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Die Kliniken in der Region gehen davon aus, dass sie bald Kriegsopfer aus der Ukraine behandeln müssen. Erwartet werden Verwundete, aber auch Menschen, die traumatisiert sind und psychologische Hilfe benötigen. Unser Bild zeigt Verletzte im Flur eines Krankenhauses in Mariupol. (Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa)

Kliniken AG bereitet sich auf Behandlung von Verletzten und Traumatisierten aus der Ukraine vor

Traunstein/Berchtesgadener Land – Die Kliniken in der Region sehen eine weitere Herausforderung auf sich zukommen: Neben wieder steigender Patientenzahlen aufgrund von Corona geht die Kliniken Südostbayern AG davon aus, dass demnächst auch Kriegsverletzte aus der Ukraine behandelt werden müssen. »Der Krieg in der Ukraine bringt viel Leid über die dortige Bevölkerung und sorgt für einen stetig ansteigenden Strom von Flüchtlingen in die Nachbarländer und auch nach Deutschland«, sagt Sabine Segerer-Utz von der Unternehmenskommunikation der Kliniken AG im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Daher erwarte man in Deutschland viele Kriegsverletzte – »Zivilisten wie auch Soldaten«.


Erwartet würden Verwundete, die behandelt werden müssten, aber auch Menschen, die traumatisiert seien und psychologische Hilfe benötigten. »Die Entwicklungen in der Ukraine sind erschütternd und machen uns sehr betroffen. Gemeinsam mit den Landkreisen bereiten wir uns auf die zu erwartende Flüchtlingswelle vor«, sagt Sabine Segerer-Utz. Und sie betont: »Als Kliniken stehen wir für die medizinische Versorgung von allen Personen, die unsere medizinische Hilfe benötigen, bereit.« Zudem unterstütze die Kliniken AG den Landkreis bestmöglich bei der Unterbringung der Menschen aus den Krisengebieten der Ukraine, »indem Räume aus unseren Liegenschaften zur Verfügung gestellt werden«.

Unterstützung für die Menschen in der Ukraine komme aber auch von den Mitarbeitern der Kliniken AG selbst. Da gebe es die verschiedensten Hilfsaktionen, wie Sabine Segerer-Utz sagt. Des Weiteren habe man aufgrund der sich verschärfenden Lage in der Ukraine und dem Anstieg an Flüchtlingszahlen auch klinikintern Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich bei den jeweiligen Direktionen der Standorte zu melden, wenn entsprechende Sprachkenntnisse vorhanden sind. »Es haben sich schon einige Kollegen bereit erklärt, hier vermittelnd zur Verständigung beizutragen.«

Auf die Frage, ob die Kliniken AG Erfahrung mit Kriegsverletzten hat, sagt Sabine Segerer-Utz: »Das Klinikum Traunstein rangiert seit Jahren unten den zehn größten Versorgern von Schwerstverletzten in Deutschland. Die Behandlung von akut Schwerstverletzten gleicht der Akutbehandlung von Verwundungen im Kriegsgebiet, ist durch blutstillende Chirurgie und Behandlung des Kreislaufschocks gekennzeichnet. Anders als im Kriegsgebiet, in dem die Ärzte mit einem Massenanfall von Verletzten konfrontiert werden und der aufwändige Erhalt von Gliedmaßen einzelner Patienten dem Lebenserhalt möglichst aller Verwundeten untergeordnet werden muss, kann bei uns natürlich ein maximales Therapieziel für jeden individuellen Patienten angestrebt werden.«

»Weiterversorgung von Verwundeten«

Denn die Weiterversorgung von Verwundeten nach Abtransport aus dem Kriegsgebiet unterscheide sich grundlegend von der Akutversorgung und sei oft von der septischen Chirurgie geprägt, also der langwierigen chirurgischen Behandlung der meist infizierten Geschoß-, Splitter und Brandverletzungen.

»Einige Mitarbeiter haben noch Erfahrung aus der Versorgung von Kriegsverletzten der Post-Jugoslawienkriege während der ersten Hälfte der 1990er Jahre, andere mussten an früheren Wirkungsstätten Opfer von Terroranschlägen behandeln«, sagt Segerer-Utz. Da das Klinikum Traunstein überregionales Traumazentrum sei, »wurden zudem mehrere Ärzte der Traunsteiner Unfallchirurgie in TDSC-Kursen (Terror and Desaster Surgical Care) trainiert«.

In Bezug auf die derzeitige Lage in den Krankenhäusern verweist Segerer-Utz auf ein Zitat des Gesundheitsministers. Diese sei tatsächlich objektiv viel schlechter als die Stimmung in der Bevölkerung. »Die Pandemie ist nach wir vor in vollem Gange und das Infektionsgeschehen hochdynamisch«, betont Segerer-Utz. »Die schiere Zahl an Neuinfektionen bedingt eine erneut rasch steigende Hospitalisierung von Coronapatienten.«

»Die Lage ist erneut sehr angespannt«

Zudem verzeichne man auch ein hohes Notfallaufkommen über alle Abteilungen und Kliniken in den beiden Landkreisen Traunstein und dem Berchtesgadener Land hinweg – bei ebenso hohen krankheitsbedingten Personalausfällen. »Die Lage in unseren Kliniken ist erneut als sehr angespannt zu bezeichnen«, führt Sabine Segerer-Utz aus. »Jegliche planbaren Eingriffe müssen im Verbund und in vielen Teilen des Landes wieder verschoben werden, weil die komplette Krankenhausversorgung auf die Notfall- und Covid-Versorgung gebündelt werden muss.«

Erschwerend komme hinzu, dass es vor allem im Pflegebereich »erhebliche Personalausfälle« gebe. »Pflegekräfte und Ärzte können nicht im Homeoffice arbeiten. Sie müssen sehr nah an ihren Patienten und oft auch an ihren Kolleginnen und Kollegen arbeiten«, sagt Segerer-Utz. Und mit Omikron würden sich leider auch viele Geimpfte infizieren, »gottlob in den allermeisten Fällen ohne schwer zu erkranken und meist mit nur leichten Symptomen«. Durch die Rücknahme der Corona-Kontaktbeschränkungen sei zu befürchten, dass diese Tendenz anhalte. »Eine Entspannung ist nicht in Sicht, die Fallzahlen steigen täglich und die Kliniken arbeiten am Limit.«

KR