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Kongresshaus-Umbau ab Jahresmitte 2014

Berchtesgaden – Nach zahlreichen Nachprüfungen und Gutachten gab die Regierung von Oberbayern nun grünes Licht. Die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee bekommt für den Umbau des Kongresshauses 2,7 Millionen Euro Förderung aus Mitteln des Freistaats Bayern. Damit will die TRBK ab Jahresmitte das insgesamt rund 6,4 Millionen Euro teure Projekt in Angriff nehmen. Weil die Umbauarbeiten in mehreren Modulen erfolgen, soll der Kongresshausbetrieb parallel weiterlaufen, wie Architektin Eva Wimmer gestern Dienstag auf einer Verbandssitzung erläuterte. Nicht einverstanden mit Planung und Finanzierung waren Hans Kortenacker und Dr. Bartl Wimmer, alle anderen Verbandsräte stimmten zu.

Der Förderbescheid ist da und zur Jahresmitte soll es losgehen. Der Kongresshausbetrieb soll während der Umbauarbeiten weiterlaufen. Foto: Anzeiger/Kastner

Eigentlich hatte man schon im letzten Jahr mit den Umbauarbeiten beginnen wollen. Doch die Regierung hatte die Förderung mit erheblichen Auflagen verbunden. So wurde gemeinsam mit der Regierung das Konzept noch einmal überarbeitet und es gab Veränderungen in verschiedenen Details. Die betrafen im wesentlichen die Küche für externe Caterer und die Lüftungsanlage. Insgesamt verteuerte die Umplanung das Projekt noch einmal um rund 300 000 Euro auf nun 6,4 Millionen Euro. 2,7 Millionen davon übernimmt der Freistaat Bayern, die restlichen 3,7 Millionen Euro bleiben bei der TRBK. Die muss für die Finanzierung des Vorhabens einen Kredit in Höhe von 2,4 Millionen Euro aufnehmen. Damit wird sich auch der Schuldenstand des Verbands nach 14 Jahren des Abbaus erstmals wieder erhöhen: von derzeit 3,5 Millionen Euro auf über 5,2 Millionen Euro im Jahr 2014.

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Mitte 2014 soll laut Architektin Eva Wimmer der Startschuss für das Projekt im derzeitigen Café- und Restaurantbereich fallen. Im rückwärtigen Kongresshausteil werden ein kleiner Konferenzbereich sowie ein Kleiner Saal in der Größe des jetzigen realisiert werden. Dazwischen soll es eine Cateringküche geben, die zuletzt von einer Küchenplanerin noch optimiert worden war. »Wir werden im Foyer eine Staubwand einziehen, sodass der restliche Kongresshausbetrieb parallel weiterlaufen kann«, verriet die Architektin den Verbandsräten.

Unter anderem für den Küchenbetrieb soll es einen großen Lastenaufzug geben, außerdem wird im Foyer ein neuer Personenaufzug eingebaut, mit dem man bis in die Tiefgarage fahren kann. Die Baustelle in diesem Teilbereich wird über den Kurgarten beschickt, wo auch der Kran stehen wird.

Anschließend gibt es einige Verbesserungsmaßnahmen im Großen Saal, wo unter anderem der Boden renoviert und die Ausstattung teilweise erneuert wird. »Wir müssen uns überlegen, wann wir das am besten machen«, so die Architektin. Jedenfalls will man Ende 2014 im hinteren Bereich fertig sein.

Wenn ab 2015 das Eingangsgebäude in Angriff genommen wird, soll der Kongresshauszugang für Besucher über den Kurgarten in den hinteren Teil erfolgen. Vorne will man die Touristinfo nach den Wünschen des Marktes Berchtesgaden umbauen, hier soll es auch eine öffentliche Toilette geben, die laut Tourismusdirektor Michael Grießer von der Marktgemeinde Berchtesgaden unterhalten wird. Die TRBK will sich aber mit monatlich 500 Euro an der Reinigung beteiligen.

Nach Einbringung einer Zwischendecke wird im Obergeschoß Platz für die Berchtesgadener Land Tourismusgesellschaft (BGLT) geschaffen, die von Postgebäude am Bahnhof ins Kongresshaus ziehen wird. Im vorderen Bereich will man Räume für eine Gastronomie/Bistro extern verpachten. Außerdem soll es hier einen Durchgang in Richtung Kurgarten und zur neu zu schaffenden Passage geben, über die der hintere Kongresshausteil erreicht werden kann.

Aufgrund dieser Umgehungsmöglichkeit kann der derzeitige Verbindungsbau künftig anderweitig, beispielsweise für Vernissagen und Ausstellungen, genutzt werden. Dieser Bereich soll ebenfalls noch 2015, genauso wie die Außenfassaden, renoviert werden. Eva Wimmer verspricht, dass sich gerade auch an der Außenansicht etwas ändern wird. »Wir wollen etwas mehr Filigranität hineinbringen und dem Gebäude die Schwere nehmen«.

Nicht entschieden ist noch über einen Umzug der Kurdirektion ins Kongresshaus. Möglich wäre, dass die Kurdirektion in den bisherigen Konferenzräumen im Untergeschoß untergebracht wird. »Von den Umbauarbeiten wäre der Kongresshausbetrieb nicht beeinträchtigt«, sagte Eva Wimmer. Die ist noch mit der Erstellung eines Kostenvergleichs zwischen Umzug und Renovierung der Kurdirektion befasst. »Der Umzug könnte zu jedem späteren Zeitpunkt realisiert werden«, sagte Verbandsvorsitzender Stefan Kurz.

Nach Schätzungen geht man derzeit davon aus, dass einerseits bei Personal und Energie künftig deutlich eingespart wird (siehe Artikel über Betriebskonzept). Andererseits fallen durch den Neukredit künftig Zinsen und Abschreibungen in Höhe von 255 000 Euro an. Am Ende steht dann fast dasselbe negative Betriebsergebnis wie bisher: minus 755 000 Euro statt minus 758 000 Euro. »Aber wir haben für die nächsten 20 oder 30 Jahre ein attraktiveres und hoffentlich besser angenommenes Haus als jetzt«, so Stefan Kurz.

Damit konnten sich Hans Kortenacker und Dr. Bartl Wimmer, die die Kongresshauspläne ablehnten, nicht anfreunden. »Da stimmt die Reihenfolge nicht, wir hätten schon längst einen Businessplan gebraucht«, sagte Kortenacker. »Da gibt man einen Haufen Geld aus, um einen Teilbetrieb zu erhalten, der dann genauso viel Verlust macht wie vorher«. Dass das Kongresshaus neu konzipiert werden müsse, steht für Kortenacker fest – »aber nicht so«.

Genauso sah es Dr. Bartl Wimmer, der das bleibende Defizit ebenfalls kritisierte. Wimmer verstand nicht, warum man die einjährige Verzögerung nicht genutzt hat, um über die Zukunft der Kurdirektion zu entscheiden. Man hätte seiner Meinung nach auch intensiver über Konsequenzen aus dem Organisationsgutachten diskutieren und die weitere Belastung durch die Watzmann Therme klären müssen. Und vor allem gehe durch das Projekt nun die Verschuldungskurve der TRBK wieder nach oben.

Auf die Verabschiedung des Wirtschaftsplans 2014, der im Wesentlichen vom Kongresshausumbau geprägt ist, kommen wir noch zurück. Ulli Kastner