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Klangmalerei vom Feinsten

In der prächtigen Kulisse der gut gefüllten Pfarrkirche St. Georg fanden die achten Ruhpoldinger Opern- und Konzerttage ein klangvolles Ende. Bereits zum sechsten Mal gastierte dort das Orchester Pro Musica Salzburg unter der Leitung seines Gründers Prof. Wilfried Tachezi. Das Orchester wurde 1988 gegründet, um den besten Absolventen der Universität Mozarteum Erfahrungen im Orchesterspiel zu vermitteln.

Das Orchester begann in reiner Streicherbesetzung mit der Suite »Aus Holbergs Zeit« des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. In diesem Werk kleidet der Komponist barocke Satzformen in romantisch-nordisches Gewand. Schwungvoll und frisch ertönte das Prélude, anmutig erklang die Sarabande, gefolgt von einer tänzerischen Gavotte. In der melancholischen Air spielen die tiefen Streicher mit ihren dunklen Klangfarben eine wichtige Rolle. Das Orchester betrieb nordische Klangmalerei vom feinsten, ehe sich im musikantischen Rigaudon Sologeige und Solobratsche herrlich austoben konnten.

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Franz Schubert hat kein einziges Solokonzert geschrieben, wohl aber drei solistische Werke für die Violine: ein Konzertstück, eine Polonaise und das berühmte Rondo in A-Dur, das als nächstes Werk auf dem Programm stand. Mit Frank Stadler haben sich die Veranstalter einen Spitzengeiger an Bord geholt, der in unserer Region wohl niemandem mehr vorgestellt werden muss. Nach einer langsamen, würdevollen Einleitung präsentierte sich Stadler mal virtuos und lustvoll musizierend, mal äußerst gefühlvoll, reich an musikalischen Kontrasten und Klangfarben. Eine zudem technisch perfekte Leistung, stets aufmerksam und sensibel vom Orchester begleitet.

Nach der Pause stand die »Schottische« Symphonie von Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm, in welcher der Komponist Eindrücke einer Schottlandreise musikalisch verarbeitet. Wenn auch dieses Werk heute als Mendelssohns dritte Symphonie zählt, so ist es in Wirklichkeit seine fünfte und letzte Symphonie, da die früher entstandenen Werke »Italienische« Symphonie sowie »Reformationssymphonie« erst später veröffentlich wurden.

In der »Schottischen« Symphonie gehen alle vier Sätze ineinander über, wodurch der Zuhörer in ein groß angelegtes, 40-minütiges »Tongemälde« eintauchen darf. Von herber Schönheit präsentiert sich der erste Satz, lange ruhig und einsam, dann wieder aufbrausend und stürmisch. Musikantisch und ausladend fröhlich erklingt der zweite Satz, unirdisch schön und wunderbar gestaltet das Adagio, ehe das Finale mit herber Rhythmik beginnt und sich schließlich in eine strahlende Apotheose in A-Dur ergießt. Das Orchester unter Prof. Tachezi musizierte fabelhaft, meisterte alle technischen Schwierigkeiten und ließ den Zuhörer regelrecht in eine wunderbar abwechslungsreiche Klang- und Landschaftsmalerei eintauchen, ohne kitschig zu werden. Das Publikum erklatschte sich noch im Stehen eine Mozart-Ouvertüre.