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Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob weihte am Dienstag die Kriegenbergkapelle in Marktschellenberg, rund 100 Gläubige waren dazu gekommen. (Foto: Franz Heger)

Kleine Kapelle mit bewegter Geschichte: Neue »Heimat« für die Kreuzigungsgruppe am »Kriegenberg«

Marktschellenberg – Die restaurierte Kreuzigungsgruppe am Fuße des Untersberges in Marktschellenberg könnte eine Menge über ihren eigenen Weg erzählen, der sich wohl seit 1817 in der Geschichte der Figurengruppe zeigt. 


Der erste Standort der Kapelle ergibt sich aus dem »Urkatasterblatt« von 1817 (Marktschellenberg, Gnotschaft Schaden). Dort ist die Kapelle als »Wegekreuz mit Umbau« im Bereich »Kriegenberg« eingetragen. Es ist davon auszugehen, dass die Kapelle bei einem Neubau der Straße vom Paßthurm in Richtung Markt im Jahre 1844 verlegt wurde und dabei wahrscheinlich zwei neue Assistenzfiguren (Schächer) erhielt. Die Gruppe, bestehend aus der spätgotischen Christusfigur aus Holz, farbig gefasst (wohl aus dem 16. Jahrhundert) und den beiden Schächerfiguren aus Holz, ebenfalls farbig gefasst (wohl aus dem 19. Jahrhundert) ist im Kartenauszug von 1853 beim Areal 14 eingezeichnet.

Vom Dachboden in den Mittelpunkt der Kirche

Durch den Bau der Lokalbahn Berchtesgaden – Salzburg (in Betriebnahme 1907) musste die Kapelle den Baumaßnahmen weichen. Die Figuren wurden auf dem Dachboden der Pfarrkirche eingelagert und ruhten dort, bis der damalige Pfarrer Benno Utzmeier sie aus ihrem Schlaf erweckte und anstelle des neugotischen Altars in den Mittelpunkt im Presbyterium rückte. Dieser massive Schritt erhielt wohl die Zustimmung nur einer kleinen Anzahl der Pfarrangehörigen. Widerstand scheiterte aber am unerschütterlichen Durchsetzungsvermögen des Pfarrers, der seine Umgestaltung mit den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils begründete.

Durch seinen Nachfolger, Pater Georg Galinski, dem die Ausstattung der Kirche zu karg erschien, wurde die Kreuzigungsgruppe abgenommen und zunächst durch eine beleuchtete, bleiverglaste Bildwand ersetzt, die später am neuen Platz der Kreuzigungsgruppe an der Bundesstraße als Hintergrund Verwendung fand. Mit viel Energie und Einsatz sowie guten Verbindungen in seine Heimat Polen schaffte es der neue Pfarrer, die Einrichtung der Kirche umzugestalten und durch die Öffnung der ursprünglichen drei großen Fenster an der Rückseite und den Einbau sechs neuer Fenster zu einem Preis zu ermöglichen, den die Pfarrgemeinde mit vielen Spenden und eigenen Mitteln zu stemmen in der Lage war.

So wurde die Kirche wieder hell, freundlich und einladend gestaltet. Neben der Reparatur der Heizanlage und verschiedenen weiteren Maßnahmen konnte dann am Anfang Juli 2006 die Einweihung nach der Umgestaltung mit allen Vereinen, Pfarrangehörigen, Gästen und Freuden gefeiert werden.

Die Kreuzigungsgruppe aber wurde durch das Entgegenkommen des Straßenbauamtes an der Bundesstraße 305 zunächst mit einer einfachen Überdachung aufgestellt. Doch die Verkehrs- und Witterungseinflüsse setzten den Holzfiguren sehr zu und man versuchte, durch Glasabdeckungen die Einwirkungen zu reduzieren. Das gelang allerdings nicht in ausreichendem Maße und die Gruppe hatte dadurch sehr gelitten.

Aufgrund von Straßenbaumaßnahmen am Gastagweg musste das »Bauwerk« abgerissen und die Kreuzigungsgruppe abgenommen werden. Längere Zeit blieb unklar, wo sie nun aufgestellt werden sollte. Das Jubiläum »150 Jahre Kirchweihe Marktschellenberg« sollte nun den nötigen Schub geben, aus diesem Anlass auch für die Kreuzigungsgruppe einen würdigen Platz zu finden. In gutem Einvernehmen mit zahlreichen Verantwortlichen und amtlichen Stellen gelang es, die Restaurierung der Figuren und die Gestaltung der neuen Kapelle zu realisieren. Insbesondere die Finanzierung dieser Maßnahme beschäftigte die Kirchenverwaltung. Dem Durchsetzungswillen von Pfarrer Thomas Frauenlob und Verwaltungsleiter Michael Koller ist es zu verdanken, dass sie nun unweit des ursprünglichen Aufstellungsortes, nach langer Wanderschaft, auf den »Kriegenberg« zurückkehrt ist. Die Restaurierung der Figuren übernahm Christian Bauer in Chieming, die Bauleitung lag in Händen von Michael Wendl und die Ausführung durch heimische Firmen erfolgte unter der Federführung von Toni Stangassinger.

Moderne Gestaltung, neue Technik

Der bewusst schlicht und klar gehaltene Kapellenbau soll der Wirkung der Figurengruppe nichts nehmen, diese sogar betonen und den Blick auf den gekreuzigten Christus lenken. Dies wird auch durch eine dezente Hintergrund-Beleuchtung der Zentralfigur verstärkt, die über ein Fotovoltaikpanel mit Strom versorgt wird. Die Größe, insbesondere die Tiefe der Rundung des Kapellenbaus, dient dem Schutz der Figuren vor schädlichen Witterungseinflüssen und bietet zudem den Vorübergehenden die Möglichkeit des Verweilens auf – noch zu schaffenden – Sitzgelegenheiten.

Die Kreuzigungsgruppe grüßt nun wieder die Kommenden und Gehenden aus Marktschellenberg. Sie hat wieder eine Heimat gefunden – hoffentlich für viele Jahre, wie jetzt bei der Weihe betont wurde. Vorausgegangen war ein Festgottesdienst, der von Monsignore Dr. Thomas Frauenlob zelebriert wurde. Ihm stand eine große Schar Ministranten zur Seite und die musikalische Gestaltung hatte der Kirchenchor unter der Leitung von Adrian Suciu übernommen.

Nachdem es die Wetterverhältnisse zuließen, konnten die Gläubigen wie geplant in einer Lichterprozession von der Pfarrkirche aus zur Kapelle ziehen. Dort erwarteten den Zug weitere Teilnehmer sowie die Musikkapelle Marktschellenberg, die die Weihefeierlichkeiten musikalisch begleitete.

Nach der Weihe bedankte sich Pfarrer Frauenlob bei allen, die zur Gestaltung der Feier beigetragen hatten. Dem Dank an alle Handwerker und sonstigen Mitwirkenden schloss sich Verwaltungsleiter Michael Koller an, der kleine Präsente für den Architekten Michael Wendl, die Baufirma Stangassinger und vor allem für Waltraud Schweiger dabei hatte, die durch die Grundstücksabtretung den Bau der Kapelle an dieser Stelle überhaupt erst ermöglicht hat. Dem Dank schloss sich auch Bürgermeister Michael Ernst an.

Nach Abschluss der Weihe-Feierlichkeiten begab sich der Zug zum Pfarrhof, wo noch eine »Agape« zum Ausklang des Abends angeboten wurde.

Franz Heger