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2 500 Fahrzeuge können am Königssee-Parkplatz stehen bleiben. Wer auf Strom setzt, hat Pech: Die drei Ladesäulen stammen aus dem Jahr 2010 und sind mittlerweile veraltet. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Königssee: Mangelware E-Tankstelle

Schönau am Königssee – Die Zahl ist etwas kläglich: Lediglich drei E-Ladestationen zählt der Großraumparkplatz am Königssee – bei 2 500 Stellplätzen. Viel zu wenig, findet auch Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp. Noch heuer will die Gemeinde mehr Stromtankstellen schaffen.


Als das Rathaus von Schönau am Königssee im Jahr 2018 umgebaut wurde, entschieden sich die Verantwortlichen, zwei Ladestationen vor dem Eingang zu errichten. »Anfangs war da nicht viel los. Ein Auto in der Woche, das war normal«, erinnert sich Rasp. Die Zeiten haben sich gewandelt. In den Folgejahren sind immer mehr gekommen, die auf Energie aus der Steckdose angewiesen sind. Heute seien die beiden Ladeplätze eigentlich »so gut wie immer besetzt«, sagt der Bürgermeister.

Der Bedarf ist groß. Am Bahnhof in Berchtesgaden wurde soeben eine öffentlich zugängliche, aber privat geplante E-Tankstelle eröffnet, nun will Schönau am Königssee nachziehen. »Wir müssen einen Schritt voraus sein«, sagt Rasp zuversichtlich. Sieben öffentlich zugängliche Ladestationen gibt es aktuell in der Gemeinde. Zwei am Rathaus, zwei weitere an der Jennerbahn-Talstation und drei am Königssee-Parkplatz. Letztere stammen aus dem Jahr 2010. Die Gemeinde war damals eine der ersten überhaupt, die Ladestellen geschaffen haben. Dank Fördergeldern stieg man in den Zukunftsmarkt »Elektroauto« ein. Mittlerweile kann man die E-Ladestationen aber kaum mehr sinnvoll nutzen. »Die Stationen sind extrem langsam«, bestätigt Hannes Rasp. Geladen wird noch mit Schuko-Steckern.

»Oft sind auch alle Plätze belegt«, weiß ein Unternehmer aus der nahe gelegenen Seestraße. Tankwillige müssen in so einem Fall woanders ihr Glück versuchen. Beschwerden wegen mangelnder E-Ladestationen gebe es bislang keine, sagt der Bürgermeister.

Noch diesen Herbst sollen auf ausgewiesenen Flächen zunächst zehn weitere Ladepunkte gebaut werden, sagt Rasp, darunter »ein oder zwei Schnelllader«. Dass das bei 2 500 Parkplätzen bei Weitem nicht reicht, weiß der Gemeindechef . »Es ist aber ein Anfang.«

Kommendes Jahr will die Gemeinde auf dem Großraumparkplatz eine Carport-Anlage errichten. Dazu wird eine Bebauungsplanänderung angestrebt. Auf den Carports sollen Photovoltaikanlagen installiert werden. Hinzu kommt »eine große Zahl an E-Ladepunkten«, sagt Rasp. Geplant und verwirklicht werden sollen die Elektro-Ladepunkte von der neu gegründeten »Watzmann Natur Energie«, bei der Rasp Vorsitzender ist. Zwischen 20 und 30 E-Zapfsäulen könnten es werden. Er erwartet die Umsetzung für kommendes Jahr, spätestens im ersten Halbjahr 2024.

Die »Watzmann Natur Energie«, bei der es von Anfang an geheißen hatte, man wolle neben der Betreuung von Stromkunden auch in das Geschäft mit E-Ladestationen einsteigen, plant für dieses Jahr noch den Bau von 40 Ladesäulen. Jene zehn am Königssee, deren Förderung bereits genehmigt wurde, weitere zehn an der Watzmann Therme in Berchtesgaden. Zwei weitere häufig frequentierte Orte sollen je zehn Säulen erhalten: »Wir befinden uns gerade in der Verhandlung«, sagt Bürgermeister Rasp. Die Gespräche seien kurz vor dem Abschluss.

Er sieht nicht nur die Gemeinden in Zugzwang. Natürlich sei es wichtig, an Ausflugszielen das Auto aufladen zu können, aber auch die Gastgeber müssten ein Angebot vorhalten, ist sich der 56-Jährige sicher. Ein erstes Hotel plant den E-Säulen-Ausbau: »Wir werden uns diese Woche zusammensetzen.«

Wie investitionsfreudig die Schönauer Gastgeber am Ende sein werden, das kann er nur erahnen. Rasp ist aber überzeugt davon, dass das Vorhalten von E-Ladesäulen langfristig zum entscheidenden Buchungskriterium für Urlaubsgäste wird.

kp