Kontroverse um Wasserkraftwerk Schneizlreuth geht weiter

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Abwässer aus der Kläranlage Unken sollen nach den aktuellen Plänen direkt in den Triebwasserstollen eingeleitet werden. (Foto: Werner Bauregger)

Schneizlreuth – Es ist relativ still geworden um das Genehmigungsverfahren zum Bau einer Wasser-kraftwerksanlage zwischen der Pinzgauer Gemeinde Unken und der Gemeinde Schneizlreuth. Dies heißt aber nicht, dass dieses Projekt bereits ad acta gelegt wurde. Davon konnten sich der Schneizlreuther Bürgermeister Wolfgang Simon und der Tunnelbaufachmann und Gemeinderat Wolfram Kagerer vor kurzen im Landratsamt Berchtesgadener Land durch Akteneinsicht beim zuständigen Sachbearbeiter für Wasserrecht, Martin Kroiß, überzeugen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung informierten beide nun die Bürgervertretung über den aktuellen Verfahrensstand.


Wie Bürgermeister Simon informierte, wurde der Gemeinde vor kurzen bestätigt, dass der Trinkwasserbrunnen am Haiderhof extrem reines Wasser liefert, welches zudem frei von jeglichen Rückständen ist. »Befremdlich« findet das Gemeindeoberhaupt in dieser Sache, dass der von der Gemeinde mit der turnusmäßig vorgeschriebenen Untersuchung des Trinkwasserbrunnens beauftragte Ingenieur Wolfgang Gadermayr für die Betreiber des Kraftwerksprojekts erneut ein Gutachten ausgestellt hat.

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Das kam zu dem Ergebnis, dass der Bau des Triebwasserstollens zwischen Unken und Jettenberg den Trinkwasserbrunnen am Haiderhof nicht gefährden würde, obwohl die erwähnte Untersuchung für die Gemeinde noch gar nicht abgeschlossen ist.

Über den Stand des Genehmigungsverfahrens informierte im Anschluss Wolfram Kagerer. Demnach bearbeitet das Wasserwirtschaftsamt Traunstein die eingereichten Unterlagen für die Genehmigung des Vorhabens federführend im Auftrag des Landratsamtes Berchtesgadener Land. Da zu den abgegebenen Gutachten und anderweitigen Unterlagen noch viele Konkretisierungen und Änderungen von den Projektbetreibern nachgefordert wurden, hat das Wasserwirtschaftsamt bisher noch keine eigene und abschließende Stellungnahme zum Projekt abgegeben. Alle involvierten Fachbehörden innerhalb des Landratsamtes lehnen das Vorhaben aber offenbar einhellig ab. Zum Thema Grundwassersicherung und zum Tiefbrunnen haben die Betreiber in der technischen Beschreibung zum Projekt Tunnelabdichtungen lediglich streckenweise, je nach vorhandener geologischer Situation zugesichert. Allerdings stellte Kagerer fest, dass die Geologie in dem betreffenden Gebiet seines Erachtens in den Unterlagen zum Antrag auf Genehmigung mangelhaft dargestellt sei und »sicher der größte Bereich des Stollens abgedichtet werden müsste« – was Bauzeit und Kosten eklatant erhöhen würde. Die größte Problematik entsteht aus Sicht des Tunnelbaufachmanns durch die Verformungen des Triebwasserstollens, die sich, je nach Füllstand, zwangsläufig ergeben. Eine gesicherte Abdichtung sei demnach extrem schwierig herzustellen.

Als inakzeptabel bewertet Kagerer, wie auch bereits der Bürgermeister, das Vorgehen von Wolfgang Gadermayr. Dieser gründet sein nun erneut abgegebenes Gutachten allein auf die Prognose des Planungsbüros der Betreiber und stiehlt sich, nach Ansicht Kagerers, »so ein Stück weit aus der Eigenverantwortung für die Richtigkeit der geologischen und hydrologischen Prog-nose«. Die Ergebnisse einer Isotopenuntersuchung des Trinkwasserbrunnens zeigten nämlich, dass die extrem hohe Reinheit den seriösen Schluss zulassen, dass das Trinkwasser nicht, wie Gadermayr annimmt, fast ausschließlich aus einem Infiltrat aus der Saalach stammt, sondern der überwiegende Teil aus Bergwasservorkommen zuläuft. Deshalb bleibe das Thema einer Gefährdung des Trinkwasserbrunnens durch den Bau des Stollens weiter ein elementar wichtiger und kritischer Punkt im Verfahren.

Ein weiterer, sehr heikler Aspekt ergibt sich durch die avisierte Einleitung von Abwässern aus der Kläranlage Unken direkt in den Triebwasserstollen. Nach wie vor lehnt dies der Reinhalteverband Pinzgauer Saalachtal zwar ab. Sollte dieser aber doch noch einwilligen, müsste nach Meinung Kagerers auf deutscher Seite ein komplett neues Wasserrechtsverfahren durchgeführt werden.

Einen weiteren kritischen Punkt sieht der Gemeinderat in der Ablagerung von Schotter vor der Rückstauzone beim Ausleitungsbauwerk in Unken. Hochwässer allein könnten diese abgelagerten Mengen sicher nicht ausreichend abtransportieren. Dies beweise sich auch am Saalachsee. Auch dort könne ein Gleichgewicht bei den Schotterablagerungen nur durch aufwendige Schottertransporte aus dem Stauraum über die Staumauer hinweg einigermaßen gewährleistet werden, wie man es zurzeit wieder sehen könne.

Werner Bauregger


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