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Klassik, die lange nachklingt

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Cellistin Regina Maria Brandner, Trompeter Franz Xaver Tradler und Harfenistin Verena Meurers-Zeiser (von links) boten in der kleinen, vollbesetzten Wallfahrtskirche St. Coloman bei Tengling einen musikkulinarischen Hochgenuss. (Foto: Caruso)

Mit exzellentem Können fesselten die Instrumentalisten Franz Xaver Tradler (Trompete), Regina Maria Brandner (Cello) und Verena Meurers-Zeiser (Harfe) das Publikum im altehrwürdigen Ambiente der St.-Coloman-Kirche in Tengling schon vom ersten Moment an. Die drei Musiker gestalteten ein abendliches Klassikkonzert, das unter dem Motto »Liebesleid und Liebesfreud« stand, und wurden zum einen von der großen Zahl an Zuhörern und zum anderen vom frenetischen Zwischenapplaus nach jedem Stück und vom begeisterten Schlussbeifall mehr als angenehm überrascht.


Dieses von bestechender Spielfreude und vollkommener Harmonie geprägte Konzert bildete die Premiere ihrer Ensemblearbeit. Die Künstler, die sich für dieses Programm zusammengefunden und damit schon einige Tage zuvor in der Egerdacher Kirche überzeugt haben, sind ansonsten meist vielbeschäftigt und leben weit verstreut, kennen sich aber schon lange, weil sie in der Gemeinde Wonneberg zuhause sind. Sie nutzten ihre Ferienzeit, um das Programm einzustudieren, mit dem sie die Besucher solistisch, im Duett und als Trio einhüllten in den Klangmantel seltener Kombinationen von Trompete, Cello und Harfe.

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Der 25-jährige Franz Xaver Tradler war bis 2015 zwei Jahre lang Mitglied der Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters und ist momentan bei den Münchener Symphonikern angestellt. Die 29-jährige Regina Maria Brandner ist Musikpädagogin und lehrt am Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein. Die, in Waging am See geborene, 23 Jahre alte Verena Meurers-Zeiser studiert seit 2011 Konzertharfe an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Durch ihren professionellen Vortrag im Presbyterium der Kirche verschmolzen die drei Musiker gleich beim Auftakt des aus der Feder des italienischen Komponisten Tommaso Albinoni stammenden 1. Satzes des Concerto in B – Allegro – für Oboe zu einer harmonischen Einheit. Diese musikalische Verbundenheit erzielte die fein aufeinander abgestimmte Gruppe zudem bei Fritz Kreislers »Liebesleid und Liebesfreud«. Dabei handelte es sich um Alt-Wiener Tanzweisen, die geprägt sind vom Wiener Kaffeehaus-Stil: Die eine eher elegisch sentimental und die andere schwungvoll heiter. Auch bei seinen weiteren Darbietungen, die es mit Herz und Charme routiniert spielte, überzeugte das Ensemble mit großartiger Klangfülle.

Zu einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis trug auch das gemeinsame Spiel von Cello und Harfe bei: Nachdem die beiden Damen mit einem Ständchen aus dem Liederzyklus »Schwanengesang«, einem vertonten Gedicht von Franz Schubert, ergriffen von der Sehnsucht nach dem in der Ferne weilenden, geliebten Menschen erzählt hatten, begegneten sich die himmlischen Harfenklänge und die virtuose Streichermusik erneut bei der Romanze Nr. 1, op. 243 von Johann Strauß.

Die Werke großer Opernliteratur boten Gelegenheit, über religiöse Fragen nachzudenken, denn meist verbergen sich gerade in Opern Grundsatzfragen über die menschliche Existenz und nicht selten wurden Fragen der Religion von Komponisten auf die Bühne gebracht.

Im weiteren Verlauf des Konzerts brillierten der Trompeter und die Harfenistin mit Carmen-Variationen über die »Habanera« und boten damit eines der stärksten Stücke des Abends. Habanera lautet der populäre Name für die Arie aus Georges Bizets Oper »Carmen« mit dem Titel »L’amour est un oiseau rebelle«, die üblicherweise von einer Mezzosopranistin gesungen wird. Begleitet von Harfenklängen imitierte Tradler ausdrucksstark und kraftvoll nun die schöne Zigeunerin, was die Sache sehr lebendig machte.

Geschmeidig, konzentriert und mit kreativer Leichtigkeit trug die Harfenistin zum einen das von Nicolas Charles Bochsas geschriebene Rondo »Zitti, zitti« aus der Oper »Der Barbier von Sevilla« (Rossini) und zum anderen das Prélude in C des russischen Komponisten Serge Prokofjew als instrumentale Solostücke vor. Ergänzt wurde die Musik durch humorvolle Erläuterungen zu den einzelnen Stücken. »Liebesleid und Liebesfreud« war ein durch und durch gelungenes Gastspiel junger Künstler, die mit ihren Zugaben schließlich einen innigen Schlusspunkt unter das Konzert setzten, das wohl noch lange nachklingt. Anneliese Caruso