»Wir sind nur Handlanger der Staatsregierung«) und sagte den krisengeplagten Unternehmern Unterstützung zu: »Ich weiß, dass die Gastronomie Riesenanstrengungen meistern muss. Zusammen mit unserem Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice BGLW unternehmen wir alles, was wir können.« Johannes Hofmann lobte der Landrat als jemanden, der über großes Wissen verfügt und auch kritisch zu Werke geht, vor allem aber: »Du hilfst immer.«

Nach einem Referat von Wirtschaftsjuristin Viktoria Zunterer vom Dehoga-Bezirksverband Oberbayern über aktuelle Themen nahm der scheidende Kreisvorsitzende die Gedanken des Landrats in seinem eigenen Rückblick auf. Er betonte: »Als Verband müssen wir mit den politischen Verantwortlichen gut und intensiv zusammenarbeiten.« Gleichwohl erneuerte er seine auch in der Vergangenheit bereits vorgetragene Kritik an den Geschehnissen während der Corona-Hochphasen: »Den Behörden hat das Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Betrieben gefehlt. Da ist es um Existenzängste gegangen.« Hofmann räumte ein, dass ihm mitunter die Diplomatie abhanden gekommen ist: »Auch ich habe das Herz auf der Zunge getragen. Aber wir waren oft mit täglichen Änderungen konfrontiert, so kann das nicht sein. Das Gastgewerbe hat sich durch die Proteste eine gewisse Aufmerksamkeit erarbeitet, die Menschen haben mit uns gelitten im Lockdown. Um so schöner ist es, dass sie jetzt wieder bei uns zu Gast sind und mit uns feiern.«

Dennoch hatten Corona und die mit den Lockdowns verbundenen Unsicherheiten noch weitere unschöne Effekte auf die Branche, die nach wie vor deutliche Spuren hinterlassen und für die es zukünftig Lösungen braucht. »Wir haben in der Pandemie viele Arbeitskräfte verloren und werden viele davon auch nicht zurückbekommen«, konstatierte der Kreisvorsitzende. Denn nicht wenige haben in anderen Branchen Jobs gefunden, die vakanten Stellen zu besetzen ist alles andere als leicht: »Wir haben im Landkreis quasi Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote unter 3 Prozent. Da ist es schwierig, Personal zu finden. Und noch schwieriger bei fehlendem Wohnraum. So schön das Leben im Berchtesgadener Land ist, es ist teuer.«

Wie sehr die Wirte und Hoteliers die Situation nach wie vor belastet, hat Hofmann gespürt, als er nach Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Kreisvorstand gesucht hat. Viele Absagen hat er bekommen, weil in den Betrieben die Lage immer noch angespannt ist und da kaum Zeit für ein Ehrenamt bleibt. Dementsprechend fiel das Fazit zum Ende seiner Amtszeit aus: »Die Herausforderungen für unsre Branche sind geblieben; Jüngere als ich werden sich dem nun mit Herzblut widmen. Neue Leute für neue Wege.«

Hofmann freute sich sehr, dass es trotz aller Schwierigkeiten gelungen ist, ein Vorstandsteam zu bilden, das den gesamten Landkreis und die Vielfalt der Betriebe repräsentiert (siehe Kasten). So zieht er sich mit einem guten Gefühl zurück: »Ich bedanke mich für die vielen Jahre und die großartige Unterstützung. Mir hat es immer Spaß gemacht, mit Ausnahme der Pandemiejahre. Bleibt gesund, und wenn ihr mich braucht, bin ich da.«

Thomas Jander