weather-image

Kreditkartenbetrüger zu Haftstrafen verurteilt

2.0
2.0

Traunstein – Bundesweit nahm die auf Kreditkartenbetrug spezialisierte rumänische Gruppe im Herbst 2015 insbesondere Media-Märkte ins Visier. Die mit Hilfe von Datensätzen aus dem Internet codierten Karten setzten die Täter zudem in anderen Geschäften sowie in Tankstellen ein.


Gestern mussten sich die 29 und 38 Jahre alten Angeklagten vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verhängte wegen jeweils zahlreicher Einzeldelikte Freiheitsstrafen von fünf beziehungsweise zwei Jahren zehn Monaten.

Anzeige

Die kriminelle Serie fand ihr vorläufiges Ende, als die zwei Rumänen von Beamten der Bundespolizei festgenommen wurden, als sie, von Österreich kommend, in der Nacht zum 10. November 2015 an der A 8 am Grenzübergang Piding-Nord in die Bundesrepublik einreisen wollten. Der in Krefeld einschlägig vorbestrafte 29-Jährige trug zehn auf seinem Namen lautende, totalgefälschte Mastercard- und Visa-Kreditkarten bei sich. Er hatte sie in Rumänien erworben, um sie in Krefeld von einem Bekannten mit einem speziellen Gerät beschreiben zu lassen – mit aus dem Internet stammenden falschen Daten.

Der 38-Jährige, schon mehrmals straffällig geworden, trug ein ähnliches Kartenfalsifikat bei sich. Auf dem Laptop des jüngeren Rumänen entdeckten Ermittler rund 250 illegal im Internet ausgespähte Datensätze sowie ein Magnetkartenlese- und -schreibprogramm zum Codieren von Karten.

Die Anklageschrift von Staatsanwalt Martin Unterreiner umfasste jeweils zahlreiche vollendete und versuchte Betrugstaten. Eine Parfümerie und ein Juwelier im nordrheinwestfälischen Witten sowie viele Media-Märkte, etwa in Frankfurt am Main, Gießen, Wetzlar, Egelsbach, Wiesbaden, Bochum und Landau, dazu zwei Saturn-Märkte in Hürth und Oberhausen suchte der geständige 29-Jährige mit gefälschten Karten im September/Oktober 2015 heim. Der 38-Jährige soll den jüngeren Landsmann mittels Screenshots von Google-Map-Anfragen zu späteren Tatorten gelost haben. Der ältere Täter stand zu zwei Tatkomplexen. Die verbleibenden Vorwürfe stellte die Kammer auf Antrag des Staatsanwalts ein.

Teure Parfums, Schmuck und jede Menge Elektronikartikel standen auf der »Wunschliste«. Letztlich fielen den Angeklagten Dinge im Wert von über 20 000 Euro in die Hände, Versuche, an Waren und Benzin im Gesamtwert von rund 50 000 Euro auf betrügerische Art und Weise zu gelangen, scheiterten – weil die gefälschten Kreditkarten in den Geschäften nicht akzeptiert worden waren.

Mit von der Partie sollen eine Frau, anderswo in Deutschland aufgefallen mit einer falschen Kreditkarte, deren Daten aus dem in Piding sichergestellten Laptop stammten, und ein Mann aus Krefeld gewesen sein. Einige Personen befinden sich bereits in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen führt die Krefelder Polizei. Zum Motiv ihres kriminellen Handelns gaben die Angeklagten Geldnot an. Sie hätten in Rumänien nicht von ihren beruflichen Einkünften leben können. Über das Internet eigneten sie sich ihre kriminellen Fertigkeiten an, wie der 29-Jährige gestern berichtete.

Wie Kreditkartendatensätze, die Überprüfungen einigermaßen standhalten können, zu bekommen sind, wollte Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel wissen. Ein Beamter des Bayerischen Landeskriminalamts erläuterte, vieles laufe über das sogenannte Darknet, also über im Internet nicht ohne weiteres zugängliche, zumeist für kriminelle Machenschaften genutzte Portale. Sein Kollege aus München informierte, Krefeld sei ein Zentrum für »Skimming«, für das illegale Abschöpfen real existierender Kreditkartendaten.

Die Vorwürfe der Anklage hätten sich rechtlich bestätigt, die Zahl der Fälle habe sich etwas reduziert, betonte Staatsanwalt Martin Unterreiner. Beide Angeklagte hätten »nach längerem Hin und Her Geständnisse abgelegt«. Wer tonangebend gewesen sei, könne nicht sicher festgestellt werden. Der 29-Jährige solle, das Krefelder Urteil einbezogen, für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Für den 38-Jährigen seien drei Jahre Freiheitsstrafe angemessen. Der Verteidiger des Jüngeren, Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden, hielt vier Jahre und neun Monate Haft für vertretbar. Für den 38-Jährigen beantragte Verteidiger Manuel Luedtke aus Bad Reichenhall eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren zehn Monaten. Die Rumänen bedauerten ihre Taten.

In der Urteilsbegründung hob der Richter heraus, der 29-Jährige habe Aufklärungshilfe geleistet: »Sie hätten mehr für sich tun können. Aber Sie haben nicht gewollt«. Bei dem 38-Jährigen würdigte er das Geständnis in letzter Minute. Sonst wäre die Strafe wesentlich höher ausgefallen. kd