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Klaus Reithmeier am Klavier. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Klaus Reithmeier verzaubert die Zuhörer mit Songs des erfolgreichen Pianisten Billy Joel

Berchtesgaden – Eigentlich ist er von Beruf Personaltrainer. Das Klavierspielen aber ist Klaus Reithmeiers große Leidenschaft. Bei jährlichen Konzertabenden für die Öffentlichkeit verwirklicht er sich einen kleinen Traum – immer für einen guten Zweck. In der evangelischen Kirche in Berchtesgaden begeisterte der gebürtige Berchtesgadener rund 70 Zuhörer mit Songs von Billy Joel. Mehr hätten wegen Corona auch nicht Platz gehabt.


Komplexe Musik

Sechs Jahre alt war Klaus Reithmeier, da saß er zum ersten Mal am Klavier. Es folgte eine klassische Ausbildung, regelmäßiger Unterricht bis hin zum Abi-tur. Während des Studiums spielte er unter anderem im Wohnheim. Elton John, Billy Joel, Bruce Springsteen – allesamt Künstler, deren Musik Reithmeier begeistern kann. »Ein Billy Joel fasziniert mich in jeder Hinsicht«, sagt er.

Der US-Amerikaner gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Solokünstlern überhaupt, der Pianist hat über 80 Millionen Platten verkauft. Reithmeier sagt, Joels Musik sei durchaus als komplex zu werten, wenn man am Klavier sitzt, Anleihen aus der klassischen Musik fließen darin ein. Er mag den Charakter der Musik. »Technisch ist das manchmal auch gar nicht so einfach zu spielen.«

Seit mehreren Jahren widmet sich der 38-Jährige intensiv dem Songschreiber Joel, dessen Hochphase weit zurückliegt, dessen bekannteste Songs aber noch immer im Radio gespielt werden.

»Das Klavierspielen erfordert viel Zeit«, weiß der 38-Jährige. Hunderte Stunden habe er in Joels Lieder investiert. Die Songs hat er im Kopf abgespeichert. Reithmeier spielt ohne Noten, die Finger treffen die Tasten und entlocken dem Musikinstrument die Töne. »Irgendwann wollte ich dazu auch singen.« Reithmeier nimmt seit diesem Zeitpunkt regelmäßig Gesangsunterricht an der Musikhochschule in München. »Denn ich will ja auch besser werden.« Selbst spielen und dazu zu singen, sei gar nicht so leicht, »es ist aber reine Übungssache.« Das Schwierige: Die Musik zum einen runter zu spulen, zum anderen die Gesangsstimme technisch gekonnt darzustellen und es in jener Sprache zu vermitteln, die es ermöglicht, die im Song angesprochenen Gefühle auszudrücken.

Warum nicht auch mal ein kleines Konzert geben, dachte der Berchtesgadener und nahm vor drei Jahren Kontakt zur evangelischen Gemeinde in München auf. Unter der Woche wohnt und arbeitet Reithmeier in München als Personaltrainer.

Win-win-win-Situation

In den vergangenen Jahren hat er mehrere Auftritte in der Erlöserkirche gehabt, eines pro Jahr. Rund 100 Personen kamen zu den Billy Joel-Konzerten. Die Spenden gingen an die Obdachlosenhilfe. Als »Win-win-win-Situation« bezeichnet Reithmeier seine Klavierkonzerte.

Zuhörer haben im besten Fall Freude an der Musik, mit dem Geld wird zudem Gutes getan – und der Pianist ist gezwungen, fleißig zu üben und sich vorzubereiten. Dieses Jahr musste der Termin in München wegen Corona abgesagt werden. Reithmeier fragte also in seiner Heimat Berchtesgaden nach, wandte sich an die evangelische Gemeinde und wurde von deren Pfarrer Dr. Josef Höglauer freudig empfangen.

Das einstündige Konzert, das Klaus Reithmeier Ende vergangener Woche gab, war das Ergebnis etlicher Stunden am Klavier. Unter den vorgetragenen Songs waren nicht nur Welthits. »Ich wollte bewusst auch unbekanntere Lieder von Billy Joel spielen.«

Noten benötigt er beim Spielen keine, als »Ankerpunkt« versteht er die Blätter vor sich auf dem Klavier mit den Liedertexten. »Daran kann ich mich gut orientieren.« Reithmeier begreift sich als Hobbyspieler: »Ich habe bislang kein Konzert gespielt, bei dem ich fehlerfrei durchkam.«

Ein zusätzliches Konzert im Sommer

Manchmal genüge ein kurzer Moment der Ablenkung, ein Blick ins Publikum, in dem der »Fluss in den Fingern« unterbrochen sei. Dann müsse man neu ansetzen, wieder klare Gedanken fassen und den Fingern erneut freien Lauf lassen. Die Zuhörer lauschten bei »Leningrad«, »Scenes from an Italian Restaurant«, »She's got a way« oder »My life« der Musik und dem Gesang des Künstlers. Am Ende landeten knapp 500 Euro in der Spendenbox. Das Geld soll nun für die Jugendarbeit der evangelischen Gemeinde sinnvoll genutzt werden. Weil das Interesse im Vorfeld groß war, die Corona-Einschränkungen die Möglichkeiten aber einschränkten, wird Klaus Reithmeier im Sommer ein zweites Konzert in Berchtesgaden spielen. Billy Joel, Elton John. Bis dahin will er viel Zeit am Klavier verbringen und weitere Songs einstudieren.

Kilian Pfeiffer