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Kraftvolle Textilkunst und atmosphärische Aquarelle

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Scarlett Gnad und Gertrud Zillner mit ihren Werken. (Foto: Mergenthal)

Der Zauber des Augenblicks mit seinem fast magischen Lichteinfall umfängt die Betrachterin im Angesicht des in dezenter Farbigkeit gestalteten Aquarells »Kleine Brücke im Park«. In allen Regenbogen hingegen leuchtet das genähte Gitterbild mit dem Titel »Vernetzt«, das ein Sinnbild für unsere chamäleonartig schillernde, immer näher zusammenrückende Welt und die trotz aller Technisierung und Digitalisierung faszinierende Lebendigkeit und Beziehungsfähigkeit ihrer Menschen sein könnte. Scarlett Gnad (Textilkunst) aus Traunstein und Gertrud Zillner (Aquarelle) aus Lauter zeigen ihre Werke bis Ende Oktober im Foyer der Kulturfabrik NUTS in Traunstein.


»Finsel und Paden«, ein Wortspiel mit bewusst vertauschten Anfangsbuchstaben, ist der Titel der ungewöhnlichen Ausstellung. Wie Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl in seiner Laudatio von seinem Besuch mit Gnad bei der Aquarell-Malerin erzählte, wirke »allein der Ausblick auf die Schönheiten der Natur, etwas auf die Hügel Surbergs, in die Berge dahinter oder einfach in den eigenen Sonnengarten« inspirierend und zum Malen herausfordernd, ebenso wie das nahe gelegene Moor, das Bienenhaus und die Nähe der malerischen Stadt Traunstein.

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Vor etwa sieben Jahren begann Gertrud Zillner, die ursprünglich aus dem Altmühltal stammt, bei Brigitte Rieder in Traunstein mit der Aquarellmalerei und bildete sich auch bei anderen Malern fort. »Das Experimentieren mit den Farben und den verschiedenen Techniken erfüllt mich, lenkt mich ab und macht mir stets aufs Neue bewusst, dass wir in einer wunderschönen Welt leben«, verrät sie in ihrer Kurzbiografie. Sie hat einen Blick für die kleinen, unspektakulären Dinge, die das Auge verzaubern, wie geheimnisvolle Schatten beim Bild »Nachts im Hinterhof«, und für das Setzen der Lichter, etwa beim Aquarell »Winter auf dem Land«. Alltagsszenen wie eine bei Regenwetter ihr Rad durch einen Park schiebende Frau mit einem rotem Schirm hält sie ebenso fest wie das Bienenhaus und den roten Traktor ihres Mannes.

Der Herbst mit seinen leuchtenden Orange-Tönen, zahlreiche Brücken, ein besonders geschätztes Motiv der Malerin, und der Chiemsee in vielen Facetten sind in ihrer Malerei zu entdecken.

Als einen »gelungenen Kontrapunkt zur Sanftheit der Aquarellmalerei« bezeichnete Stahl die frischen, lebendigen, kraftvollen Werke von Scarlett Gnad. Im Vorjahr hatte sie hier in einer Ausstellung mit Enno Messerschmitt vor allem Aquarelle aus der Wunderwelt der Insekten gezeigt. Diesmal präsentierte sie eine andere Seite ihrer Kunst, genähte Textilbilder. »Prächtige Farben, die miteinander in Kreisen, Punkten und Flächen verschlungen farbige Muster bilden, auch ornamenthaft wirken«, zeigte sich der Laudator beeindruckt. »Mein Bestreben ist, auf einer durchschnittlichen Nähmaschine ohne Programmiertechnik Bilder herzustellen, die weit weg sind von zum Beispiel Patchwork im herkömmlichen Sinne. Meine Ideen und deren Umsetzungen im Detail orientieren sich nicht an Vorgaben, etwa aus schlauen Büchern oder Anleitungen, sondern sind gefühlsmäßig entstanden«, erklärt die Traunsteinerin.

Gerne setzt sie ihre kraftvollen Farben auf schwarzen Hintergrund – so auch bei den aufeinander bezogenen Bildern »Moonlight« und »Moonshaddow«. Zum abstrakten Themenbild »Integration« haben sie die Flüchtlinge inspiriert. Die mit Stoff überzogenen, farblich abgestuft nebeneinander auf schwarzen Stoff drappierten Flaschenverschlüsse könnten auch eine Menge von Frauen mit Kopftüchern aus der Vogelperspektive darstellen. Auf einer künstlerisch gestalteten Tasche hat Gnad eine Unterwasserwelt im Meer inszeniert, die oben noch vom Sonnenlicht beleuchtet und nach unten immer farbdichter und dunkler wird.

Auch bei ihren filigranen, gestickten Perlenbildern ließ sie sich vom Meer anregen. Sie tragen Titel wie »La mer«, »Meeresgetier« oder »Seeanemone«. Zuweilen spielt sie mit der Wahrnehmung des Betrachters. Ein Lamellenbild zeigt von links und von rechts verschiedene Motive: eine Lilie und eine Orchidee. Mystische Gärten sowie »Glaube, Hoffnung und Liebe« sind weitere Themen.

Zu bewundern sind die sehenswerten Objekte von Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und an Veranstaltungstagen ab 18 Uhr. Veronika Mergenthal