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Klick-Hit erreicht 500 000 Menschen

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Fotograf Florian Ziegler hat mit einem Posting auf Facebook Hunderttausende erreicht. So einen beliebten Internet-Beitrag nennt man »viralen Hit«. (Foto: Pfeiffer)
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Im Dirndl vor schöner Bergkulisse: Wenn Florian Ziegler fotografiert, muss beides passen. (Foto: Ziegler)

Berchtesgaden – Mit einem einzigen Posting auf Facebook gelang Fotograf Florian Ziegler ein sogenannter »viraler Hit« im Internet. Tausende Likes auf Facebook waren es am Ende, der Beitrag erreichte insgesamt mehr als eine halbe Million Nutzer. Wie hat er das gemacht?


Florian Ziegler wohnt in Berchtesgaden, er arbeitet für das Bayerische Rote Kreuz an der Rettungswache in Freilassing. Gemeinsam mit Markus Leitner macht er zudem die Rot-Kreuz-Pressearbeit im Landkreis. Ein Ehrenamt, das viel Zeit verschlingt. »Aber es macht mir Spaß«, betont Ziegler. Schon früher, im Jugend-Rot-Kreuz, hat er gerne fotografiert, kleinere Texte zusammengestellt. Die Leidenschaft wuchs, das Fotografieren gehörte von nun an zum Alltag – in den vergangenen Jahren war Florian Ziegler viel mit der Kamera unterwegs. Oft natürlich beruflich. Schließlich legte er sich eigenes Kamera-Equipment zu, »damit ich auch im Privaten auf Motivsuche gehen kann«, sagt er. Herumprobieren, schauen, was möglich ist. Er las sich in die Materie ein, lernte anhand unzähliger Videos, die es mittlerweile im Internet zu finden gibt. Ob Bildbearbeitung oder der Umgang mit der Kamera: Profi-Fotografen geben im Internet zuhauf ihr Wissen preis. Es ist dies die moderne Form der Fotografen-Ausbildung.

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Irgendwann kam dann der erste Kumpel, der anfragte, ob Florian nicht mal auf einer Hochzeit fotografieren wolle. »Ja, wieso eigentlich nicht«, sagte dieser. Geburtstage, Hochzeiten, Privatfeiern folgten. »Man fotografiert zwar, aber dafür zahlen wollen die wenigsten«, weiß der 29-Jährige. Vor rund zwei Jahren war der Punkt erreicht, an dem er professionell loslegen, sich verwirklichen, »einfach ein zweites Standbein« aufbauen wollte. Als Ausgleich zum Dienst beim Bayerischen Roten Kreuz. 2015 gründete er die »Media Alm«.

Wenn man Florian Ziegler kennt, weiß man: Er ist fest verwurzelt in der Gegend. Er spielt bei der Marktmusik Berchtesgaden und er liebt die Tracht und die Tradition. »Ich finde es gut, dass bei uns die Leute noch immer am Sonntag mit der Tracht in die Kirche gehen«, sagt er.

Als er mit dem Fotografieren begann, war für Florian Ziegler schnell klar: »Ich muss mich abheben.« Denn Fotografen gibt es wie Sand am Meer. In Zeiten von sozialen Netzwerken wie Instagram, in denen das Hauptaugenmerk auf der Bilddarstellung, auf schönen Motiven liegt, schossen »Fotografen« sowieso wie Pilze aus dem Boden. Heute gibt es kaum noch den klassischen Fotografen. Für jeden Anlass gibt es mittlerweile Experten.

Es gibt die New-Born-Fotografie, das Knipsen von Babys kurz nach der Geburt, natürlich die Hochzeitsfotografie, ein recht beliebtes Feld, zudem das Porträt, darüber hinaus die Reisefotografie. Ein ganz eigener Bereich ist wiederum der Sport, ebenso die Produktfotografie. Um sich abzuheben, gilt es, sich zu spezialisieren. Und da kam Florian Ziegler die Tracht in den Sinn. Vor allem in Verbindung mit der »schönen Berchtesgadener Gegend«. In Dirndl oder Lederhose etwa. Oder einer Abwandlung.

Im Freundeskreis stieß er damit auf gute Resonanz. Über das Internet kam er zudem mit Kundinnen zusammen, die in der Modelbranche arbeiteten. Es folgten ein paar Shootings. »Mundpropaganda ist natürlich wichtig«, sagt er. Und die sozialen Netzwerke.

Mit Facebook arbeitete Florian Ziegler von Anfang an. Dort präsentiert er die »Media Alm« mit Auszügen seiner Shootings, kann direkt mit potenziellen Kunden in Kontakt treten und mit seinen Fotografien Überzeugungsarbeit leisten. Mittlerweile ist es nichts Besonderes, sein Unternehmen auf Facebook zu präsentieren. Es läuft halt so mit. Einen »viralen Hit« – einen Beitrag, der sich im Internet rasend schnell verbreitet – zu generieren, dazu gehört schon eine Menge mehr. Zunächst eine gute Idee, die notwendige Umsetzung – und eine Portion Glück obendrein. Als Florian Ziegler an einem Samstagabend, es hatte gerade geschneit, seinen Beitrag für Facebook postete, erhoffte er sich nicht viel. Natürlich etwas Aufmerksamkeit, immerhin war er im Begriff, ein sogenanntes »Freundinnen-Shooting«, zu verlosen. Zwei Freundinnen, die einen Tag lang mit ihm als Fotograf verbringen und dabei in zahlreichen Situationen »geshootet« werden.

»Eine Stunde, nachdem der Beitrag online gegangen war, ging es los«, erinnert sich Florian Ziegler. Die Like-Zahlen, die Kennzeichnung dessen, dass einem der Beitrag gefällt, schossen in die Höhe. Tausendfach wurde das Posting geliket, tausendfach geteilt. »Zuerst beteiligten sich die Leute aus der Region, später schwappte es in den österreichischen Raum rüber«, sagt Florian Ziegler, der das Nutzeraufkommen in den Facebook-Statistiken verfolgen kann. Nach 48 Stunden hatte der Beitrag über 500 000 Menschen erreicht und war zum »viralen Hit« geworden. »Das war einfach unglaublich«, sagt er. Mit einem Mal war er als hiesiger Fotograf derjenige mit den meisten »Gefällt mir«-Angaben überhaupt.

»Es haben sich viele Anfragen ergeben«, sagt Florian Ziegler, der aktuell sein Studio einrichtet und an der Vollendung seines neuen Internet-Auftritts schraubt. Ob ihm noch mal ein »viraler Hit« gelingen wird? Er lacht. »Schau ma mal.« Kilian Pfeiffer

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